Verkehr – Eisenbahn
Einschienige Pionier-Eisenbahn
Das Buch für Alle • 1879
Um die Verpflegung und den Transport der britischen Truppen in der Kapprovinz zu erleichtern, soll jetzt das Material zu einer neu erfundenen militärischen oder Pionier-Eisenbahn von der einfachsten Konstruktion nach dem Süden Afrikas geschafft werden, nachdem der praktische Wert und die Leichtigkeit der Erbauung dieser Pionier-Eisenbahn jüngst durch Versuche und Manöver in England erprobt worden ist.
Abb. 1. Die für Südafrika projektierte Pionier-Eisenbahn.
1. Waggons. | 2. Lokomotive. | 3. Querschnitt der Waggons. Diese Bahn, von einem Ingenieur Haddan erfunden und ursprünglich für den Gebrauch der türkischen Armee bestimmt, gehört zu den einschienigen Bahnen und bedarf weder Unterbau noch Schwellen, ja bei der Anlage weder Vermessungen, Nivellierungen noch anderer Vorarbeiten. Die Bahnstrecke ruht auf 2,1 m langen Pfosten, 275 auf einen Kilometer (also ein Pfosten auf je 3,6 m in der Länge), die Schiene ersetzt ein Querholz in Gestalt eines ∧ (Kamelsattel-System), auf welchem das ganze Betriebsgerät der Bahn sich bewegt. Auf diesem kantigen Rücken des Querholzes laufen die beiden Räder jedes Wagens, an deren Achsen der ganze Wagen hängt. Die Waggons und Lokomotiven hängen also von beiden Seiten dieser kantigen Hirnleiste herab wie die Tragekörbe vom Rücken eines Saumtiers, und die anderen Räder der Lokomotiven, Tender, Packwägen, Waggons usw. sind horizontal gestellt und greifen zu beiden Seiten der Schiene ein.
Das Material dieser neuen Eisenbahn besteht durchaus aus kantig geschlagenem Holz, welches fix und fertig an Ort und Stelle gebracht wird und dann, auf jedem Terrain, so schnell aufgestellt werden kann, dass eine Ablösungs-Mannschaft von zehn Mann unter einem Unteroffizier hinreiche, um binnen vier Stunden auf einer Strecke von 50 m Länge die Fahrbahn zum Betrieb fertig herzustellen.
Abb. 2. Ansicht eines Eisenbahnzuges und einer Bahnstrecke. Die Trasse der Bahn wird mit der Schnur gezogen, dann werden die Löcher für die Tragpfosten gegraben und diese mit ihrem ›Schuh‹ in das Loch gestellt, verkeilt und eingegraben, und hierauf die Querhölzer an den Tragepfosten angebracht und mittels sinnreicher Verzapfung und Verkeilung befestigt, so dass die Bahn zum Befahren bereitsteht. Die fertige Bahn hat die Gestalt eines niederen Pfostenzauns, wie in Abb. 1 zu sehen ist. Die Waggons oder gewissermaßen der ganze Zug bildet ein Skelett aus solidem Stabeisen, an welchem die Fracht in Kästen von bestimmtem kubischem Gehalt getragen wird, so dass jene leicht beweglich und im Raum verteilbar ist (vgl. Abb. 2). Die Sitzbänke werden heruntergeklappt, wenn Mannschaft und Gepäck miteinander zu befördern sind, aber aufgeklappt, wenn es sich nur um Beförderung von Frachtgütern allein handelt. Die leeren Frachtkisten sind so arrangiert, dass sie allfällig auch als Sänften für den Verwundeten-Transport oder als Pontons zum Brückenbau verwendet werden können. Die Lokomotive hat 100 PS, wiegt mit ihren beiden Tendern zur Holzfeuerung nur 4 t und vermag mittels ihrer acht Greifräder leicht einen Hügel mit 10 % Steigung und einer Last von 100 t hinter sich zu ersteigen. Der Erfinder verbürgt sich, das man mit hundert Mann binnen 6 – 8 Arbeitsstunden eine Bahnstrecke von einem Kilometer betriebsfähig herstellen könne. Abb. 2 veranschaulicht die Ansicht, welche eine derartige fertige Pionier-Eisenbahn abgeben würde.