Handel & Industrie – Handwerk
Der Buchdrucker
Galerie der vorzüglichsten Künste und Handwerke • 1830
Die Buchdruckerkunst ist eine für das ganze bürgerliche Leben höchst gemeinnützige Erfindung, die noch nicht 400 Jahr alt ist und dem Erfindungsgeist der Deutschen zugehört. Ihre Entstehung ist eben so merkwürdig als interessant und verdient wohl einer genaueren Erzählung.
In dem Mittelalter hatte man noch nicht den geringsten Begriff davon, dass eine Schrift durch den Druck vervielfältigt werden könne. Die Kunst zu schreiben und das Geschriebene zu lesen, galt damals für Gelehrsamkeit, und nur die Mönche besaßen diese Wissenschaft; denn die Ritter und die gemeinen Leute waren darin so unwissend, dass sie nicht einmal ihren Namen schreiben konnten. Die Bücher waren damals insgesamt nur geschrieben, und wer ein Buch haben wollte, der musste es sich durch die Mönche abschreiben lassen, die sich ihre oft sehr unleserlichen und fehlerhaften Abschriften sehr teuer bezahlen ließen, welches auch ein Hauptgrund war, weshalb die Wissenschaften sich nicht ausbreiten konnten. Bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts hatte man nur dergleichen Abschriften von Büchern, welche denn natürlich außerordentlich viele Mühe und Zeit erforderten, bis man endlich anfing, ganze Wörter mühsam in Holz einzuschneiden, diese mit schwarzer Farbe zu bestreichen und sie auf das Papier abzudrucken. Aber auch dieses Formschneiden war äußerst mühsam und unvollkommen und machte den Preis der Bücher noch immer sehr teuer, da man die Wörter mit der größten Mühe auf eben so viele Tafeln einschneiden musste, als das Buch Seiten hatte.
Endlich um das Jahr 1440 geriet Johann von Sorgenloch, genannt Gänsfleisch, zu Guttenberg, den man gewöhnlich schlechtweg Guttenberg nennt, auf den glücklichen Einfall, einzelne Buchstaben aus Holz zu schneiden, diese zu Silben und Wörtern zusammenzusetzen und sie auf diese Art auf das Papier zu drucken, so dass man die geschnittenen Buchstaben öfter gebrauchen konnte. Dieser verdienstvolle Mann, der aus einer alten und angesehenen mittelrheinischen Ritterfamilie aus Mainz herstammte, wo er im Jahr 1401 geboren ward, brachte viele Jahre mit einzelnen Versuchen zu und verwandte sein ganzes beträchtliches Vermögen darauf, ehe sein Unternehmen seinem Wunsch gemäß gelang. Bei aller angewandten Mühe und Sorgfalt blieb aber Guttenbergs Erfindung immer noch sehr unvollkommen, weil die einzelnen Buchstaben an Fäden gereiht werden mussten und nur mit gewöhnlicher Tinte bestrichen wurden, wodurch der Druck höchst unsauber und unleserlich ward. Guttenberg begab sich nach verschiedenen Versuchen dieser Art im Jahr 1445 wieder nach Mainz, wo er mit einem Goldschmied Namens Johann Faust, einem sehr klugen und verständigen Mann, Bekanntschaft machte, durch dessen Hilfe seine Erfindung weiter ausgebildet ward.
Johann Faust nahm seinen Bruder Jakob Faust und Peter Schoiffern, einen Geistlichen aus Gernsheim, der besonders im Schreiben sehr geschickt war, zu Gehilfen an, und mit Beihilfe des Letzteren erfand nun Johann Faust die Kunst, die Buchstaben aus Metall in Formen zu gießen. Da jedoch diese Buchstaben nur aus Blei oder Zinn gegossen wurden, und also keine lange Dauer hatten, so verbesserte sie Faust nach vielem Nachdenken, indem er sie aus einer solchen Mischung von Metallen verfertigte, dass sie größere Festigkeit und Dauer erhielten. Zugleich erfand Johann Faust auch eine eigene Druckerschwärze aus Leinöl und Kienruß, und im Jahr 1457 brachte er mit seinem Gehilfen Peter Schoiffer, das erste Buch mit Jahreszahl, Druckort und dem Namen der Buchdrucker ordentlich zu Stande. Dieses Buch war ein auf Pergament gedruckter lateinischer Psalter, dessen Anfangsbuchstaben mit Verzierungen in Holz geschnitten waren. Im Jahr 1462 hatte Faust schon die zweite lateinische Bibel gedruckt, womit er nach Paris reiste, und mit seiner neuen Erfindung eben so viel Aufsehen und Bewunderung als Neid und Feindschaft gegen sich erregte. Die Mönche hatten sich bisher sehr vieles Geld mit dem Abschreiben der Bibeln erworben; sie erhielten gewöhnlich für eine solche Abschrift vier- bis fünfhundert Goldgulden. Da nun Faust seine neugedruckte Bibeln anfangs für 60 und endlich gar nur für 30 Kronen verkaufte, so wurden die Mönche so erbittert gegen ihn, dass sie seine Kunst als Teufelswerk und ihn selbst als einen Schwarzkünstler, der mit dem Satan im Bunde stünde, verschrien; woher sich auch das Märchen schreibt, dass den Doktor Faust der Satan leibhaftig abgeholt und zerrissen habe. Faust starb zu Paris an der Pest, als er im Jahr 1464 zum zweiten Mahle dahin reiste, und Guttenberg, als erster Erfinder der Buchdruckerkunst, der sich wegen entstandener Zwistigkeiten von Fausten getrennt hatte, starb zu Mainz im Jahr 1468 in der größten Armut.
So viel von der Entstehung dieser gemeinnützigen Kunst; jetzt wollen wir noch das Wissenswürdigste von der inneren Einrichtung und Beschaffenheit einer Buchdruckerei hinzufügen.
Ein Buchdrucker ist, in der eigentlichen und engeren Bedeutung des Worts, derjenige, welcher die Kunst versteht mit einzelnen Buchstaben oder sogenannten Lettern oder Typen, welche vorschriftsmäßig zu Wörtern, Zeilen und Kolumnen und endlich zu ganzen Bogen in einer Form zusammengesetzt sind, auf Papier abzudrucken. Ehe eine Schrift gedruckt werden kann, muss sie vorher gesetzt werden und deshalb sondert sich die Buchdruckerkunst in die zwei Hauptteile: in die Setzer- und in die Druckerkunst ab; im Allgemeinen werden aber unter der Benennung Buchdrucker, sowohl Setzer als Drucker verstanden.
Die Mischung, aus welcher die Lettern oder Buchstaben zum Drucken gegossen werden, besteht aus 5 Teilen Eisen, 11 Teilen Antimonit und 25 Teilen Blei, wozu gewöhnlich noch etwas Kupfer oder Messing hinzugesetzt wird, um den Buchstaben desto mehr Festigkeit und Dauer zu geben. Diejenigen, welche diese Buchstaben gießen, werden Schriftgießer genannt, und dieses Schriftgießen macht wieder eine eigene Kunst und besondere Wissenschaft aus, die von der Buchdruckerkunst abgesondert ist.
Die Kunst diese Buchstaben oder Lettern in der Buchdruckerei nach Vorschrift des Manuskripts, das gedruckt werden soll, gehörig zu ordnen, sie in Wörter, Zeilen und Kolumnen, zu setzen, dass sie alsdann können gedruckt werden, heißt das Setzen der Schriften, und der diese Wissenschaft in einer Buchdruckerei ausübt, wird der Setzer genannt. Man hat verschiedene, große, kleinere, grobe und feinere und Mittelschriften, welche, nach den eingeführten Kunstausdrücken der Buchdrucker, ihre besonderen Benennungen haben, als: hohe Petitschrift, Borchs, Corpus, Cicero, sans pareille usw. Jedes einzelne Buch wird aber immer nur auseiner dazu gewählten Schrift gesetzt. Die Buchstaben einer Schrift liegen nun nach dem Alphabet geordnet in kleinen Fächern eines Kastens, welcher der Schriftkasten genannt wird.
Der Setzer nimmt nun die einzelnen Buchstaben aus den Fächern des Schriftkastens heraus und fügt sie in dem sogenannten Winkelhaken, den er in der linken Hand hält und vorher nach der bestimmten Breite der Zeilen eingerichtet hat, zu den Wörtern und Zeilen zusammen, wie sie das vor ihm aufgesteckte Manuskript, das gedruckt werden soll, vorschreibt. Auf der beigefügten Abbildung sind rechts zwei Setzer vor dem Schriftkasten, mit dem Winkelhaken in der Hand in ihrer Beschäftigung abgebildet. Bei dem Setzen dieser Wörter und Zeilen ist noch mancherlei Sorgfalt, Übung und Geschicklichkeit und mancher Vorteil zu beobachten, welches hier zu erwähnen zu weitläufig sein würde. Wenn vier oder fünf Zeilen in dem Winkelhaken gehörig gesetzt sind, so werden diese ausgehoben, indem nämlich der Setzer die Schrift, gerade so wie sie in dem Winkelhaken stand, aus diesem herausnimmt und in das sogenannte Schiff setzt. Hierauf wird der leere Winkelhaken wie vorher aufs Neue mit gesetzten Zeilen angefüllt und so lange damit fortgefahren, bis dem Setzer sein Kolumnenmaß zeigt, dass die Kolumne ihre gehörige Länge an Zeilen habe. Wenn alle Kolumnen eines Bogens gesetzt und ausgehoben sind, so werden sie von dem Setzer in Formen eingerichtet und durch eiserne Schrauben befestigt. Diese Form wird nunmehr in den sogenannten Karren der Druckerpresse gebracht und befestigt.
Die Buchdruckerpresse, welche ebenfalls auf beigefügter Abbildung dargestellt ist, besteht aus einem Gestell, das aus zwei hölzernen aufrecht stehenden Wänden mit Füßen und Riegeln zusammengesetzt ist. Von den Querbalken oder Riegeln, welche die Wände zusammenhalten, deckt der eine oben beide Wände und heißt die Krone; die beiden anderen aber sind gegen die Mitte der Wände in einiger Entfernung voneinander angebracht. Von diesen wird der oberste der Ober- oder Ziehbalken und der untere der Unterbalken genannt. Zwischen diesen beiden Balken ist in den Wänden ein starkes Brett eingefalzt, welches die Brücke genannt wird. Zwischen den beiden Wänden ist gerade in der Mitte des Ziehbalkens eine starke messingene Schraubenmutter, worin eine wenigstens zwei Zoll starke Schraube von Eisen oder Messing senkrecht läuft. Diese Schraube steht in Verbindung mit einer stärkeren eisernen Spindel, welche unten mit einem eisernen Zapfen zusammenhängt.
- R E K L A M E -
Die Spindel wird horizontal von einer starken eisernen Stange, welche der Pressbengel heißt, durchbohrt und in Bewegung gesetzt. Der eiserne Zapfen unter der Spindel durchbohrt die sogenannte Büchse, ein aus zwei Hälften zusammengesetztes vierkantiges Stück Holz, das ein geräumiges Loch hat, wodurch der untere Zapfen der Schraube von der Spindel durchgeht, welche sich in einem Loch der Brücke hinab und hinaufbewegen lässt. Die Büchse hält unterhalb eine starke messingene Platte fest, welche der Tiegel heißt, und durch vier Haken mit der Büchse vereinigt ist. Dieser sogenannte Tiegel ist es eben, der bei dem Drucken das Papier gegen die Form presst. Auf dem Unterbalken liegt das sogenannte Laufbrett, auf welchen der Karren mit der Form sich hin- und herschieben lässt, welches durch Kurbeln und angebrachte Walzen bewerkstelligt wird. Durch zwei hohe Gewinde von Messing ist der Deckel mit dem Karren vereinigt, auf welchen der Bogen zum Drucken gelegt wird. In der Mitte des Deckels stecken die sogenannten Punkturen, auf welchen der Bogen befestigt wird, und wenn der Deckel zurückgeschlagen wird, so ruht er auf einem Gestell, welches der Galgen genannt wird. An dem äußeren Ende des Deckels ist das sogenannte Rähmchen durch zwei messingene Bänder vereinigt, welches denn mit seinem eisernen Kreuz diejenigen Stellen des Bogens, welche zwischen den Kolumnen weiß bleiben sollen, genau bedeckt, damit sie nicht schmutzig werden. Wenn dieses Rähmchen von dem Deckel abgehoben ist, so legt es sich an eine Schnur an. Vermittels dieser Schnur wird alsdann durch einen bei der Presse stehenden und mit der Schnur vereinigten Fußtritt, das Rähmchen über den Deckel von dem Drucker zugeschnellt.
Wenn die Form nun mit den Lettern in den Karren gebracht ist, so werden die Lettern vermittels zweier lederner, mit Rosshaaren ausgestopften Ballen, mit der Buchdruckerschwärze, die aus Firnis und Kienruß besteht, geschwärzt. Das Papier muss vorher angefeuchtet werden, und nun wird die Schrift auf den feuchten Bogen abgedruckt, oder abgezogen und zum Trocknen aufgehängt.
• Neuerscheinung •
Diese Neuausgabe bietet eine Übersicht über 40 historische Berufe am Übergang zur industriellen Fertigung. Jedes Gewerbe wird durch eine zeitgenössische, farbige Lithographie sowie eine Beschreibung der Arbeitsabläufe und Werkzeuge erläutert. Der Band dokumentiert somit den Stand der Technik und die Arbeitsbedingungen des frühen 19. Jahrhunderts.
