Verkehr – Straßenverkehr

Selbstfahrer

Prometheus • 15.11.1899

Voraussichtliche Lesezeit rund 18 Minuten.

Mehr als das Fahrrad sind die Selbstfahrer (Motorfahrzeuge, Automobilen) berufen, dem Verkehr in seinen mannigfachen Formen und mit seinen weit auseinanderliegenden Zwecken zu dienen. Wenn auch der Sport in neuerer Zeit sich mehr der Selbstfahrer bedient als früher, so ist der Sportzweck gegenüber den weit ausgreifenden Nutzzwecken doch von geringerem Einfluss auf die technische Entwicklung und Ausbreitung des Selbstfahrerwesens gewesen. Dreirad mit Benzinmotor.Dreirad mit Benzinmotor der Berliner Maschinenfabrik Henschel & Co. in Charlottenburg. Für die Großstädte mit ihrem beständig steigenden Bedürfnis nach Verkehrsmitteln und den nicht minder wachsenden Kosten für die Unterhaltung und Wartung der Pferde ist der Ersatz der letzteren durch maschinelle Zugkraft eine Frage von ernstester wirtschaftlicher Bedeutung.

Fabrikanten in Frankreich und England begannen schon vor nahezu drei Jahrzehnten sich mit der Lösung dieser Frage durch Herstellen von Dampfomnibussen und Dampfwagen zum Befahren schienen­loser Wege zu beschäftigen und haben vielfach bis heute an dieser Betriebsweise festgehalten und sie technisch zu bemerkenswerten Leistungen entwickelt. Aber eine viel weiter gehende Verbreitung und die Entwicklung zu der gegenwärtigen Höhe der Selbstfahrer wurde erst angebahnt, als der Ingenieur G. Daimler zu Cannstatt im Jahr 1885 mit seinem Benzinmotor in die Öffentlichkeit trat. Trotzdem wurde den Selbstfahrern in Deutschland nicht ein solches Interesse entgegengebracht, dass deren technische Entwicklung dadurch sonderlich gefördert werden konnte. Erst die in Frankreich und England im Laufe unseres Jahrzehnts wiederholt veranstalteten großen Wettfahrten zwischen Selbstfahrern verschiedener Systeme zogen auch die Aufmerksamkeit des deutschen Publikums und der Reichs-Postverwaltung auf sich, weil die Ergebnisse dieser Wettfahrten erwarten ließen, dass die Selbstfahrer in vielen Fällen einen geeigneten Ersatz für die Gespann­pferde und damit erhebliche wirtschaftliche Vorteile bieten würden.

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