Handel & Industrie – Handwerk
Buchbinder
Pierers Universallexikon • 1857–65
Buchbinder (gr. Bibliopeg), zünftige Handwerker, deren vorzüglichstes Geschäft das Einbinden von Büchern ist. Die Lehrlinge müssen 4 – 5 Jahre lernen, die Gesellen wandern und erhalten Geschenk und haben als Meisterstück einige mehr oder weniger kunstreiche Bände zu machen.
Der Buchbinder.Abbildung aus ›30 Werkstätten von Handwerkern‹ (1835).
Der Buchbinder beginnt das Binden eines Buches mit dem Planieren der Bogen, wenn diese von Druckpapier sind. Die Bogen werden dabei ausgebreitet und ausgestrichen oder ausgezogen, d. h. die Falten werden mit dem Falzbein aus denselben entfernt, dann einzeln oder 4 – 5 zugleich durch erwärmtes, dünnes, mit Alaun versetztes Leimwasser (Leimtränke, Planierwasser) gezogen, dann in einer gewöhnlichen Buchbinderpresse (Planierpresse) ausgedrückt und zum Trocknen im Sommer auf einem luftigen Boden, im Winter in einer geheizten Stube auf Haarschnüren aufgehängt. Durch das Planieren wird das Papier steifer, glatter, haltbar und schlägt nicht durch, gleich dem Schreibpapier. Nun folgt das Falzen, d. h. Zusammenlegen, der einzelnen Bogen; die Bogen werden in das durch die Signatur angezeigte 4-, 8-, 12-, 16- oder 32-Format gebrochen und auf dem glatten Falzbrett die Brüche (Falze) mit dem kupfernen oder elfenbeinernen Falzbein glatt gestrichen. Nach dem Falzen kommt das Schlagen (aus dem Falz schlagen) einer Anzahl zusammengelegter Bogen (6 – 8) auf einem flachen Steine oder einer polierten Eisenplatte; hierdurch verliert das Papier seine Steifigkeit und Elastizität, so dass die einzelnen Blätter später im Buch fest aufeinander liegenbleiben und sich nicht nach dem Zusammendrücken wieder voneinander dehnen. Statt des Schlagens ist in neuer Zeit das Walzen allgemein üblich geworden. Die Bogen werden dabei zwischen zwei Blechtafeln durch zwei sich in entgegengesetzter Richtung drehende eiserne Zylinder getrieben. Dann beginnt das Pressen, welches zwischen zwei starken Brettern in einer Schraubenpresse geschieht. Die gewöhnliche Buchbinderpresse hat 2 – 4 Fuß Länge, besteht aus zwei vierkantigen starken Hölzern, von denen das eine an zwei hölzerne Schrauben befestigt, das andere auf den Schrauben beweglich ist und durch den an jeder Schraube befindlichen Wirbel gegen den zwischen die Hölzer gelegten Gegenstand gepresst werden kann.
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