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Lohner-Porsche-Automobile

Allgemeine Automobil-Zeitung • 19.5.1901

Voraussichtliche Lesezeit rund 14 Minuten.

Ludwig Lohner, der bekannte Chef der Wiener k. u. k. Hof-Wagen- und Automobilfabrik Jacob Lohner & Co., erzeugt schon zum dritten Mal Automobile.

Wie das möglich ist? Nun denn, Lohner ist einer der ältesten Automobilfabrikanten. Seit ungefähr fünf Jahren befasst sich dieser begeisterte Vorkämpfer des Auto­mobilis­mus in Österreich mit dem Studium der Herstellung selbst­beweg­licher Fahrzeuge, und das erste seinem Atelier entstammende Automobil war – wenn man von dem nur historischen Wert besitzenden Marcus-Wagen absieht – auch das erste in Österreich gebaute Automobil. Lohner gehörte damals noch den ›Benzinisten‹ an, und sein Erstlingswerk hatte dementsprechend einen Benzinmotor.

Montierungswerkstätte.Montierungswerkstätte der k. u. k. Hof-Wagen- und Automobil-Fabrik Jacob Lohner & Co., Wien.

Das war noch die Zeit des Werdens, und außer dem Daimler-Motor – der als Konkurrenten nur Benz neben sich hatte – gab es noch keinen ernstzunehmenden Automobil-Motor. Obwohl es in der weitläufigen Lohner­schen Fabrik weder an Raum noch an sonstigen Hilfsmitteln fehlte, um eine Motorenabteilung zu schaffen, konnte sich die Wagenbaufirma doch nicht dazu verstehen, einen ihrem eigentlichen Wirkungskreis so entfernt liegenden Artikel aufzunehmen. Der Daimler-Motor war zu jener Zeit schon in festen Händen, und so gab denn Lohner schweren Herzens den so viel­verheißend begonnenen Plan, Benzinwagen zu bauen, auf.

Aber Leute vom Schlage Lohners pflegen nach einem missglückten Versuch noch lange kein Gras unter ihren Füßen wachsen zu lassen. Eines schönen Tages, oder besser gesagt abends, rollte geräuschlos aus dem hohen Tor des Firmengebäudes in der Wiener Porzellangasse ein Elektromobil. Es war von der Fabrik in aller Stille hergestellt worden und erregte nicht geringes Aufsehen. Ein gutes Stück ernster Arbeit und viel Konstruktionsgeist steckte in dem Vehikel, das für ein Versuchsobjekt geradezu Brillantes leistete. Aber wieder scheiterte die rationelle Durchführung der Sache daran, dass Lohner bezüglich der Antriebsapparate von einer anderen Firma abhängig war. Fast anderthalb Jahre dauerten die erfolglosen Bemühungen, bis er sich entschloss, sich ganz auf eigene Füße zu stellen und zum dritten Male von vorn zu beginnen. Zum Glück fand Lohner zu dieser Zeit in dem Ingenieur Porsche nicht nur einen Fachmann allerersten Ranges, sondern auch einen treuen Mitarbeiter.

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• Auf epilog.de am 17. April 2026 veröffentlicht

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