VerkehrEisenbahn

Deutsche Bahn AG / baulog AG

Erde per Schiene direkt in die Lausitz

Berliner Wirtschaft • August 1994

Der Abtransport von Erdaushub von der Großbaustelle Potsdamer Platz hat begonnen. Gleichzeitig startet damit die Deutsche Bahn AG ihr größtes Gütertransportvorhaben in Berlin.

Mit der Nutzung des Schienenweges beim Abtransport vom Gelände des Logistikzentrums Süd wird ein weiteres Herzstück des Logistikkonzeptes für eine stadt- und umweltverträgliche Ver- und Entsorgung der Baustellen am Potsdamer Platz in die Tat umgesetzt, betonte Werner Remmert, Beauftragter der Konzernleitung der Deutsche Bahn AG für das Land Berlin. Angesichts der bereits angesammelten Erdaushubmengen von etwa 80 000 t auf dem Logistikplatz südlich des Landwehrkanals war es ›höchste Eisenbahn‹, freie Fahrt für den Abtransport zu geben.

Logistikzentrum SüdDeutsche Bahn AGIm Logistikzentrum Süd wird jetzt Bodenaushub vom Potsdamer Platz in nagelneue Bahnwaggons verladen.

Nach der jetzt beginnenden Anlaufphase sollen künftig bis zu acht Züge täglich den Erdaushub aus der Stadt hinausfahren. Das meiste davon wird einer Wiederverwertung zugeführt wie z. B. für den Dammbau oder vor allem zur Verfüllung der Tagebaugruben in der Lausitz. Der Rest wird auf Deponien verbracht.

Um den Transport zu bewältigen, sind von der Deutsche Bahn AG eigens 250 moderne Schüttgutkippwagen beschafft worden. Neben den Erdaushubzügen werden auch vier weitere für Kies- und Sandtransporte sowie einer für Zement bereitgestellt. Da die Züge auch am frühen Morgen und späten Abend verkehren werden, setzt die Bahn neben der üblichen Zuglokomotiven lärmgedämpfte Rangierlokomotiven der Baureihe 298 ein.

Den heutigen Planungen entsprechend sollen bis zum Jahre 2000 insgesamt 11 Mill. t Güter per Bahn versendet oder empfangen werden. Die Konzentration auf Bahn und Schiff beim Transport reduziert die sonst notwendigen 1700 Lkw-Fahrten pro Tag auf rund ein Zehntel.

Um das Vorhaben zu verwirklichen, hat die Bahn kurzfristig 34,8 Mill. DM zur Verfügung gestellt. Neben den neuen Güterwagen wurden die Arbeiten zur Inbetriebnahme des Potsdamer Güterbahnhofs und auf den Strecken finanziert. Hinzu kommen Investitionen der baulog in Höhe von 30 Mill. DM. Sie investierte beispielsweise in etwa 5 km Gleisanlagen und Bahnbrücken, eine 2,5 km lange Transportstraße und ließ 20 km Ver- und Entsorgungsleitungen verlegen.

• Thomas Ebelt

Buchtipp:
Am 15. Juni 1880 wurde das neue Empfangsgebäude der Berlin-Anhalter Eisenbahn am Askanischer Platz dem Verkehr übergeben. Doch die Eröffnung des imposanten Bauwerks von Franz Schwechten war nur eine Etappe des 1871 begonnenen Umbaus des Anhalter Bahnhof in Berlin. Auf einer Länge von 5 km wurden neben dem Personenbahnhof ein Güterbahnhof, Werkstätten, Aufstell- und Verschiebegleise und viele weitere Anlagen neu errichtet. In zeitgenössischen Originaltexten werden die Anfänge der Berlin-Anhalter Eisenbahn, der Umbau des Bahnhofs und die Architektur der Gebäude geschildert. Zahlreiche Fotos und Zeichnungen illustrieren dieses Zeitdokument der Berliner Verkehrs- und Architekturgeschichte.
  PDF-Leseprobe € 14,90 | 98 Seiten | ISBN: 978-3-7431-9651-3

• Auf epilog.de am 1. Oktober 1997 veröffentlicht

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