FeuilletonLeben & Werk

Englische Ingenieure 1750 – 1850

John Smeaton

Von Theodor Beck

Zeitschrift für Architektur und Ingenieurwesen • September 1900

Voraussichtliche Lesezeit rund 45 Minuten.

Der berühmte Erbauer des Eddy­stone-Leucht­turms war am 28. Juni 1724 zu Austhorpe-Lodge bei Leeds geboren, also nur acht Jahre jünger, als  James Brindley. Beide begegneten sich oft bei Beratungen über wichtige Ingenieurbauten, denn sie waren die leitenden Männer ihres Fachs und empfahlen einander, wo sich Gelegenheit dazu bot. Nach dem Tod Brindleys wurden viele seiner unerledigt gebliebenen Arbeiten durch Smeaton vollendet. John Smeaton.Abb. 1. Der englische Ingenieur John Smeaton (1724 – 1794) war Wegbereiter des Bauingenieurwesens. Sein bekanntestes Werk ist der Eddystone-Leuchtturm. Er verbesserte zudem Mühlen, Kanäle, Häfen und Dampfmaschinen durch präzise wissenschaftliche Experimente. Vor Brindley hatte dieser den Vorteil, eine gute Erziehung genossen zu haben. Er hatte in seiner Jugend nicht, wie jener, mit Vernachlässigung durch den Vater und mit Armut zu kämpfen, sondern wurde mit liebevoller Sorgfalt herangebildet, aber wie Brindley wurde auch er durch angeborene Neigung auf die Laufbahn gedrängt, die er gegen den Wunsch seines Vaters einschlug. Dieser war ein angesehener Rechtsanwalt, welcher auf seiner ländlichen Besitzung Austhorpe-Lodge wohnte, aber in Leeds sein Büro hatte.

Als Knabe beschäftigte sich John Smeaton, anstatt mit den anderen Kindern zu spielen, am liebsten mit seinem Taschenmesser und anderen Werkzeugen, um Häuser und allerlei Dinge aus Holz nachzubilden. Wenn Handwerksleute im väterlichen Haus oder in der Nachbarschaft arbeiteten, beobachtete er sie genau und plagte sie mit tausend Fragen. Mr. Holmes, ein Londoner Uhrmacher, der John Smeaton als Knabe kannte, erzählt, dieser habe eines Tages einige Mühl­ärzte bei der Arbeit beobachtet und sei kurz danach zum Schrecken der Eltern auf dem Scheunendach gesehen worden, wo er etwas wie eine Windmühle befestigte. Ein andermal sah er einigen Arbeitern zu, die in dem Dorf Whitkirk bei Austhorpe-Lodge eine Pumpe aufstellten, und es gelang ihm, ein Stück von einer gebohrten Brunnenröhre von ihnen zu erhalten und eine Pumpe daraus zu machen, die wirklich Wasser förderte. Jedoch scheint solche Geschicklichkeit von seinen Schulkameraden nicht gewürdigt worden zu sein, denn, da er sich scheu und zurückhaltend gegen sie benahm, hieß er bei ihnen der ›einfältige Smeaton‹.

Nachdem John das erforderliche Alter erreicht hatte, schickten ihn seine Eltern in die Lateinschule von Leeds, eine vorzügliche Anstalt. Hier zeichnete er sich in Arithmetik und Geometrie aus, beschäftigte sich aber in allen freien Augenblicken wieder mit seinen Werkzeugen. Der Vater erlaubte ihm, sich in einem Nebengebäude seines Hauses eine Werkstätte einzurichten, und in seinem fünfzehnten Jahr machte sich John eine Drehbank und verfertigte darauf allerlei Gegenstände aus Holz und Elfenbein, die er seinen Freunden zum Geschenk machte. Als einst eine ›Feuermaschine‹, wie man die Neweo­mensche Dampfmaschine damals nannte, in der Nachbarschaft aufgestellt wurde, um das Wasser aus der Garforth-Kohlen­grube zu pumpen, kam John täglich dahin, betrachtete Alles genau und machte danach zu Hause ein ähnliches Maschinchen, das früher fertig wurde, als die Grubenmaschine und so gut funktionierte, dass er damit den Teich vor seines Vaters Haus auspumpte und zu dessen größtem Ärger alle Fische darin starben.

Im sechzehnten Jahr kam John aus der Schule und wurde auf dem väterlichen Büro beschäftigt, um sich für den Beruf eines Rechtsanwaltes vorzubereiten. Er arbeitete auch gewissenhaft an seinem Pult, aber sein Herz hing an der Werkstätte in Austhorpe.

Weiterlesen mit
epilog.de

Werde epilog.plus-Mitglied und Du bekommst

  • Zugriff auf exklusive Beiträge wie diesen
  • PDF-Versionen und/oder eBooks von ausgewählten Artikeln
  • weniger Werbung und dafür mehr historische Bilder und alte Reklame

und Du hilfst uns, noch mehr interessante Beiträge zur Kultur- und Technikgeschichte zu veröffentlichen.

Ich bin bereits Mitglied und möchte mich anmelden.

Der vollständige Beitrag ist enthalten in:

Neuerscheinung

Der Technikhistoriker Theodor Beck dokumentiert die Lebenswege von fünf Pionieren, die die infrastrukturelle Entwicklung während der Industriellen Revolution in England entscheidend prägten. Der Fokus liegt dabei auf der technischen Umsetzung ihrer maßgeblichen Verkehrsbauten: James Brindley und der Bridgewater-Kanal, John Smeaton und der Eddystone-Leuchtturm, Thomas Telford und das britische Straßennetz, John Rennie und die Waterloo-Bridge sowie Marc Isambard Brunel und der Themse-Tunnel.
  PDF-Leseprobe € 19,90 | 196 Seiten | ISBN: 978-3-695-73094-0

• Auf epilog.de am 29. Mai 2026 veröffentlicht

Reklame