Bau & ArchitekturBrücken

Von der Bonner Rheinbrücke

Prometheus • 24.2.1897

Bei dem Wettbewerb für den Bau einer festen Straßenbrücke über den Rhein von Bonn nach Beuel im Januar 1895 erhielt die Gutehoffnungshütte in Sterkrade für den Entwurf des Leiters ihrer Brückenbauanstalt, Professor Krohn, den ersten Preis. Mit der Ausführung der Brücke nach diesem Entwurf, welche der Bauunternehmung von R. Schneider und Architekt B. Möhring in Berlin für den Preis von 2 650 000 Mark übertragen wurde, 1000 Mark in 1896 entsprechen einer Kaufkraft von rund € 8600 in 2024. ist am 1. April 1896 begonnen worden.

Die etwa 414 m lange Brücke (Abb. 1) wird in drei Bogen ausgeführt, von denen der mittlere 195 m Spannweite haben wird. Die Arbeit begann mit der Gründung der beiden Strompfeiler für den Mittelbogen. Die äußere Spundwand für dieselben ist in der bekannten Weise aus Holz, die innere dagegen aus gewalzten Eisenträgern von 14,5 m Länge in der Weise hergestellt worden, wie aus Abb. 2 ersichtlich ist. Entwurf der Bonner RheinbrückeAbb. 1. Entwurf der Bonner Rheinbrücke von Professor Krohn. Die tief eingerammten Eisenträger erhalten durch dieses Ineinandergreifen einen sehr festen Verband von wünschenswerter großer Widerstandsfähigkeit. Der Zwischenraum beider Spundwände wurde mit Kies, Lehm und Mutterboden ausgefüllt. Zur Gewinnung der Baugrube wurde der von dieser Spundwand umschlossene Raum durch Ausbaggern um 5 m vertiefte. Der Beton, mit dem diese Grube bis zur Flusssohle gefüllt wurde, war eine Mischung aus 1 Trass, 1 Zement und 15 Sand mit Kies. Anordnung der H-TrägerAbb. 2. Anordnung der H-Träger zu einer Spundwand. Für jeden Pfeiler waren 2000 m³ Beton erforderlich, die in 14 Arbeitstagen eingebracht wurden. Auf diesem Fundament wird der 10,6 m breite und 27 m lange Pfeiler, an den Spitzen aus behauenen Basaltlavasteinen, an den Seitenflächen in Zyklopen­mauer­werk aus Basaltlava, im Inneren aus Tafelbasalt mit Zementmörtel aufgeführt.

Die Grundsteinlegung in der Baugrube des Bonner Strompfeilers hat bereits am 15. Oktober 1896 stattgefunden. Jeder der beiden Strompfeiler erfordert, von der Flusssohle bis zur Brückenbahn, rund 3500 m³ Mauerwerk. Die Strompfeiler erhalten die große Breite, weil man die Rüstung des Mittelbogens fortnehmen will, bevor die Seitenbogen vollendet sind, also mit ihrem Gewicht dem Druck des Mittelbogens entgegenwirken. Es sei noch bemerkt, dass eiserne Spundwände zuerst 1878 in Hamburg, dann 1888 bei Gründung der Schleusen von Duisburg und Ruhrort, ferner 1892/93 am Schiff­bauer­damm in Berlin und bei den neuen Hafenbauten in Köln angewandt wurden.

• Auf epilog.de am 19. Januar 2026 veröffentlicht

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