Handel & Industrie – Handwerk
Der Barbier und Bader
Galerie der vorzüglichsten Künste und Handwerke • 1830
Ein Barbier ist eigentlich derjenige, welcher sich damit beschäftigt den Bart abzuscheren und das Haar abzuschneiden; gewöhnlich begreift man aber gegenwärtig unter dieser allgemeinen Benennung einen Wundarzt, der mit seiner Wissenschaft zugleich das Geschäft des Barbierens verbindet. Es wird daher erfordert, dass ein Barbier nicht allein versteht, den Bart gehörig abzuscheren, sondern dass er auch die nötigen Kenntnisse der Wundarzneikunst sich verschafft habe und die Wissenschaft und Fertigkeit besitze, nicht allein geschickt Zähne herauszunehmen und die Ader zu schlagen, sondern auch Wunden, äußere Verletzungen des Körpers, Verrenkungen, Quetschungen und Bein- oder Armbrüche und andere ähnliche äußere Schäden gut zu heilen. Deshalb müssen auch die Barbiere, ehe sie eine öffentliche Barbierstube als Herren derselben erhalten, sich einem gehörigen medizinischen Examen unterwerfen, und nur erst nach gut bestandener Prüfung der erforderlichen Kenntnisse wird ihnen die Barbier-Freiheit erteilt; welches um so nötiger ist, je größer der Nachteil für das menschliche Leben und die Gesundheit durch Quacksalberei und Unwissenheit des Wundarztes sein kann.
Von den Barbieren unterscheiden sich die Bader, die eine eigene Innung unter sich ausmachen, sich aber, seitdem die öffentlichen Badestuben außer Gebrauch gekommen sind, im Grunde nicht von jenen unterscheiden; indem heutzutage die Barbiere sich eben sowohl als die Bader, mit Aderlassen und Schröpfen beschäftigen, welches in früheren Zeiten die Bader, nebst der Freiheit Badestuben zu halten, sich ausschließend zueigneten.
• Neuerscheinung •
Diese Neuausgabe bietet eine Übersicht über 40 historische Berufe am Übergang zur industriellen Fertigung. Jedes Gewerbe wird durch eine zeitgenössische, farbige Lithographie sowie eine Beschreibung der Arbeitsabläufe und Werkzeuge erläutert. Der Band dokumentiert somit den Stand der Technik und die Arbeitsbedingungen des frühen 19. Jahrhunderts.
