Berliner Verkehr

Premiere in der Silvesternacht

Erster neuer Zug der S-Bahn Berlin
startet in den Fahrgastbetrieb

tvi.ticker • 30. Dezember 2020

S-Bahn Berlin - Baureihe ET 483Foto: Deutsche Bahn/Volker Emersleben

Am 1. Januar 2021 startet der erste Zug der neuen S-Bahn-Baureihe 483/484 in den Fahrgastbetrieb. Mit insgesamt sechs Wagen rollt der Premierenzug (Seriennummern 484-001 und 483-001) in der Silvesternacht am Bahnhof Schöneweide los. Im Führerstand steuert eine Doppelbesetzung, ein Lokführer und eine Lokführerin, die neue S-Bahn als Linie S 47 in Richtung Spindlersfeld. Im Laufe des Tages verstärken noch zwei weitere Züge der neuen Baureihe den Verkehr auf der Strecke zwischen Spindlersfeld und Hermannstraße.

Insgesamt zehn Vorserienzüge gehen erstmals ab Neujahr in den Fahrgastbetrieb. Somit können auch Erfahrungen für die Serienproduktion, die bereits angelaufen ist, gesammelt werden. Grundlage ist der neue Verkehrsvertrag mit den Ländern Berlin und Brandenburg für die Ringbahn, der ab 1. Januar 2021 in Kraft tritt. Insgesamt hat die S-Bahn Berlin 382 Wagen (21 Zwei-Wagen- und 85 Vier-Wagen-Einheiten) beim Herstellerkonsortium Stadler und Siemens bestellt, die bis Ende 2023 ausgeliefert werden sollen. Sie werden neben der S 47 dann auf der S 46, S 8 und S 41/S 42 eingesetzt.

Die Neubaufahrzeuge haben eine rund zweijährige Testphase erfolgreich bestanden, darunter folgende Meilensteine:

  • Von Herbst 2018 bis Frühjahr 2020 wurden die Züge im weltweit größten Testzentrum für Schienenfahrzeuge, im Prüf- und Validationcenter (PCW) von Siemens Mobility in Wegberg-Wildenrath (Nordrhein-Westfalen), umfassend erprobt. Dazu zählten beispielsweise Messungen und Typprüfungen zur Entgleisungssicherheit, Bremstests zur Messung der Bremswege und Prüfungen zur elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV).
  • Ein vierteiliger Zug absolvierte ab Herbst 2019 ein 12-wöchiges Testprogramm in der Klimakammer in Wien. Im weltweit längsten Klima-Wind-Kanal des Rail Tec Arsenal (RTA) wurden auf Knopfdruck extreme Temperatur- und Wetterverhältnisse erzeugt. Bei Temperaturen von –25° C mit Eis und Schnee bis +45° C und starker Sonneneinstrahlung entstanden realistische Simulationen für Zug und Fahrgäste. So konnte geprüft werden, ob auch bei starkem Schneefall und Vereisung der Stromabnehmer funktionierte, die Türen öffneten und schlossen und die Spaltminderungen zur Überbrückung des Spalts zwischen Zug und Bahnsteig reibungslos ein- und ausfuhren.
  • Seit September 2019 wurden die Vorserienfahrzeuge im Berliner Netz geprüft. Sie absolvierten insgesamt rund 150 000 Testkilometer und fuhren jeden Winkel des 340 km langen Streckennetzes ab. Dabei wurden umfangreiche Tests unternommen in Hinblick auf Funktionalität der verschiedenen Komponenten, Fahrverhalten, Bremsen, Fahrgasttüren, Heizung, Klimaanlage, Scheibenwischer, Licht, Zugsicherungssysteme und vieles mehr.
  • Auch die Ausbildung von bislang 114 Lokführer und Lokführerinnen, die diese Baureihe fahren werden, wurde in den Testmonaten durchgeführt. Denn in der ›Neuen‹ steckt viel mehr Technik als in den bisherigen Baureihen, und diese müssen die Fahrer kennen.
  • Im Oktober 2020 erfolgte die Zulassung für den Einsatz im Personenverkehr durch das Eisenbahnbundesamt.

Quelle: Stadler Rail

• Auf epilog.de am 31. Dezember 2020 veröffentlicht