Handel & IndustrieBergbau

Im Kohlenbergwerk

Das Neue Universum • 1897

Voraussichtliche Lesezeit rund 16 Minuten.

Kein Beruf ist wohl von jeher der großen Menge in seinem inneren Wesen so unbekannt geblieben, wie der bergmännische. Das beweisen schon die vielen Sagen, die sich an den Bergbau knüpfen. Schien es und scheint es doch heute noch gar manchem eine Vermessenheit, in die Tiefen der Erde hinabzusteigen, und die große Zahl der Unglücksfälle, denen der Bergmann ausgesetzt ist, nur als der Vermessenheit natürliche Strafe! Die Bergleute selbst fassten einst den Kampf mit den Elementen, den sie bei dem Eindringen in die Tiefe zu bestehen hatten, als einen Kampf mit mehr oder minder widerwärtigen und bösartigen Berggeistern auf.

Gedingstellung.Gedingstellung, rechts der Obersteiger.

Mochten diese märchenhaften Gestalten, die Gnomen und Kobolde, mit ihrer innersten Wurzel wohl auf die alte Göttersage zurückgreifen, jedenfalls war es kein Wunder, wenn die Fantasie in den Räumen, wohin kein Sonnenstrahl je drang, nur die schwache Flamme des Grubenlichtes dem Auge des Bergmanns die Umrisse der Gegenstände erkennen ließ, übersinnliche Gestalten schuf. Und was anders als Zaubergewalt konnte es sein, wenn der Erzgang, der noch soeben herrliche Ausbeute verhieß, plötzlich aufhörte und nur taubes Gestein enthielt! Kobold und Nickel nannten die Schnee­berger Bergleute die Erze, welche, öfters mit ihren Silbererzen verwachsen, trotz ihres ›freundlichen‹ Aussehens kein Silber enthielten, wohl aber bei der Erhitzung infolge ihrer Vererzung mit Arsen dessen knoblauch­artigen, doch offenbar ›teuflischen‹ Geruch aushauchten. Wie man aber heute längst gelernt hat, aus den einst verachteten Kobalt- und Nickelerzen dort die prächtigen Schmelzfarben, namentlich die Smalte, hier das silberglänzende, mannigfach verwendete Metall herzustellen, so ist auch längst die Leuchte der Wissenschaft in den Bergbau hinein­gedrungen und hat manchen früher dunkeln Winkel desselben erhellt.

Nicht in gleichem Maße ist diese Erhellung der Allgemeinheit zugutegekommen. Zwar ist der Glaube an Kobolde und Gnomen allgemein abgestreift, die Überzeugung jedoch, dass das Los des Bergmanns bei seiner unterirdischen Arbeit ein besonders schweres, wohl gar Menschenunwürdiges sei, besteht noch heute, um so mehr, als ja auch heute noch der Natur der Sache nach, der Einblick in einen Bergbau den meisten verschlossen bleibt.

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