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Seenotkreuzer John T. Essberger erhält letzten Liegeplatz im Technik Museum Speyer

tvi.ticker • 19. Mai 2010

Der Seenotkreuzer ›John T. Essberger‹, eines der drei größten Schiffe der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS), bleibt nach seiner Außerdienststellung als technisches Denkmal erhalten.

Die Seenotretter übereignen das vor der Ostseeinsel Fehmarn stationierte Schiff dem  Technik Museum Speyer. Den entsprechenden Vertrag haben beide Seiten am Mittwoch, 19. Mai 2010, in Lübeck-Travemünde an Bord des Seenotkreuzers unterzeichnet. Die DGzRS wird die 1975 in Dienst gestellte und im Jahr 2000 generalüberholte 44 Meter lange ›John T. Essberger‹ nach voraussichtlich 37-jähriger Einsatzzeit durch einen Neubau ersetzen. Den Bauauftrag dazu hat sie im Oktober vorigen Jahres der Werft Fr. Fassmer in Berne/Motzen an der Unterweser erteilt. Es ist vorgesehen, die ›John T. Essberger‹ dem Technik Museum Speyer spätestens im Frühjahr/Sommer 2012 zu übereignen. Das Museum übernimmt das Schiff mit allen Rechten und Pflichten. Der Seenotkreuzer soll auf eigenem Kiel rheinaufwärts bis zum Rheinhafen Speyer fahren.

Seenotkreuzer John T. EssbergerFoto: Technik Museen Sinsheim und SpeyerSeenotkreuzer John T. Essberger im Technik Museum Speyer.

Im Technik Museum Speyer wird der Seenotkreuzer ein herausragendes Exponat der Schifffahrtsabteilung werden. Geplant sind unter anderem Sonderausstellungen in den Räumlichkeiten des Schiffes, die die umfangreichen Aufgabenbereiche und Einsatzgebiete der DGzRS einer breiten Öffentlichkeit näherbringen.

Die ›John T. Essberger‹ wurde 1975 als erstes Schiff der großen 44-Meter-Klasse der DGzRS bei der Schweers-Werft in Bardenfleth an der Unterweser gebaut. Ihre drei Maschinen leisten zusammen 7200 PS und beschleunigen sie auf 26 Knoten (ca. 48 km/h) Geschwindigkeit. Wie alle Seenotkreuzer der DGzRS ist die ›John T. Essberger‹ als kentersichere und selbstaufrichtende Schweißkonstruktion vollständig aus seewasserbeständigem Leichtmetall im bewährten Netzspantensystem gebaut, das dem Schiffskörper besonders hohe Festigkeit etwa bei Grundberührungen verleiht.

Der Seenotkreuzer verfügt über ein Tochterboot, ein Bordhospital, eine leistungsstarke Feuerlösch- und Fremdlenzanlage, ein Hubschrauber-Arbeitsdeck, ein zusätzliches schnelles Festrumpfschlauchboot sowie umfangreiche Kommunikations-, Navigations- und rettungsdienstliche Einrichtungen. Bei einem eventuell anfallenden Großschadensfall auf See können die Seenotkreuzer dieser Größe über 300 Schiffbrüchige unter Deck aufnehmen.

Stationiert ist die ›John T. Essberger‹ seit ihrer Indienststellung auf der Seeposition Fehmarn in der westlichen Ostsee. Zur Stammbesatzung zählen 13 Rettungsmänner, wovon jeweils sechs auf ›Wache‹ sind. Das Schiff wurde auf den Namen des Hamburger Reeders und Förderer der DGzRS John T. Essberger (1886 – 1959) getauft.

Die DGzRS ist einer der modernsten Seenotrettungsdienste der Welt. Sie finanziert ihre gesamte Arbeit ausschließlich durch Spenden, ohne jegliche staatlich-öffentliche Mittel zu beanspruchen. Die Seenotretter sind an der deutschen Nord- und Ostseeküste rund um die Uhr mit einer Flotte von 61 Seenotkreuzern und Seenotrettungsbooten einsatzbereit.

Seit Gründung der Gesellschaft 1865 haben ihre Mannschaften mehr als 76 000 Menschen aus Seenot gerettet oder aus lebensbedrohenden Gefahren befreit. Schirmherr des Rettungswerkes ist der Bundespräsident.

Das Technik Museum Speyer zeigt auf über 25 000 m² Hallenfläche und 150 000 m² Freigelände über 3000 Ausstellungsstücke, darunter ein russisches Buran-Spaceshuttle, eine begehbare Boeing 747 der Lufthansa und das ebenfalls voll begehbare U-Boot U 9 der Deutschen Marine. Zahlreiche Oldtimer und Lokomotiven ergänzen eine große Ausstellung historischer Feuerwehrfahrzeuge. Eine weitere Schau zeigt wertvolle und seltene Spielorgeln und Musikinstrumente.

Quelle:  Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger

• Auf epilog.de am 21. Mai 2010 veröffentlicht