Handel & Industrie – Handwerk

Der Glasmacher

Galerie der vorzüglichsten Künste und Handwerke • 1830

Voraussichtliche Lesezeit rund 19 Minuten.

Das Glas ist ein Werk der Kunst und ein durchsichtiger, spröder, im Wasser unauflöslicher, aber im Feuer schmelzbarer Körper. Die Bestandteile, aus welchen das Glas bereitet wird, sind Erden, Sand, Kiesel, Quarz, Schlacken, Feuersteine, kalzinierte Kristalle, Kreide, Gips, Kalk, Knochen, Borax, Asche, Pottasche, unreiner Salpeter und Kochsalz und andere mehr, welches alles vermittels des Feuers geschmolzen und in Fluss gebracht wird. Der Glasmacher. Die meisten Erdarten und Kiesel als Hauptbestandteile des Glases haben die Eigenschaft, dass sie sich durch Zusätze und Vermischung mit gewissen Salzen verglasen, und hierin liegt das Geheimnis der Glas­macher­kunst.

Die erste Erfindung des Glases wird den alten Phöniziern zugeschrieben; und der Ort, wo diese Entdeckung zuerst gemacht ward, war das Ufer des Flusses Belus in Asien, der am Fuß des Berges Carmel aus dem Sumpf Centevia entspringt. Das Ufer dieses Flusses hat einen feinen mit Vitriol vermischten Sand, welcher die vorzüg­lichste Veranlassung zu der Erfindung des Glases gab. Es landeten nämlich phönizische Kaufleute, die auf ihrem Schiff Salpeter führten, nicht weit von Sidon an dem einen Ufer des Flusses Belus. Sie stiegen an dem Ufer aus, um sich hier ihre Speisen zu bereiten. Da es ihnen an großen Steinen fehlte, um ihre Speisekessel höher zu stellen und Feuer darunter zu machen, so nahmen sie anstatt der Steine aus ihrer Schiffsladung große Stücken Salpeter, welche sie in den Sand legten, ihre Kessel darüber setzten, und das Feuer darunter anzündeten. Durch das Feuer geriet der Salpeter in Brand und vermischte sich mit dem feinen Sand des Ufers, und als die Flamme verlöscht war, fand sich eine flüssige und durchsichtige Masse, welche die Grundlage des Glases ward. Man machte nämlich mehrere Versuche und arbeitete diesem glücklichen Zufall weiter nach, indem man andere Zusätze, den Magnet und glänzende Steinarten und Muscheln, die man vorher brannte, darunter mischte, bis man endlich durch diese wiederholten Versuche, die vollkommene Bereitung des Glases lernte.

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• Auf epilog.de am 20. Oktober 2026 veröffentlicht

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