Feuilleton – Leben & Werk
Englische Ingenieure 1750 – 1850
Marc Isambard Brunel
Von Theodor Beck
Zeitschrift für Architektur und Ingenieurwesen • September 1903
Marc Isambard Brunel, am 25. April 1769 als Sohn des Postmeisters von Hacqueville bei Gisors in der Normandie geboren, wird meist zu den englischen Ingenieuren gezählt, weil er von seinem 30. Jahre an in England lebte und wirkte. Er wurde in seinem achten Jahr in das Collège von Gisors geschickt und im elften Jahr nach Rouen in das Seminar St. Nicaise.
Der französisch-britische Ingenieur und Erfinder Marc Isambard Brunel (1769 – 1849) ist vor allem für den Bau des Themse-Tunnels in London bekannt, der als erste Unterquerung eines schiffbaren Flusses gilt und für den er den Tunnelschild entwickelte. Brunel konstruierte Maschinen und arbeitete an Brücken und Hafenanlagen.
Da Liebe zu klassischen Studien nicht in ihm erweckt werden konnte, erhielt er Erlaubnis, bei einem Verwandten, Mr. Carpentier, Unterricht im Linearzeichnen und Perspektive und solchen in Geometrie, Trigonometrie und Hydrographie bei einem Mr. Dulagne zu nehmen, damit er sich zum Eintritt in die Marine vorbereite.
Mr. Dulagne lernte das Talent und den vorzüglichen Charakter seines Schülers so hoch schätzen, dass er ihn, als Louis XVI. Rouen besuchte, dem in dessen Gefolge befindlichen Marineminister, Marschall de Castrie, empfahl, auf welchen der Junge einen so günstigen Eindruck machte, dass er ihn vor der üblichen Zeit zum Volontair d’honneur der Korvette ›Le Maréchal de Castrie‹ ernannte.
Als Marc Isambard dem Kapitän dieses Schiffes vorgestellt wurde, zog ein Hadley-Quadrant seine Aufmerksamkeit auf sich. Er hatte nie zuvor ein solches Instrument gesehen, der Gebrauch desselben wurde ihm kurz erklärt und nach einigen Tagen stellte er ein ähnliches Instrument eigener Konstruktion her, »roh genug«, wie er zu sagen pflegte, »aber ziemlich genau«
Dieser Versuch regte zu weiteren an, und mit Hilfe wenigen Geldes, das ihm sein Vater zu diesem Zweck widerwillig gab, verfertigte er aus Ebenholz einen so genauen Quadranten, dass dieser ihm während seines Dienstes bei der Marine stets genügte.
Auf einem Schiffe, das nach Westindien bestimmt war, blieb er von 1786 bis 1792. 1793 befand er sich in Paris, wo die Revolution bereits einen furchtbaren Charakter angenommen hatte, ohne dass er es erkannte. Da er seine royalistische Gesinnung nicht verhehlte, musste er flüchten.
Er suchte in Rouen bei Mr. Carpentier, dem amerikanischen Konsul Schutz und lernte dort Miss Sophia Kingdom, die Tochter eines englischen Armee- und Marine-Agenten kennen. Sie gewann Brunels Zuneigung, die sich bald zu inniger Liebe steigerte. Ein Aufstand der republikanischen Partei in Rouen rief die Royalisten, denen er sich anschloss, zu den Waffen. Seine Lage wurde äußerst gefährlich. Mit Mühe gelang es ihm, einen Pass nach Amerika zu erhalten, aber kaum hatte er das Schiff bestiegen, als er bemerkte, dass er seinen Pass zurückgelassen hatte. Rasch fertigte er nach dem Pass eines Mitreisenden einen für sich mit solcher Genauigkeit an, dass der Revisionsbeamte, der bald darauf an Bord erschien, keinen Verdacht schöpfte. Am 6. September landete Brunel in New York.
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