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Ladevorrichtung für Kohlen

auf der Manhattan Elevated Railroad in New York

Prometheus • 4.7.1894

Es ist allgemein bekannt, dass die Stadt New York ihrem stetig gesteigerten Bedürfnis nach einer Erweiterung ihrer Verkehrsmittel schließlich dadurch abgeholfen hat, dass sie, allerdings nicht zu ihrer Verschönerung, sich den Bau von Hochbahnen in etwa der Hälfte ihrer Längsstraßen (Avenues) hat gefallen lassen. Auf diesen herrscht fast ununterbrochen ein ungeheurer Verkehr, die Züge, welche sich in Abständen von etwa einer Minute folgen, sind zu fast allen Zeiten des Tages und der Nacht überfüllt. Die Bahn wird nicht, wie in Europa vielfach irrtümlich angenommen wird, elektrisch betrieben, sie ist auch nicht, wie man mitunter behaupten hört, schmalspurig, sondern sie ist eine Vollbahn mit Dampfbetrieb wie jede andere. Zur Vermeidung von Ruß und Rauch sind die Feuerungen der Lokomotiven für Anthrazit eingerichtet, welcher im Staate New York und in Pennsylvanien gegraben und zu Wasser nach New York gebracht wird. Für das Entladen der Kohlenboote und das rasche und bequeme Verproviantieren der Lokomotiven ist ganz vor kurzem eine neue Anlage in Betrieb gesetzt worden, welche so sinnreich konstruiert ist, dass es unsere Leser interessieren dürfte, Einiges über dieselbe zu erfahren. Unsere Abbildung veranschaulicht die Anlage in ihren verschiedenen Teilen.

Die ganze Anlage ist aus Stahl erbaut und vereinigt eine leichte und zierliche Bauart mit großer Festigkeit. Sie arbeitet ununterbrochen Tag und Nacht und vermag in 10 Stunden 600 t Kohle aus den Schiffen zu ent- und auf Lokomotiven zu verladen. Sie bildet einen mehrstöckigen Bau unmittelbar am Ufer des Haarlem River, an welches die vollen Kohlenboote dicht heranfahren. Der auf dem obersten mit zwei Schienengleisen versehenen Stockwerk hin und her fahrbare Kran hat einen weit ausladenden Arm, von welchem die den Förderkorb tragende Kette hinabhängt. Der Korb besteht aus zwei Hälften, welche sich nach unten hin öffnen, und wird in geöffnetem Zustand auf die Oberfläche der Kohlen hinabgelassen. - R E K L A M E - Die Berliner Schwebebahn von Gesundbrunnen nach Rixdorf Sobald dann die Kette anzieht, schließen sich die Backen des Korbes in der Weise, wie es die Abbildung links unten zeigt, und graben sich dabei in die Kohlen ein, von denen sie etwa eine Tonne erfassen. Der geschlossene und gefüllte Korb steigt nun empor, stößt, oben angelangt, an den geneigten Balken an und wandert diesem folgend bis über den großen Trichter des Krans, welcher auf unserer Zeichnung hinter dem Häuschen des Maschinisten sichtbar ist; hier öffnet sich der Korb und die Kohlen stürzen in den auf dem Schienengleis bereitstehenden Wagen. Sie werden nun durch ein Drahtseil bis an das Ende der Bühne gezogen, wo sie gewogen und sofort in das zweite Stockwerk hinabgestürzt werden; hier fallen sie in einen Trichter mit fünf röhrenförmigen Mündungen, welche in solcher Weise über fünf Bahngleisen stehen, dass fünf Lokomotiven gleichzeitig heranfahren und ihre Kohlenbehälter füllen können. Zwischen den Mündungen des Trichters und der Lokomotive sind automatische Wiege­körbe eingeschaltet (auf dem mittleren Teile der Abbildung sichtbar), welche den Kohlenzufluss durch einen Schieber absperren, sobald ¼ t in sie hineingeflossen ist. Die Lokomotiven erhalten somit ihren Bedarf in Portionen, deren Anzahl gegen die Nummer der gespeisten Maschine von dem Wiegemeister gebucht wird. Da auch die von jeder Maschine täglich zurückgelegte Meilen­zahl gebucht und der Quotient aus Meilen­zahl und Kohlenverbrauch eines jeden Heizers allwöchentlich von der Direktion allen Beamten mitgeteilt wird, so entsteht unter den verschiedenen Heizern ein für die Finanzen der Gesellschaft sehr förderlicher Wettstreit um den geringsten Kohlenverbrauch. Während der Speisung mit Kohlen nehmen die Maschinen gleichzeitig auch ihren Wasserbedarf zu sich. Der Förderkran auf der oberen Bühne kann nach Bedarf verstellt werden. Da sein Betrieb mit Dampf erfolgt, so muss dafür gesorgt werden, dass er in jeder Stellung aus der im untersten Geschoss befindlichen Kessellage den nötigen Dampf zugeführt erhält. Zu diesem Zweck befinden sich auf der oberen Bühne in ihrer ganzen Länge Dampfrohre, welche, wie das unten in der Mitte einzeln abgebildete Rohr zeigt, unten durch ein Ventil absperrbar und in ihrem oberen Teil durch ein Kugelgelenk beweglich sind. An jedes dieser Rohre lässt sich das Dampfrohr der Maschine des Förderkrans in einfacher Weise anschließen. Die Maschine befindet sich in dem links am Kran sichtbaren eisernen Haus, während der Maschinist von dem rechten Häuschen aus sowohl die Bühne, wie die unten liegenden Boote übersehen und dementsprechend seine Anordnungen treffen kann.

• Auf epilog.de am 15. April 2026 veröffentlicht

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