VerkehrEisenbahn

Tränkung der Lokomotiven im Laufen

Die Gartenlaube • 1869

In England beginnt eine gut ausgedachte Verbesserung im Eisenbahnwesen in Aufnahme zu kommen, eine Vorrichtung nämlich, durch welche bei Schnellzügen die Aufenthalte wegfallen, welche bisher durch die Einnahme von frischem Speisewasser verursacht wurden. Die Tender schöpfen vielmehr ihren Bedarf, während die Züge im vollen Lauf bleiben. Das Wasser wird ihnen nämlich in einem eisernen Trog vorgesetzt, der sich an der Einnahmestation zwölfhundert Fuß [rd. 365 m] lang in der Mitte der Schienen hinzieht. Ein metallenes Schöpfrohr mit einer Weitung von zehn Zoll Breite und zwei Zoll Höhe geht schräg vom Tender herab gegen den Wasserspiegel. Sobald der Tender den Anfang des Troges erreicht, drückt der Wärter auf einen Hebel und das Rohr senkt sich so weit, dass es zwei Zoll tief ins Wasser taucht. Das Weitere macht sich von selbst; durch das rasche Gegenfahren gegen das ruhende Wasser wird dieses gezwungen im Rohr aufzusteigen. Die Steighöhe bis zum Ausguss in den Tender ist siebenundeinhalb Fuß; nach der theoretischen Berechnung muss der Zug, um das Wasser so hoch emporzutreiben, die Geschwindigkeit von einundzwanzig Fuß per Sekunde [rd. 23 km/h] haben. Die Praxis ergab jedoch, dass, um die Sache in erwünschten Gang zu bringen, die Geschwindigkeit noch etwas höher gesteigert werden muss. Beim Durchfahren des ganzen Trogs können 1148 Gallonen [rd. 5200 l] Wasser aufgenommen werden.

• Auf epilog.de am 13. Dezember 2021 veröffentlicht