Forschung & TechnikErfindungen & Patente

Hansens Typen-Schreibmaschine

auf der Kopenhagener Industrie-Ausstellung

Polytechnisches Journal • 1872

Voraussichtliche Lesezeit rund 4 Minuten.

In der Industrie-Ausstellung zu Kopenhagen zieht gegenwärtig die Typenschreibmaschine oder die sogenannte ›Schreibkugel‹ von Malling Hansen die Aufmerksamkeit des Publikums in hohem Grade auf sich. Die Abbildung stellt diesen sinnreichen Apparat perspektivisch dar.

A ist eine Halbkugel aus Geschützmetall, welche mit 52 nach dem Zentrum konvergierenden Löchern durchbohrt ist. Dieselbe liegt auf dem festen Ring eines Gestelles D, welches wieder auf drei Trägern E ruht. Letztere sind mit der Fundamentplatte a a des Apparates fest verbunden. Das Gestell D ist um ein Scharnier F beweglich, so dass es ganz in die Höhe gehoben werden kann, und alsdann einen Blick auf die unteren Teile des Apparates gestattet. In jedem der erwähnten Löcher gleitet ein Kolben oder eine Taste, in deren unteren horizontal abgeschliffenen Ende ein Buchstabe oder sonstiges Schriftzeichen graviert ist. Der nämliche Buchstabe ist auf dem Kopf jedes Kolbens markiert. Wenn ein solcher Tast­kolben niedergedrückt wird, so geht er unter dem Einfluss einer auf ihn wirkenden Spiralfeder von selbst wieder in die Höhe. H H ist eine horizontale, auf vier Rädern ruhende Tafel, welche unter dem Zentrum der Halbkugel hinweggeführt werden kann. Die Räder laufen auf zwei Schienen K K, welche mittels acht Säulen an einen viereckigen Rahmen L L befestigt sind. Dieser Rahmen selbst ruht an drei Stellen, vorne an einer und hinten an zwei, auf zwei Schienen N N der Fundamentplatte a a. An der unteren Seite der Tafel H ist eine Zahnstange angeordnet, in welche ein an die Spindel Q befestigtes Stirnrad greift. Diese in der Fundamentplatte gelagerte Spindel trägt außerdem ein Zahnrad S und ein in der Abbildung nicht sichtbares Getriebe, welches mit dem Rad T in Eingriff steht. Hinter dem Zahnrad S sind zwei Elektromagnete angeordnet, an deren Armaturen eine Hemmung angebracht ist, welche in die Zähne des Rades S greift. V V sind zwei mit einer konstanten elektrischen Batterie in Verbindung stehende Klemmschrauben. Diese Batterie besteht aus 2 – 4 Leclanché-Elementen, welche sechs Monate lang benutzt und dann leicht umgefüllt werden können. X ist eine Glocke, deren Hammer durch einen Stift des Rades S in Bewegung gesetzt werden kann, so dass er an die Glocke schlägt.

Wir haben hier die Bemerkung einzuschalten, dass die Halbkugel von einem sphärischen, mit korrespondierenden Löchern versehenen Deckel umgeben ist, welcher mittels isolierender Eben­holz­stücke auf der Halbkugel selbst ruht. Dieser Deckel, nebst den kleinen Federn, welche den Druck gegen die Knöpfe der Tast­kolben aufnehmen, steht mit dem einen Pol, die Halbkugel selbst nebst ihren Kolben mit dem anderen Pol der Batterie in Verbindung.

Über die Tafel H ist ein leichter Rahmen gedeckt, welcher in die Höhe gehoben werden kann, um ein darunter geschobenes Blatt Papier rings an seinen Rändern festzuhalten. Auf das weiße Blatt wird ein geschwärztes Papier gelegt. Drückt man nun einen der Knöpfe, z. B. den mit dem Buchstaben R markierten, nieder, so druckt das untere Ende des Kolbens den Buchstaben R auf dem Papier ab. Der Knopf berührt sodann die unter ihm befindliche Feder und schließt dadurch den Batteriestrom, worauf die von den Elektromagneten sofort angezogenen Armaturen dem Rad S eine Drehung um einen Zahn erteilen. In Folge dieser Drehung wird die Tafel H durch das an der Achse Q des Rades S befestigte und in die erwähnte Zahnstange greifende Stirnrad um eine entsprechende Strecke längs der Stange K K fortbewegt, so dass sich der nächste Buchstabe in geeignetem Abstand neben dem vorhergehenden abdruckt. So erfolgt, indem ein Tast­kolben nach dem anderen niedergedrückt wird, der Abdruck der entsprechenden Lettern in einer gegen den Manipulierenden vertikalen Zeile. - R E K L A M E - In einer Brautnacht Die Tasten sind so angeordnet, dass sie mit allen zehn Fingern bequem gespielt werden können, wobei eine gewisse Anzahl derselben für jeden Finger bestimmt ist. Einen Moment vor Beendigung einer Zeile schlägt der Hammer gegen die Glocke X, zum Zeichen dass nun eine neue Zeile in geeignetem Abstand von der so eben gebildeten angefangen werden soll. Die Tafel H wird alsdann aus freier Hand gegen den hinteren Träger E zurückgeschoben und der Zeilenabstand durch eine Seitenbewegung rechtwinkelig zu dieser letzteren Bewegung auf folgende Weise erzielt. Unterhalb der Tafel H befindet sich ein beweglicher Finger, welcher in eine an der Fundamentplatte a befestigte Zahnstange greift und dadurch das Gestell L mit der darauf befindlichen Tafel auf den Schienen N N um den erforderlichen Abstand seitwärts schiebt.

Mit einiger Übung können 10 Tast­kolben per Sekunde niedergedrückt werden, eine Geschwindigkeit, welche drei- bis fünfmal so groß ist, als diejenige womit man mit einer Feder schreibt. Es lässt sich mit der in Rede stehenden Maschine auf alle Papiersorten, von der feinsten bis zur gröbsten, schreiben, indem die Schreibkugel in vertikalem Sinne dem entsprechend justierbar ist. Nimmt man 10 Bogen dünnen Papiers mit Zwischenlagen von geschwärztem Papier, so empfangen alle 10 Bogen den gleichen Faksimile-Abdruck. Lässt man diese 10 Abdrücke mit zwischen­gelegtem transparentem Papier durch Walzen gehen, so erhält man die doppelte Anzahl von Kopien, und zwar in einer Zeit, in welcher ein Kopist nur den dritten Teil einer Kopie schreiben könnte.

Die Schreibkugel lässt sich in allen denjenigen Fällen vorteilhaft anwenden, wo es sich um Geschwindigkeit und Genauigkeit, sowie um die Anfertigung zahlreicher Kopien handelt. So findet sie unter anderem bei den Morse-Telegrafen zum Herausschreiben der Depeschen bereits erfolgreiche Anwendung. Der Erfinder ist von dem König von Dänemark durch Verleihung der goldenen Verdienstmedaille ausgezeichnet worden.

• Nach dem Engineer - August 1872.

• Auf epilog.de am 25. März 2026 veröffentlicht

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