Berliner Bauwerke

Der neue Landes-Ausstellungspark

Berliner Leben • Mai 1904

Berlin ist um eine Sehenswürdigkeit reicher geworden; aber um einen unterhaltsamen Aufenthaltsort ärmer. Es ist nicht zu leugnen, die Neuanlagen sind geschmackvoll und aus den wenig günstigen Raumverhältnissen ist alles gemacht, was zu machen war. Über vierfach aufsteigenden, mit Putten und Vasen reich geschmückten Terrassen erhebt sich ein weiß­schimmerndes Barockschlösschen in der Manier von Sanssouci, das in seinem Inneren Speise- und Gesellschaftssäle enthält. Zu beiden Seiten gliedern sich an das Schlösschen gedeckte Treppenhallen. Das Zentrum der ganzen Anlage bildet eine gewaltige Fontaine, die ihre leuchtenden Wasserstrahlen hoch in die Abendluft empor­sendet. Um sie herum und an den beiden Orchesterpavillons vorbei führt ein 20 m breiter Promenadenweg.

Landes-AusstellungsparkDer Landes-Ausstellungspark in seiner neuen Gestalt
(Fotomontage).

Aber mit dem sumpfigen ›See‹, mit dem Miniaturbrückchen, den alten hässlichen Musikpavillons, den engen, winkligen Wegen ist auch zugleich die Atmosphäre geschwunden, die diesem Ort eigentümlich war; ein Gemisch von süßlicher Musik und schlechter Beleuchtung, von allerhand zweifelhaften Parfüms, von den schwülen Ausdünstungen des stehenden Wassers und der Wärme der eng gedrängt aneinander vor­über­flutenden Menge. Früher fand man sich auf der ›Läster­allee‹ mit tödlicher Sicherheit; man strich dicht aneinander vorüber, Auge tauchte in Auge, und halb geschoben, halb schiebend fühlte man im Gedränge die gegenseitige Berührung; ein breiter Strom von Liebe ergoss sich unaufhaltsam über die Wege und Winkel des Parks und verbreitete sich mit dem Verhallen des letzten Trompetentones in tausend kleinen Kanälen über die Riesenstadt. Dies alles ist jetzt einer nüchternen Kahlheit gewichen. Ziellos und verschüchtert schweifen die Menschen auf dem 20 m breiten Promenadenwegen umher und die elektrischen Bogenlampen bestrahlen mit erbarmungsloser Klarheit all die versammelte Albernheit und Torheit, so dass keine rechte Stimmung aufzukommen vermag, und man setzt sich verzweifelt an einen der Tische des eleganten Restaurants und denkt mit Bedauern an den verschwundenen ›See‹ und die engen, winkligen, schlecht­beleuchteten Wege und an das hin- und herwogen der Menge unter den Klängen der süßlichen Musik.

• Auf epilog.de am 25. Oktober 2026 veröffentlicht

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