VerkehrSchifffahrt

Neue Erfindungen und Kulturfortschritte

Die zukünftigen Kanäle Mitteleuropas

Von Max Wirth

Über Land und Meer • Mai 1878

Voraussichtliche Lesezeit rund 8 Minuten.

Es sind keine bloßen Zukunftsträume, denen wir uns in der  vorigen Betrachtung hingegeben haben, auch keine müßigen Pläne, um Verwendung für das sich ansammelnde Kapital zu finden. Es sind vollständig aus der Natur der Sache hervorgehende Winke, die durchaus nichts Fantastisches an sich haben. Dies ergibt sich einfach aus der Tatsache, dass der Zentralverein für Hebung der deutschen Fluss- und Kanalschifffahrt noch viel umfassendere Pläne sogar schon ausgearbeitet hat, welche einen noch größeren Kapitalaufwand erfordern würden. Aber selbst gesetzt den Fall, dieselben würden ausgeführt, so würde Deutschland damit doch noch keine höhere Stufe der Entwicklung im Verkehrswesen einnehmen, als England oder Frankreich oder die Niederlande. Sollte es bloßer Zufall sein, dass gerade diese drei Länder am meisten Kapitalüberschüsse sparen? Jedenfalls sind ihre Kanäle schon so alten Datums, dass man nicht sagen kann, sie seien eben aus den reichen Überschüssen des Einkommens dieser Länder hervorgegangen. Mit Hilfe dieser billigsten Verkehrsmittel in Verbindung mit dem überseeischen Handel sind vielmehr diese Länder früher und lange vor der Einführung der Eisenbahnen in den Stand gesetzt worden, den Kreislauf ihrer Produktion besser zu regeln und durch Erschließung ferner Absatzwege die Produktionskraft auf eine höhere Stufe zu steigern.

Durch die Einführung der Eisenbahnen ist die Brauchbarkeit der Kanäle in jenen Ländern keineswegs außer Frage gestellt worden. Sie haben durch die Zunahme des überseeischen Verkehrsmittels der Dampfschifffahrt sowohl, wie durch die stärkere Verbindung entfernter Gegenden mittelst der Eisenbahnen vielleicht sogar noch eine höhere Bedeutung gewonnen. Sie dienen hauptsächlich für solche Artikel, welche die niedrigste Eisenbahnfracht nicht mehr vertragen und andererseits auch beim langsamsten Transport mit zeitweisen Unterbrechungen weder an sich selbst verderben, noch die Handelskonjunktur zunichtemachen. Solche Artikel sind z. B. Steine, Ziegel, Sand, Kalk und andere Baumaterialien, Eisenstein, Salz und andere Mineralien, Kohlen, Holz, Torf, Metalle, oder in zweiter Linie Stroh, Heu, Getreide, Kartoffeln, Rüben und mit gewissen Einschränkungen auch Obst und Wein, Metall- und Holzwaren aller Art sowie gewisse Rohstoffe zur Fabrikation.

Die meisten dieser Güter sind ihrer Natur nach auf den Wassertransport angewiesen und den Eisenbahnen kann durch deren Überführung auf die natürlichen und künstlichen Wasserstraßen gar kein Nachteil zugefügt werden.

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• Auf epilog.de am 23. Januar 2026 veröffentlicht

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