Verkehr – Schifffahrt
Neue Erfindungen und Kulturfortschritte
Ein neues Kanalsystem
Von Max Wirth
Über Land und Meer • August 1879
Wir haben hier unsere Leser mit den neueren Fortschritten des Kanalwesens bekanntgemacht und ein Bild des mitteleuropäischen Wasserstraßennetzes aufgerollt, wie es in Zukunft sich gestalten sollte, wenn man die gewonnene bessere Einsicht und die neueren, wirksameren technischen Mittel dazu benützt, um die außerordentlichen Vorteile zu verwerten, welche die Gestaltung der natürlichen Wasserstraßen Europas mit sich bringt. Auf drei Seiten von Meeren umzingelt, entsendet Europa von seiner zentralen Wasserscheide seine Flüsse und Ströme nach allen Himmelsrichtungen. Die Zentralalpen sind es, welche die Rhone nach dem Süden, den Rhein nach Nordwesten schicken und die nach Osten strömende Donau durch ihre Zuflüsse speisen. Auf der mitteleuropäischen Wasserscheide entspringen die Weser, die Elbe, die Oder und die Weichsel, und wenn es gelänge, alle diese Flüsse und Ströme durch ein zentrales Kanalnetz untereinander zu verbinden, so dass man quer durch den Kontinent direkt vom Schwarzen Meer in die Nord- und Ostsee und aus der Ostsee bis ins Adriatische Meer fahren könnte, dann besäße Europa ein System von Wasserstraßen, wie auf der Erde kaum ein zweites herzustellen wäre.
Es drängt sich übrigens aus mehrfachen schwerwiegenden Gründen von Jahr zu Jahr mehr die Notwendigkeit auf, die Wasserwege aus der Lage eines Stiefkindes zu erlösen. Während die Eisenbahnen sich von vornherein der Gunst und Pflege des Staates zu erfreuen hatten und zum Teil sogar mit dessen Mitteln subventioniert werden, wurden auf den Flüssen und Strömen Mitteleuropas bis in die jüngste Zeit sogar Zölle erhoben, deren Betrag weit über die Summen hinausging, die für die Instandhaltung des Flussbettes erforderlich sind.
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