VerkehrSchifffahrt

Chapmans Rollenschiff

Das Neue Universum • 1898

 Bazins Rollenschiff, von dem wir im vorigen Jahrgang des Neuen Universums erzählen konnten, hat, wie neuerdings bekanntgeworden ist, die Wahrheit des Ausspruches Ben Akibas »Nichts Neues unter der Sonne« insofern auch bestätigt, als der Amerikaner Chapman bereits im Jahre 1895 Versuche mit einem von Rollen getragenen Schiff anstellte, die noch erfolgloser gewesen zu sein scheinen, wie die Bazins. Der letztere hat im Laufe des Sommers 1897 in Rouen und die Seine hinunter Probefahrten mit seinem Rollenschiff unternommen, die ihn darüber belehrten, dass er die Reibung der Rollen im Wasser und die Adhäsion des Wassers an den Rollen in ihren Wirkungen sehr unterschätzt hatte. Die Rollen nahmen bei ihrer Umdrehung so große Mengen Wasser mit herum, dass ihre Tauchung durch diese Mehrbelastung ganz erheblich sich vergrößerte. Trotz des Einbaus doppelt so starker Maschinen, als ursprünglich im Schiff aufgestellt waren, ließ sich mit aller Anstrengung keine größere Fahrgeschwindigkeit als 12 Knoten erreichen – statt der erhofften 40!

Chapmans Rollenschiff

Während die Rollen des Bazinschen Schiffes nur Träger des Fahrzeugs sein und sich an dessen Fortbewegung unmittelbar nicht beteiligen sollten, obgleich sie durch besondere Maschinen der Fahrtrichtung entsprechend gedreht wurden, dienen die walzenförmigen Rollen des Chapmanschen Schiffes zwar auch als die alleinigen Träger, welche den kastenförmigen Schiffsrumpf über Wasser halten, aber auch gleichzeitig als Schaufelräder zur Fortbewegung des Fahrzeugs im Wasser. Eigentümlich aber ist die Art, wie sie gedreht werden. Die starken Achsen der Rollen liegen fest in Lagern, mit denen die den ganzen Aufbau des Schiffes tragende Plattform verbunden ist, wie die seitlich über die Lager hinausgebaute Galerie in der Abbildung erkennen lässt. Auf diesen Achsen sind die Rollen mit Kugellagern drehbar. Auf der Innenfläche des Rollenmantels ist in der Längenmitte ein ringförmiges Schienengeleis angebracht, auf dem eine elektrische Lokomotive fährt, welche durch ihr Gewicht die Rolle in derselben Weise in Umdrehung versetzt, wie der in einem Tretrade laufende Mensch oder Hund dieses dreht. Die Rollen sollen etwa 30 m lang sein und voneinander 120 – 150 m Abstand haben. Durch eine verschließbare Tür soll ihr Innenraum zugänglich sein. Auf dem Schiffe ist keine Maschine vorgesehen, wie aber die elektrische Betriebskraft für die Lokomotive erzeugt werden soll, ist nicht mitgeteilt.

Der Erfinder beabsichtigte zunächst ein Fahrzeug herzustellen, welches sich zum Befahren von schmalen Flüssen und Kanälen, gleich den in Amerika gebräuchlichen Heckraddampfern, besser eignen soll wie Schrauben- und Seitenraddampfer, war aber doch der Meinung, dass sich sein Rollenschiff ebenso gut zu Ozeanfahrten eignen und hier durch ruhige und schnelle Fahrt auszeichnen würde. Diese Hoffnungen haben sich nicht erfüllt.

• Auf epilog.de am 10. Juli 2022 veröffentlicht