Handel & IndustrieFabrikation

Die Sächsische Webstuhlfabrik in Chemnitz

(vormals Louis Schönherr)

Uhlands Industrielle Rundschau • 7.7.1887

Voraussichtliche Lesezeit rund 7 Minuten.

Eine der großartigen industriellen Schöpfungen, denen das gewerbefleißige Chemnitz sein schnelles Aufblühen zur ersten Fabrikstadt Sachsens verdankt, ist die Sächsische Webstuhlfabrik (Louis Schönherr). Das unter dieser Firma heute weltbekannte Etablissement wurde im Jahr 1851 von Schönherr im Verein mit einem Kaufmann namens Seidler unter der Firma Louis Schönherr & Seidler mit äußerst bescheidenen Mitteln begründet. Louis Schönherr, aus einer armen Weberfamilie des Vogtlandes stammend, hatte schon früher gemeinsam mit seinem älteren Bruder Wilhelm mechanische Webstühle nach eigenem System gebaut, an deren Betriebsweise der heutige, unter ganz anderen Verhältnissen arbeitende Schönherrsche Webstuhl noch durch seinen Antrieb erinnert. Zunächst hatten diese Stühle für leichtere, hauptsächlich baumwollene Waren Anwendung gefunden und von jener Zeit her mögen sich noch eine Anzahl solcher in den Händen kleinerer Fabrikanten befinden. Seiner eigentlichen Bestimmung wurde der Schönherrsche Webstuhl erst zugeführt, als Schönherr ihn für die Tuchweberei umbaute und in der Erkenntnis, dass hierbei ganz andere Anforderungen hinsichtlich der Stabilität der Konstruktion zu erfüllen waren, demselben die solide und exakte Einrichtung gab, welche noch heute die Webstühle der Firma auszeichnet. Im Wesentlichen charakterisiert sich das Schönherrsche System in der Bewegung der Lade mittels Exzenter und Feder durch die an der rechten Seite des Stuhls befindliche Hauptwelle, der Bewegung der Schützen durch eine abwechselnd gespannte und gelöste Feder und dem Antrieb mittels einer Riemenscheibe mit eigenartiger Auslösung, um dieselbe zugleich als Fest- und Losscheibe dienen zu lassen. Eigentümlich ist dem Stuhl ferner die Art der Geschirrbewegung mit aufrecht stehenden Schemeln, Exzentern und Federn, die Art der Schleifbaumbewegung, um beim Fachöffnen die Kette nachzulassen und sie beim Anschlag wieder zu spannen, die selbsttätige Regulierung der Kettenspannung bei abnehmendem Kettenbaumdurchmesser und die negative Zeugbaumregulierung, bei welcher die fertige Ware nur im Verhältnis zum wirklich eingetragenen Schuss aufgenommen wird.

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