VerkehrStraßenverkehr

Langer Tunnel in Britz für die A 100 in Richtung Schönefeld

Ab 2003 hat der mittlere Ring Vorrang

Berliner Wirtschaft • Juli 2000

Der südliche Zweig des mittleren Rings (Autobahn A 100) endete über einen Zeitraum von fast 19 Jahren an der Anschlussstelle Gradestraße in Tempelhof. Am 7. Juli 2000 haben der Bundesminister für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen, Reinhard Klimmt und der Senator für Stadtentwicklung, Peter Strieder, einen neuen, 2,7 km langen Abschnitt des mittleren Rings dem Verkehr übergeben, der die Autobahn bis zur Buschkrugallee in Neukölln verlängert. Die A 100 hat nun eine Länge von rund 19,5 km.

Das neue Autobahnteilstück hat wie die übrige A 100 drei Fahrspuren mit einem zusätzlichen Standstreifen pro Richtung und verläuft wegen der dichten Besiedelung des Gebiets auf 1,7 km Länge, also zum größten Teil, im Tunnel. Außer der Zu- und Abfahrt am provisorischen Ende Buschkrugallee verfügt der neue Abschnitt über eine Halbanschlussstelle am Britzer Damm mit je einem Anschluss in bzw. aus Richtung Tempelhof. Zum ersten Mal kommt ein Verkehrsführungssystem zur Anwendung, mit dem der Verkehr auf die Gegenfahrbahn gelenkt werden kann. Im Bedarfsfall öffnen sich dafür Schranken im Mittelstreifen. Diese sind mit einer in die Fahrbahn eingelassenen Beleuchtung kombiniert, die die übergeleiteten Fahrspuren anzeigen.

Bundesautobahn A113 Richtung SchönefeldAnschluss für den Fernverkehr: Nach der Fertigstellung der geplanten Bundesautobahn A113 Richtung Schönefeld Dresden hat die BAB A100 auch überregionale Verbindungsfunktion. Die Verkehrsbelastung der A100 wird dann zwischen den Anschlussstellen Gradestraße und Buschkrugallee rund 136000 Kfz pro 24 Stunden betragen.

Die Bauzeit des neuen Autobahnabschnittes betrug 4 Jahre. Die Kosten in Höhe von 450 Mill. DM wurden vom Bund getragen. Das Berliner Autobahnnetz erreicht jetzt eine Länge von rund 62 km.

Der neue Autobahnabschnitt hat für Industrie und Gewerbe in Neukölln eine große Bedeutung. Für den Wirtschaftsverkehr standen nur Stadtstraßen zur Verfügung. Mit dem Anschluss Buschkrugallee hat das Industriegebiet Neukölln, das durch den Mauerbau über lange Zeit in benachteiligter Position war, endlich einen direkten Autobahnanschluss erhalten.

Dreieck Neukölln im Bau

Die Autobahn A 100 soll bereits bis zum Jahr 2003 erneut verlängert werden. Der nächste Abschnitt, das Dreieck Neukölln, ist bereits im Bau. Die A 100 wird dann um 1 km länger und provisorisch an der Grenzallee in Höhe der Bergiusstraße enden. IHK, ansässige Unternehmen und das Bezirksamt Neukölln konnten 1998 gemeinsam durchsetzen, dass dabei die Bergiusstraße, die als Zufahrt für viele Firmen unverzichtbar ist, nicht unterbrochen wird, sondern mit der Grenzallee verbunden bleibt. Die im Dreieck Neukölln abzweigende A 113 soll bis zur Anschlussstelle Späthstraße ebenfalls 2003 fertig werden.

Die A 113 dient als Zufahrt zum neuen Flughafen Berlin-Brandenburg International und als Verbindung zum Schönefelder Kreuz. Sie soll rechtzeitig zur Flughafenöffnung fertig sein. Der Bund hat die Finanzierung zugesagt. Damit bindet die A 113 auf Jahre hinaus alle Mittel, die Berlin für den Autobahnbau zur Verfügung stehen. Ein schneller Weiterbau der A 100 dürfte daher wohl nicht möglich sein.

IHK: Mittleren Ring schließen

Nach Fertigstellung der A 113 muss die Schließung des mittleren Rings Priorität haben. Er ist für den Wirtschaftsverkehr als Fernverkehrsanschluss und innerstädtischer Verteiler unverzichtbar. Der im Westteil Berlins nun weitgehend fertiggestellte Ring wird künftig überwiegend aus der A 100 bestehen. In seinem Nordteil soll er über bestehende, leistungsfähige Stadtstraßen geführt werden. Ohne die geplante Verlängerung der A 100 von Neukölln bis zur Frankfurter Allee kann der Ring nicht geschlossen werden. Die Wirtschaft erwartet, dass sich das Land mit Nachdruck dafür einsetzt, dass dieser Abschnitt als vordringlicher Bedarf in den neuen Bundesverkehrswegeplan aufgenommen wird. Die Planung für die A 100 muss zügig fortgeführt werden, damit das nächste Teilstück von Neukölln nach Treptow so bald wie möglich in Angriff genommen werden kann.

• Hans-Michael Drutschmann

• Auf epilog.de am 28. Juli 2000 veröffentlicht