Handel & Industrie – Handwerk
Der Büchsenmacher und Büchsenschäfter
Galerie der vorzüglichsten Künste und Handwerke • 1830
Der Büchsenmacher ist ein Eisenarbeiter, welcher die Kunst versteht, mancherlei Schießgewehre, und zwar die metallenen Teile derselben zu verfertigen, als Musketen, Flinten, Büchsen und dergleichen.
Das Unterscheidende dieser Schießgewehre besteht in Folgendem: Die Muskete ist die erste und älteste Art von Büchsen. In alten Zeiten nannte man die Feuergewehre nach Raubvögeln, gegen welche sie gebraucht wurden, und die Musketen, erhielten ihren Namen von dem lateinischen Worte muchetus, welches einen Sperber bedeutet. Durch den Herzog von Alba wurden die Musketen im Jahr 1567 zuerst bei dessen Kriegsvölkern in dem Krieg mit den Niederländern eingeführt. Die Büchse, Kugelbüchse, oder Rohr, unterscheidet sich von einer Muskete und einer gewöhnlichen Vogelflinte dadurch, dass der Lauf oder das Rohr stärker, aber auch kürzer ist, als bei jenen Gewehren, und dass es von außen achteckig abgeschliffen und gewöhnlich gezogen ist. Gezogene Gewehre sind solche, deren Lauf inwendig Rinnen nach einer Schneckenlinie hat, wodurch sie zum Schießen geschickter werden.
Die Flinten unterscheiden sich von den Büchsen vorzüglich dadurch, dass sie nicht gezogen und länger als diese sind. Es gibt verschiedene Arten von Flinten, als Vogelflinten, Jagdflinten und so weiter, und die gewöhnlichen Flinten sind jetzt unter dem Namen der Musketen bekannt, und das gewöhnliche Schießgewehr der Fußvölker, welche daher auch Musketiere genannt werden.
Der Büchsenmacher schmiedet selten die Rohre oder sogenannten Läufe dieser Schießgewehre selbst, sondern er lässt sie gewöhnlich in einer Gewehrfabrik von dem Rohrschmied verfertigen, obgleich er selbst dieses auch nötigen Falls verrichten kann.
Seine vorzüglichste Beschäftigung besteht darin, die erhaltenen Rohre gehörig einzurichten und das Feuerschloss zu verfertigen. Der Büchsenmacher erhält nämlich die Rohre der Gewehre von dem Rohrschmied nur aus dem Groben geschmiedet und gebohrt, ohne die dazu gehörige Schwanzschraube, das Zündloch, Richtkorn und ohne Politur. Welches alles er selbst erst besorgen und daher erst die Rohre in Flinten- oder Büchsenläufe umwandeln muss.
Bis auf die Federn eines Schießgewehrs, welche vom Stahl sein müssen, werden alle Teile desselben von Eisen ausgeschmiedet, mit der Feile ausgearbeitet und endlich poliert.
Wenn der Büchsenmacher das Rohr zu einem Gewehr aus der Gewehrfabrik roh ausgeschmiedet und ausgebohrt erhält, so muss er es zuweilen, wenn es nötig ist, noch einmal bohren. Das Zündloch bohrt er alsdann von außen mit einem gewöhnlichen Bohrer durch und erweitert es hernach verhältnismäßig. In der Mündung des Laufs, da wo der Pulversack ist, wird anstatt eines Bodens, eine sogenannte Schwanzschraube eingeschraubt. Der Lauf erhält hierauf drei starke sogenannte Haften, oder eiserne starke Ringe, welche unter jeden Lauf eines Schießgewehrs unterhalb, in der Mitte und eben eingeschoben und angelötet werden, und vermittels welcher der Lauf auf den Schaft befestigt wird. Alsdann wird das Richtkorn vorn ausgelötet, worauf der Lauf zum Verschäften fertig ist.
Das Schloss ist der zweite wichtigste metallene Teil eines Schießgewehres und wird in der Folge, nachdem es aus seinen verschiedenen Teilen zusammengesetzt und das Gewehr verschäftet ist, mit seinen Schrauben an dem Schaft und dem Rohr befestigt, so wie auch alsdann der untere messingene Bügel nebst dem Abzug unter demselben befestigt wird. Diese Dinge, so wie die sogenannte Kappe, das Vorder-, Mittel- und Spitzröhrchen, welche der Büchsenmacher verfertigt, werden von dem Büchsenschäfter an den gehörigen Ort, an den Schaft angesetzt. Der Büchsenschäfter ist daher nicht mit dem Büchsenmacher zu verwechseln; denn der Büchsenschäfter beschäftigt sich damit, aus verschiedenen harten Hölzern die sogenannten Schafte oder die von Holz ausgeschnittenen und nach den verschiedenen Teilen des Eisenwerks eines Feuergewehrs ausgehöhlten Gehäuse, zu den Gewehren zu verfertigen und diese zusammenzusetzen.
Der Schaft wird auf dem sogenannten Schaftholz nach dem Schaftmodell abgezeichnet, worauf nach Beschaffenheit der Länge eines Rohrs mit der Säge ein Einschnitt unten über dem Kolbenstück, da wo die Schwanzschraube des Laufs angestoßen werden soll, gemacht wird. Auf der unteren Seite des Schaftholzes wird zu der Lage des Ladestocks gleichfalls etwas weggeschnitten. Alsdann wird das überflüssige Holz von der Kolbe ebenfalls mit einem Ballmeisel weggestoßen und abgerichtet, die Kolbe wird mit dem Schneidemesser aus dem Groben beschnitten, wodurch sie ihre Gestalt bekommt.
Wenn die Rinne des Schafts gehörig ausgehöhlt ist, so wird der Lauf in dieselbe gelegt, und vermittels der Haften in dazu gebohrte Löcher befestigt. An der rechten Seite des Schafts werden die Vertiefungen für die inneren Teile des Schlosses ausgemeiselt, das Schloss selbst wird angesetzt und das Ganze vollendet.
Diese Neuausgabe bietet eine Übersicht über 40 historische Berufe am Übergang zur industriellen Fertigung. Jedes Gewerbe wird durch eine zeitgenössische, farbige Lithographie sowie eine Beschreibung der Arbeitsabläufe und Werkzeuge erläutert. Der Band dokumentiert somit den Stand der Technik und die Arbeitsbedingungen des frühen 19. Jahrhunderts.
