Handel & IndustrieLandwirtschaft

Petroleummotor für
landwirtschaftliche Arbeiten

Das Neue Universum • 1905

Die Landwirtschaft beschränkt sich schon seit Jahren nicht mehr auf die Verwendung der Kräfte von Menschen und Tieren, sondern hat in richtiger Erkenntnis der sich bietenden Vorteile, Petroleummotor von Castelin.Abb. 1. Petroleummotor von Castelin. besonders in größeren Betrieben, Naturkräfte herangezogen und durch Maschinen nutzbar gemacht. Besonders die Dampfkraft findet vielfach Verwendung, wenn auch die betreffenden Maschinen schwerfällig und teuer sind und auch ihre Erhaltung im Betrieb ansehnliche Kosten verursacht. Der Ingenieur André Castelin empfiehlt nun, die Dampfmaschine durch einen in den Abbildung vorgeführten Petroleum­motor zu ersetzen, der viel beweglicher und billiger als jene ist und weniger Betriebskosten erfordert.

Ist der Motor mit den Rädern des Wagens verbunden, so fährt dieser wie ein Automobil und gelangt schnell zur Arbeitsstelle auf dem Feld. Wenn er nun hier zum Beispiel einen Pflug über das Feld ziehen soll, so wird er an einem Ende aufgestellt, die Verbindung mit den Wagenrädern wird gelöst und ein an der Rückseite befindliches Grabscheit von etwa einem Meter Länge 30 cm tief in die Erde versenkt. Dadurch ist der Motor mit einer Kraft von 1500 – 3000 kg gegen Vorwärtsbewegungen verankert, Pflügen mit dem Petroleummotor.Abb. 2. Pflügen mit dem Petroleummotor. während sich bei einer Rückwärtsbewegung das Grabscheit, das schräg nach vorn gerichtet ist, selbst herauszieht und leicht gehoben werden kann. Durch ein langes Doppelseil wird die Welle des Motors mit dem am anderen Ende des Feldes stehenden Pflug verbunden, wie Abb. 2 zeigt, der Motor dreht die Welle, das Seil wickelt sich auf, und der Pflug wird vorwärts bewegt. Der 12 PS-Motor vermag ferner 1500 – 2000 kg zu ziehen oder als Lastwagen 1000 kg Lasten zu tragen, die im hinteren Kastenraum des Wagens untergebracht werden können, wobei die Fahrgeschwindigkeit 5 – 15 km/h beträgt. Im Kastenraum haben drei Personen Platz, der Wagenführer sitzt vorn auf dem Bock. Stillstehend kann der Motor eine Dynamomaschine treiben, auch mancherlei landwirtschaftliche Maschinen in Betrieb setzen, wie Buttermaschinen, Knetmaschinen, Flachs­brecher, Schrotmühlen, Sägewerke, Pumpwerke, Futterschneidmaschinen, Dreschmaschinen und dergleichen.

Zum Betrieb sind stündlich pro PS nur 400 g Heizmaterial und ein 0,5 l Kühlwasser nötig, ein Materialverbrauch von so geringem Umfang, dass er gewiss erheblich zu Gunsten des Petroleum­motors ins Gewicht fällt, wenn man ihn mit den Anforderungen von Dampfmaschinen vergleicht. Dies alles lässt den Motor in einem so vorteilhaften Licht erscheinen, dass man seiner Verbreitung in den Kreisen der Landwirtschaft zuversichtlich entgegensehen kann.

• Auf epilog.de am 4. März 2026 veröffentlicht

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