Handel & Industrie – Handwerk

Wie die Chinesen ihre Gong,
ihre Tamtam und Zimbeln machen

Westermanns Monatshefte • Mai 1857

Man kennt in Europa, wie uns von Kundigen versichert wird, auch jetzt die Art und Weise noch nicht, wodurch die Chinesen das Instrument Gong – sie selbst nennen es Tsching oder Lo – ihre Tamtam und Zimbeln zustande bringen. Mehrere hierauf bezügliche Anfragen sind von englischen Gewerbs­leuten und Technikern an die Behörden auf Hongkong ergangen. Diese ließen Nachforschungen anstellen und nach langem Suchen hat man endlich in einer technologischen Enzyklopädie die nachfolgenden Vorschriften aufgefunden. Das technologische Werk führt den Titel: Tien king kai we, d. h. Alle Dinge nach ihren Normen, und wurde von einem Song Ingsiug im Jahr 1837 herausgegeben. Der Schreiber dieses hat das Original nicht gesehen. Die Mitteilung des nachfolgenden, von dem Doktor Harland auf Hongkong verfertigten Auszugs verdanken die Leser dem Finanzminister jener englischen Kolonie, unserm deutschen Landsmann Robert Rinäcker.

Tong, Kupfer, heißt es in den chinesischen Wörterbüchern, wird mit einem Schriftzeichen geschrieben, zusammengesetzt aus Gold und ähnlich, weil nämlich Kupfer eine ähnliche Farbe hat, gleich wie Gold. Es gibt dreierlei Gattungen von Kupfer: rotes Kupfer, gelbes Kupfer, weißes Kupfer. In dem Wörterbuch heißt es: Mittels einer Mischung von Arsenik macht man aus rotem Kupfer weißes; durch eine Mischung mit Zinn bekommt man das tönende oder Gong-Kupfer. Dieses in künstlicher Art hervorgebrachte weiße Kupfer ist aber bei weitem nicht so vortrefflich wie das natur­weiße, welches bloß in der Provinz Yunnan gefunden wird. Alle Marken jener südwestlichen Provinz sind reich an den verschiedensten Metallen, namentlich innerhalb der Bezirke längs der birmanischen Grenze, wo auch ausschließlich das weiße Kupfer vorkommen soll. Man findet es vollkommen weiß in den Gruben; es scheint innerhalb derselben noch weißer als außerhalb der Erde. Das weiße Kupfer ist sehr schwer und kostspielig zu verarbeiten, weshalb es bloß von reichen Leuten gebraucht wird. Das gelbe Kupfer, aus einer Mischung des roten mit Galmei #[Zinkerz] gewonnen, wird in heißem Zustand gehämmert; jenes, welches anstatt durch Galmei mittels einer Mischung von japanischem Blei gewonnen wird, muss kalt gehämmert werden. Kupfer ist nur dann für musikalische Instrumente zu gebrauchen, wenn es ein Fünftel Anteil von Zinn erhält. Die musikalischen Instrumente werden im Ganzen geformt, ohne irgendwo Nähte zu erhalten. Hingegen sind die runden und viereckigen kupfernen Gefäße zusammengelötet. Die Lötung ist zweierlei Art: die kleine besteht aus winzigen Stücken oder Feilspänen von Zinn; die große aus winzigen Stücken oder Feilspänen von klingendem Kupfer, welches man aus achtzig Teilen Kupfer und zwanzig Teilen Zinn gewinnt. Die kupfernen Feilspäne werden mittelst eines feinen Kleisters, womit sie vorher beschmiert sind, befestigt, welcher dann bei einfachem Waschen weggeht. In solcher Weise bleibt die Kupferfeile an Ort und Stelle, sonst würde sie keinen Augenblick haften. Zur Lötung silberner Gefäße gebraucht man Feilspäne von rotem Kupfer. Um eine Gong zu verfertigen, ist es nicht notwendig, das Kupfer vorher in eine runde Form zu bringen. Beides zusammen, die runde Form und das musikalische Instrument entstehen durch eine und dieselbe Operation. Hingegen muss man bei der Anfertigung kupferner Trommeln (Tamtam) oder Zimbeln das Metall zuvor in eine runde Platte bringen, welche dann mittels des Hammers zu dem gewünschten Instrument geschlagen wird.

Wird eine Gong oder ein Tamtam geschmiedet, so stehen die Arbeitsleute nicht am Amboss, sondern die Metallplatte liegt in kaltem Zustand auf dem Boden ausgebreitet. Soll das Instrument von großem Umfang werden, so stellen sich eine Anzahl Arbeitsleute rings um die Platte und hämmern sie mittels wiederholter Schläge. Nach und nach dehnt sich das ursprünglich kleine Stück aus, wird breit und bald hört man klangvolle Schwingungen, hervorkommend aus den gehämmerten Teilen der Metallplatte. Ist die Mitte des Tamtam zu einem Buckel ausgearbeitet, so gibt ihm ein geschickter Arbeiter, ebenfalls durch Hämmern in kaltem Zustand, den gewünschten Ton. Man kann den Instrumenten, je nach Belieben, zweierlei verschiedene Töne geben, den weiblichen oder hohen und den männlichen oder tiefen Klang, wobei die Erhöhung oder Erniedrigung des Buckels bis zu einem hundert- oder tausendfachen Teil ausgerechnet werden muss. Der tiefe Ton erheischt gar viele Hammerstreiche.

• K. F. Neumann.

• Auf epilog.de am 12. Oktober 2026 veröffentlicht

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