Handel & IndustrieFabrikation

Die Fabrikation der
Blattmetalle und Bronzefarben

Prometheus • 5.4.1893

Voraussichtliche Lesezeit rund 12 Minuten.

Zu den vielen auffallenden und merkwürdigen Eigenschaften der Metalle gehören in erster Linie ihr Glanz und ihre Dehnbarkeit. Während der eigenartige Metallglanz sich, wie man jetzt weiß, noch bei vielen anderen Substanzen wiederfindet, ist die Dehnbarkeit oder Duktilität wohl ausschließlich auf die Metalle beschränkt, wenigstens findet sie sich bei keinem nichtmetallischen Körper in auch nur annähernd gleichem Maße. Aber auch bei den Metallen ist sie in sehr ungleichem Maße entwickelt; auch wird gerade diese Eigenschaft mehr als irgendeine andere von den in einem Metall enthaltenen Beimengungen oder Verunreinigungen beeinflusst. Das reine Eisen z. B. ist außerordentlich dehnbar, wir können es daher zu den feinsten Drähten ausziehen; aber schon die wenigen zehntel Prozent Kohlenstoff, durch deren Aufnahme Eisen in Stahl verwandelt wird, genügen, um seine Dehnbarkeit stark zu beeinträchtigen; und wenn der Kohlenstoffgehalt noch höher steigt, so entsteht das glasartig spröde und gar nicht mehr dehnbare Weißgusseisen.

Für das dehnbarste aller Metalle gilt auch das edelste derselben, das Gold; man kann dasselbe, namentlich, wenn es vollkommen rein ist, durch Walzen und Hämmern in fast unbegrenztem Maße recken und seine Oberfläche vergrößern; die so erhaltenen Goldbleche von fast unmessbarer Dicke waren schon im frühen Altertum bekannt und finden auch heute als ›echtes Blattgold‹ die ausgedehnteste Verwendung. Indem man die verschiedensten Gegenstände mit dem Blattgold überzieht, verleiht man denselben eine dauerhafte, goldglänzende Oberfläche, deren Herstellung in Folge der außerordentlichen Dünnheit des Blattgoldes nicht einmal teuer zu stehen kommt; denn man hat ausgerechnet, dass für 10 Mark Gold, zu Blattgold verarbeitet, hinreichen würde, um das bekannte Reiterstandbild des Großen Kurfürsten auf der Kurfürstenbrücke zu Berlin, allerdings etwas dünn, zu vergolden. Den ausgiebigsten Gebrauch von dieser Dehnbarkeit des Goldes machen die Russen in ihren vergoldeten Zwiebelkuppeln der Kirchen; wenn auch auf den vielen Hunderten von vergoldeten Kuppeln, welche z. B. in Moskau zum Himmel ragen, mancher Zentner Gold stecken mag, so sieht doch immerhin die Sache noch kostbarer aus, als sie ist.

Weiterlesen mit
epilog.de

Werde epilog.plus-Mitglied und Du bekommst

  • Zugriff auf exklusive Beiträge wie diesen
  • PDF-Versionen und/oder eBooks von ausgewählten Artikeln
  • weniger Werbung und dafür mehr historische Bilder und alte Reklame

und Du hilfst uns, noch mehr interessante Beiträge zur Kultur- und Technikgeschichte zu veröffentlichen.

Ich bin bereits Mitglied und möchte mich anmelden.

• Auf epilog.de am 24. Februar 2026 veröffentlicht

Reklame