Handel & IndustrieMaschinenbau

Hoppes Kohlenschüttkran

Prometheus • 31.10.1894

Voraussichtliche Lesezeit rund 5 Minuten.

Diesseits und jenseits des Ozeans sind die mannigfachsten Versuche gemacht worden, das Übernehmen von Kohlen auf Schiffe, oder aus diesen nach dem Lande zu verbessern; denn der außerordentliche Aufschwung, den der Dampf­schiff­verkehr und das Maschinenwesen überhaupt genommen, hat auch den Bedarf an Kohlen in gleichem Maß gesteigert. Ihn zu befriedigen, erwies sich die bisher gebräuchliche Art des Überladens von Kohlen mittelst Handarbeit oder Winden teils als viel zu zeitraubend, teils als zu kostspielig. - R E K L A M E - eed.7.009.bau-des-ludwigs-kanal.9783738640281.asm21.02 Die Anwendung maschineller Hilfsmittel war daher unumgänglich notwendig, und die Technik hat sich dieser Aufgabe, die ihren mannigfachen Zwecken entsprechend auch eine verschiedene Lösung forderte, mit erfreulichem Erfolg angenommen. Die Ladevorrichtungen werden verschieden sein müssen, je nachdem man die Kohlen aus Eisenbahnwagen in Schiffe, oder umgekehrt, oder von Schiff zu Schiff verladen will. Eine in Amerika gebräuchliche Vorrichtung zum Überladen von Kohlen aus Schiffen in Eisenbahnwagen, Lokomotiven, Speicher, oder auch in andere Schiffe ist  hier dargestellt. Nach demselben Prinzip ist die hochinteressante  Kohlenförderungsanlage in Charlottenburg eingerichtet. Diese Vorrichtungen würden aber für eine umgekehrte Anwendung, für das Überladen von Kohlen aus Eisenbahnwagen in Schiffe, nicht zweckmäßig sein, es sei denn, dass man die Kohlen erst aus den Wagen zu Haufen aufschüttet. Auch dieses Verfahren wird in Amerika da angewendet, wo Eimerketten ohne Ende, nach Art der Pater­noster­werke, zum Überladen oder Fortschaffen der Kohlen nach den Speichern usw. dienen.

Hoppes Kohlenschüttkran im Freihafen zu Bremen.Hoppes Kohlenschüttkran im Freihafen zu Bremen.

Die Maschinenbauanstalt von C. Hoppe in Berlin hat nun zu diesem Zweck für den Freihafen in Bremen einen Hebekran gebaut, mittelst dessen die mit Kohlen beladenen Eisenbahnwagen vom Gleis abgehoben, über das zu beladende Schiff gedreht und in dasselbe entleert werden. Das Krangerüst ist mit einer tor­artigen Öffnung über dem Eisenbahngleise errichtet. Die Wagen werden einzeln auf eine Bühne gefahren, auf dieser durch Klammern gehalten und mit der Bühne durch den Kran waagerecht angehoben und herumgeschwenkt. Das Krangerüst trägt, wie die Abbildung erkennen lässt, zwei Kräne. Der eine derselben, der Trichter­kran, hebt einen eisernen Trichter über die Schiffsluke, durch welche die Kohlen einge­schüttet werden sollen. Der andere ist ein Doppelkran mit zwei unter einander liegenden Hebe­ketten, deren jede besonderen Betrieb hat. Dadurch ist es möglich, dass durch Anziehen der unteren hinteren Hebe­kette der bis zum Schütt­trichter herum­geschwenkte Kohlenwagen hinten angehoben und so in den Trichter ausgeschüttet werden kann. Ist dies geschehen, so wird die Bühne mit dem Wagen in ihr Lager zurück­gesenkt und ein neuer Wagen auf dieselbe gefahren. Der Kran hat hydraulischen Betrieb, 2 t Tragfähigkeit und bei 8 m Ausladung 10 m Hub. Der Trichter­kran hat 11 m Ausladung und eine Hubhöhe von 14 m. Der Kran arbeitet sehr zufriedenstellend und ist außerordentlich leistungsfähig.

Kohlenschüttkran am Eriesee, einen beladenen Wagen heraufziehend.Kohlenschüttkran am Eriesee, einen beladenen Wagen heraufziehend.
Kohlenschüttkran am Eriesee, den Inhalt eines Wagens in ein Schiff schüttend.Kohlenschüttkran am Eriesee, den Inhalt eines Wagens in ein Schiff schüttend.

Eine dem gleichen Zweck dienende originelle Vorrichtung ist neuerdings am Eriesee in Nordamerika in Gebrauch genommen. Die beladenen Kohlenwagen werden durch eine Maschine mittelst Taue auf eine senkrecht zur Ufermauer liegende Gleisbühne gezogen. Letztere schwingt, wie eine Wippe, um eine in ihrer Längenmitte liegende waagerechte Welle. Die Bühne hat eine starke Neigung zu dem hinaufzuziehenden beladenen Kohlenwagen und kippt nach dem zu befrach­tenden Schiff hinunter, sobald der Kohlenwagen die Mitte der Bühne überschreitet. Wird das dem Schiff zugekehrte Kopfende des Wagens geöffnet, so gleiten die Kohlen in Folge der Neigung des Wagens aus diesem heraus. Die schwingende Gleisbühne ist mit ihrer Dampfmaschine auf einem Eisenbahnwagen aufgestellt, der auf einem an der Ufermauer entlang führenden Gleis steht. Diese Vorrichtung hat seit Ende Juni 1894 in zwei Monaten oder 300 Arbeitsstunden in 29 Schiffe 59 794 t Kohlen über­geladen, so dass auf die Stunde etwa 200 t Kohlen kommen. Die Höchstleistung sind 15 Wagen zu 23 t, also 345 t in der Stunde.

• Auf epilog.de am 18. Juni 2026 veröffentlicht

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