Handel & Industrie – Handwerk
Der Glaser
Galerie der vorzüglichsten Künste und Handwerke • 1830
Der Glaser ist derjenige Handwerker, welcher die Fenster verglast und Laternen mit Glas zusammensetzt. Unter verglasen versteht man diejenige Arbeit, durch welche die Rahmen der Fenster mit Fensterscheiben ausgefüllt werden und dieses geschieht auf dreierlei Art, indem es Fenster mit ordinärem Fensterblei, Fenster mit Karniesblei und Sprossenfenster gibt.
Diejenigen Fenster, welche in einzelnen Glasscheiben durch sogenanntes Fensterblei verglast werden, sind die geringeren; indem die Sprossen- oder Kittenfenster, welche ohne Blei in größeren Scheiben eingesetzt werden, die vorzüglicheren sind.
Ehe die Glasscheiben, in die Fenster eingesetzt werden können, misst der Glaser mit der Zeichenliste die Breite und Höhe des zu verglasenden Fensterflügels aus, und wenn die Fenster mit Blei verglast werden sollen, so teilt er auf derselben Zeichenliste auch die Fensterscheiben oder sogenannten Rauten nach dem Verhältnis der abgemessenen Größe des Flügels, mit dem Zirkel nach der Länge und Breite ab, wie viel Scheiben nämlich in jede Reihe kommen sollen.
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Hierauf wird die Größe jeder Scheibe mit dem Zirkel bestimmt und der Umfang derselben mit Kreidepunkten angegeben. Nach diesen Punkten schneidet der Glaser alsdann mit einem Diamanten die Scheiben ab.
Das Fensterblei zum Verglasen der Fenster besteht aus drei Teilen Blei und einem Teil englischen Zinn, welche in einem sogenannten Einguss zu Streifen gegossen werden, die alsdann in einer Rinne des so genannten Futterkolbens vorläufig mit einem gewöhnlichen Schneidemesser beschnitten und auf der Ziehmaschine gezogen werden, wodurch die Bleistreifen auf beiden Seiten einen Falz und ihre Gestalt bekommen.
Es gibt zwei Arten von Fensterblei, ordinäres und Karniesblei. Das Karniesblei hat eine zierlichere Gestalt als das gewöhnliche und erhält seinen Namen von dem Gesims oder Karnies in der Mitte desselben mit nebenbei angebrachten feinen Stäben. Der Stab in der Mitte des Karniesbleis ist eine hohle Röhre, welche aus zwei Hälften zusammengelötet wird. Die Sprossenfenster werden nicht verbleit, sondern erhalten statt des Fensterbleis zierlich ausgearbeitete hölzerne Sprossen. Diese Sprossen bekommen nach der Straße zu, einen offenen Falz, in welche die Glasscheiben eingekittet werden. Die Scheiben dieser Fenster sind gemeiniglich groß und werden in allen ansehnlichen Gebäuden gebraucht, gewöhnlich wird dazu Kreideglas oder auch Spiegelglas genommen.
Diese Neuausgabe bietet eine Übersicht über 40 historische Berufe am Übergang zur industriellen Fertigung. Jedes Gewerbe wird durch eine zeitgenössische, farbige Lithographie sowie eine Beschreibung der Arbeitsabläufe und Werkzeuge erläutert. Der Band dokumentiert somit den Stand der Technik und die Arbeitsbedingungen des frühen 19. Jahrhunderts.
