Handel & IndustrieHandwerk

Der Färber

Galerie der vorzüglichsten Künste und Handwerke • 1830

Voraussichtliche Lesezeit rund 6 Minuten.

Die Färbe­kunst besteht darin, aus Pflanzen und tierischen Körpern die färbenden Teile herauszuziehen, und diese in Wolle, Garn und leinene oder seidene Zeuge eindringen zu lassen.

Diese Kunst ist von einem so hohen Alter, dass es unmöglich ist, die Spuren ihrer ersten Entstehung zu finden; und schon in den ältesten Zeiten war sie unter den Phöniziern, Ägyptern, Hebräern, Griechen, Römern und Deutschen bekannt.

Ein Färber wird derjenige Künstler genannt, welcher es versteht, aus verschiedenen Materialien Wolle, Leinen, Baumwolle und Seide, und daraus gewebten Stoffen eine beliebige Farbe zu geben.

Obgleich alle Zeuge beinahe auf einerlei Art gefärbt werden, so ist dennoch in Ansehung der Materialien und der Stoffe, welche gefärbt werden sollen, bei dieser oder jener Farbe und bei der Behandlung ein sehr großer Unterschied, deshalb werden die Färber in dieser Hinsicht in besondere Gattungen eingeteilt und sind entweder Schwarz-, Schön- und Seidenfärber.

Unter dem Namen Schönfärber versteht man eigentlich denjenigen, der schöne echte Farben färbt, die Schwarzfärber aber sind die, welche Schwarz und Blau färben. Die Schönfärber entstanden zu der Zeit, als man anfing mit Indigo zu färben, weil diese blaue Farbe weit schöner und lebhafter war, als die mit Waid gefärbte, deren man sich vorher bediente und deshalb auch diese Färber, Waid­färber nannte. Die Seidenfärber unterscheiden sich von den Schwarz- und Schönfärbern dadurch, dass sie sich bloß mit dem Färben der Seide beschäftigen.

Diese drei verschiedenen Gattungen werden unter dem allgemeinen Namen Färber begriffen, welcher ihre Hauptverrichtungen anzeigt, den Zeugen und Fäden eine beliebige Farbe zu erteilen. Die Bestandteile, aus welchen die Farben entstehen, sind zwar größtenteils bekannt, allein das Geheimnisvolle der Färbe­kunst besteht darin, dass der Färber die Kunst verstehe, die wohlfeilste Farbe zu wählen und sie dennoch so zu bereiten und anzubringen, dass sie Dauer hat, und dass er auf die leichteste, kürzeste und vorteilhafteste Art färben kann. Hierzu gehören gewisse Vorteile und Erfahrungen, welche die Färber ziemlich geheim halten, und große Manufakturen lassen bisweilen ihre Färber deshalb gerichtlich vereiden und verpflichten nichts von diesen Geheimnissen zu entdecken. Da die Färber sogar selten ihre Lehrlinge und Gesellen damit bekanntmachen, so muss größtenteils diese Kunst durch eigene Erfahrungen und Versuche erlernt werden.

Um daher ein geschickter Färber zu werden, kommt es vorzüglich darauf an, dass man öfters Versuche und Beobachtungen anstellt, die Bestandteile der Farben­materia­lien genau untersucht, und sich deshalb mit der Chemie einigermaßen bekanntmacht.

Die Handgriffe bei dem Färben können bei der Wollfärberei in drei und bei der Leinen- und Seidenfärberei in zwei Arten abgeteilt werden, und beinahe bei jeder Farbe wird anders verfahren.

Die vorzüg­lichsten Farben der Färber sind folgende: Die echte blaue Farbe gibt der Indigo oder auch der Waid, die unechte blaue Farbe aber gibt das Kampesche­holz. Das echte Rot wird aus der Koschenille, das mittelmäßige aus Krapp und dergleichen und das unechte aus Brasilien­holz und Safflor bereitet. Aus einer Vermischung des Blau und Rot entsteht Violett. Eine gelbe Farbe geben vorzüglich Scharte und Strichkraut, Gelb und Blau vermischt geben eine grüne Farbe, wozu man auch das neu Grün oder sächsisches Grün gebraucht. Mit der Schale der welschen Nüsse, mit der Wurzel des welschen Nussbaums, mit Erlen­rinde, mit Schmack, Sandelholz, oder einer Vermischung des Gelb- und Brasilien­holzes wird braun gefärbt. Mit Galläpfeln, Schmack, und einem Zusatz von Kupferwasser und Weinstein wird Schwarz gefärbt. Durch die Vermischung dieser Hauptfarben oder durch gewisse Beimischungen werden die Schattierungen gefärbt.

Wenn man unge­sponnene Wolle färben will und die Farbe zugerichtet ist, so wird der Senker in den Farben­kessel oder in die Küpe gehangen, und die Wolle in erforderlicher Proportion in den Kessel geworfen, wo sie gut ausgebreitet und abwechselnd mit einem Stab umgerührt wird. Nachdem die Wolle dunkler oder heller soll gefärbt werden, lässt man sie auch kürzer oder länger in der Farben­brühe liegen.

Wenn die Wolle gehörig gefärbt ist, so wird sie herausgezogen und auf eine Tragbare geworfen, welche auf die Mündung der Küpe oder des Kessels gelegt wird, damit die Farben­brühe aus der Wolle wieder abträufeln kann. Wenn die Farben­brühe von der Wolle abgelaufen ist, so wird diese in reinem und kaltem Wasser gespült. Alle Wolle, sie mag nun gesponnen sein oder nicht oder auch gewebt, darf nicht ausge­rungen werden, weil sie hierdurch den Farben­glanz verlieren würde.

Ehe die Wolle gefärbt werden kann, muss sie vorher gut gewaschen und von Fett und Schmutz gereinigt werden. Wenn gesponnene Wolle gefärbt werden soll, so hängt der Färber einige Strähnen auf einen Stock, taucht sie damit in die Farbe und dreht sie auf demselben beständig in der Farbe um, solange bis die Farbe die gehörige Schattierung hat; worauf sie herausgenommen und über dem Kessel auf dem Winde­nagel gehängt wird, damit die Farben­brühe ablaufen kann.

Die Farben­brühen werden in dem Farben­kessel gekocht, dieser ist von Kupfer, Messing, Blei oder Zinn. Er ist in einem Mauerwerk von guten Backsteinen eingemauert und darin so gestellt, dass in dem unteren Raum des Gemäuers unter dem Kessel Feuer unterhalten werden kann. Diese Kessel werden mit hölzernen Deckeln, die in der Mitte einen Handgriff haben, zugedeckt, damit die Farbenbrühe warm bleibt, wenn das Feuer unter dem Kessel verloschen ist. Wenn gewebte Zeuge und große Stücke Tücher gefärbt werden sollen, so wird eine Winde über den Kessel gestellt, mit welcher der Zeug oder das Tuch in die Farben­brühe hinein und wieder herausgewunden, auch in beständiger Bewegung in der Farbenbrühe unterhalten wird. Damit die zu färbende Sache, den Mark der Farbe, der auf dem Boden des Kessels ruht, nicht berührt, so wird der sogenannte Einsenker oder Drift in den Kessel eingehangen, der oben an den Rand des Kessels mit Haken ange­hangen wird.

Die gewebten Zeuge können nicht anders als über der Winde oder Haspel gefärbt werden. Zum Ende setzt der Färber die Winde auf die Mauer des Farben­kessels, schlägt den Zeug oder das Tuch darüber und zieht oder haspelt dieses beständig durch die Farben­brühe.

Wenn hierauf der Zeug, nach der erforderlichen Schattierung, die er erhalten soll, gehörig durch­genetzt ist, so wird er zusammengeschlagen und über ein Gestell gehängt, damit die Farben­brühe ablaufen kann.

Hierauf muss der gefärbte Zeug in einem Fluss gespült werden. Das leinene Garn und Gewebe nimmt die Farbe schwerer an als die Wolle, wohin besonders die hellen Farben gehören, als Rot, Gelb, Grün und dergleichen, doch wird das Leinene beinahe eben so behandelt als das Wollene, nur dass es nach dem Färben aus­gerungen wird. Hin und wieder wird das Leinene von dem Färber durch heißes Wasser gezogen, damit es die Farbe besser annehme. Die Baumwolle ist am schwersten zu färben, und nimmt, so wie das Leinene, die blaue Farbe noch am besten an, aber auch hierbei muss sie wenigstens ein paar Stunden in Wasser gekocht und ihr dadurch die Fettigkeit benommen werden, um sie vorzubereiten. Die Seide erfordert bei dem Färben eine besondere Behandlung.

Die Schön- und Seidenfärber rechnen sich zwar zu den Künstlern, haben sich aber doch eben so wie die Schwarzfärber unter sich eine handwerksmäßige Innung. In einigen Orten, namentlich in den Reichs- und Seestädten sind die Schön-, Seiden- und Schwarzfärber voneinander getrennt, und Schwarzfärber behaupten dort, dass sie allein berechtigt sind, Leinen und Baumwolle zu färben, daher sich die Schönfärber an diesen Orten nur auf das Färben der Wolle einschränken müssen. In den meisten Staaten ist aber dieser Unterschied aufgehoben worden, so dass jeder färben kann, was er will, obgleich die Schwarz- und Schönfärber sich noch immer voneinander trennen.

Entnommen aus dem Buch:
Ein faszinierender Blick in die Werkstätten einer vergangenen Zeit.
Diese Neuausgabe bietet eine Übersicht über 40 historische Berufe am Übergang zur industriellen Fertigung. Jedes Gewerbe wird durch eine zeitgenössische, farbige Lithographie sowie eine Beschreibung der Arbeitsabläufe und Werkzeuge erläutert. Der Band dokumentiert somit den Stand der Technik und die Arbeitsbedingungen des frühen 19. Jahrhunderts.
  PDF-Leseprobe € 19,90 | 142 Seiten | ISBN: 978-3-695-70930-4

• Auf epilog.de am 10. September 2026 veröffentlicht

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