Handel & Industrie – Einzelhandel
Warenhaus für deutsche Beamte
Berlin NW, Bunsenstr. 2
Berliner Leben • November 1904
Im Jahr 1889 wurden nach dem Vorbild des Deutschen Offizier-Vereins und der Zivil-Service-Stores in London das Warenhaus für deutsche Beamte und der Verein der Kaufberechtigten des Warenhauses für deutsche Beamte ins Leben gerufen, welcher den zuerst von der Aktiengesellschaft Warenhaus für deutsche Beamte geführten Betrieb in eigene Regie übernommen hat.
Ebenso wie der Deutsche Offizier-Verein verfolgt auch das Warenhaus für deutsche Beamte lediglich gemeinnützige Tendenzen. Die aus der Geschäftstätigkeit des Warenhauses für die Mitglieder des Vereins der Kaufberechtigten erwachsenden Vorteile bestehen der Hauptsache nach darin, dass der Verein
- seinen Mitgliedern durch Bareinkauf und Barverkauf gute Gebrauchs- und Verbrauchsgegenstände zu möglichst niedrigen Preisen liefert;
- durch Vereinbarungen sehr erhebliche Verkehrserleichterungen schafft, und zwar Preisermäßigungen in zahlreichen Hotels, Bädern, Heilanstalten des In- und Auslandes, bei Versicherungsgesellschaften, Zahnärzten, Fotografen usw.
- empfohlenen Geschäften in dem Anzeigenanhang der Preisliste Gelegenheit gibt, ihre Waren den Mitgliedern des Vereins der Kaufberechtigten zu Vorzugspreisen anzubieten und
- aus den Eintrittsgeldern der beteiligten Staatsbeamten einen Darlehnsfonds zu Gunsten derselben bildet.
Nach den Satzungen des Vereins wird die Mitgliedschaft für Lebenszeit gegen Entrichtung eines einmaligen Beitrages von 10 Mark, für die Dauer eines Geschäftsjahres gegen Entrichtung eines Jahresbeitrages von 3 Mark erworben.
Mitglieder des Vereins können werden:
- alle aktiven unmittelbaren und mittelbaren Reichs-, Staats-, kirchlichen und Hofbeamten;
- solche Personen, welche, wie Regierungsbaumeister, Rechtsanwälte, Ärzte usw., durch ein staatliches Examen die Befähigung zur Ausübung eines höheren Berufs erlangt haben;
- Abgeordnete, Stadtverordnete und Mitglieder sonstiger Vertretungen Öffentlicher Körperschaften;
- stimmberechtigte Mitglieder des Deutschen Offizier-Vereins.
Außerdem können verabschiedete Beamte obiger Kategorien, Witwen der zur Mitgliedschaft qualifizierten Personen, sowie Privatbeamte die Mitgliedschaft erwerben; doch ist die Zulassung in jedem einzelnen Falle von der Entscheidung des Direktoriums abhängig.
Der Betrieb wurde in ermieteten Räumen in der Jägerstraße eröffnet und erfreute sich von seinem Beginn an wärmster Teilnahme und lebhaftesten Zuspruchs. Im Jahr 1892 siedelte das Warenhaus in das lediglich für seine Zwecke erbaute Haus Bunsenstraße 2 (von der Dorotheenstraße bis zum Reichstagsufer) über.
Der große Mittelbau des ›Beamtenkaufhauses‹ enthält lediglich Geschäftsräume, d. h.. Verkaufs-, Lager-, Packräume, Musterlager usw.; die Seitenflügel zwei Hotels für die Mitglieder, welchen auf die billigen Zimmerpreise noch ein nennenswerter Rabatt eingeräumt wird. Unter den aufgeführten Räumen liegt der große Weinkellereibetrieb.
Den für den Warenhausbetrieb des gemeinnützigen Vereins bestehenden gesetzlichen Vorschriften entsprechend ist bei den Eingängen zu den Verkaufsräumen eine Sperre errichtet, durch welche bezweckt wird, dass nur die sich als Mitglieder legitimierenden Personen im Warenhaus kaufen können und Nichtmitgliedern der Zutritt versagt ist.
Die im Warenhaus erhältlichen Waren zerfallen in zwei Abteilungen.
Die Abteilung I in der ersten und zweiten Etage des Beamtenkaufhauses umfasst alle Gebrauchsgegenstände wie Herrenkleiderstoffe und Herrenbekleidung nach Maß, Herrenhüte, Koffer und Reiseartikel, Sättel, Jagdwaffen, Sportartikel, Wäscheausstattungen in allen Preislagen, Damen-Kleiderstoffe, Unterröcke, Trikotagen, Schuhwaren, Gardinen, Portieren, Teppiche, Decken, Steppdecken, eiserne Bettgestelle, Matratzen, Kunst- und Luxusgegenstände usw.
Die Abteilung II, welche die linke Seite des Erdgeschosses einnimmt, enthält sämtliche Verbrauchsgegenstände wie Kolonialwaren, Konserven, Fleisch- und Wurstwaren, Zigarren, Weine usw.
Der für die Abteilungen I und II beim Warenvertrieb geltende Grundsatz ist, nur solche Waren zu führen, die durchaus brauchbar und gediegen sind und, von diesem Gesichtspunkt ausgehend, die preiswürdigsten in jeder Sorte und Güte.
Die Hauptkasse befindet sich gegenüber dem Eingang im Erdgeschoss, die Tageskassen in den Abteilungen.
Die zu Abteilung I gehörende Bekleidungswerkstatt, das Tuchlager und die Anprobe- und Maßnehmezimmer für Herren liegen in dem zweiten Stockwerk zur linken Hand, zur rechten das Sitzungszimmer, das Büro des Direktoriums, die Buchhalterei, das Zentralbüro und die Kanzlei.
Das Zentralbüro, von welchem die gedruckten Satzungen des Vereins bezogen, resp. daselbst eingesehen werden können, erteilt jede wünschenswerte Auskunft über den Verein und seine Tätigkeit, so weit diese nicht schon aus der jeder Hauptpreisliste vorgedruckten Geschäftsordnung ersichtlich ist.
In der dritten Etage befinden sich reich ausgestattete Musterlager von Möbeln und Zimmereinrichtungen, Haus- und Küchengerätschaften, Glas und Porzellan.
Den Anregungen aus Mitgliederkreisen folgend, wurden drei Geschäftsstellen errichtet, die sich in den von Beamten besonders zahlreich bewohnten Stadtteilen befinden, und zwar:
in Berlin W. 62, Kurfürstenstr. 100,
in Berlin W. 57, Potsdamer Str. 90,
und in Charlottenburg, Leibnizstr. 65.
Diese Geschäftsstellen liefern genau dieselben guten und preiswürdigen Waren wie das Hauptgeschäft, Bunsenstraße 2. Auch wird in ihnen ebenso wie im Hauptgeschäft nur an die Mitglieder verkauft.
Alljährlich erscheint im Herbst eine reichhaltige und illustrierte Hauptpreisliste und im Frühjahr die Ergänzung dazu. Ebenso erscheint alljährlich im Frühjahr ein Verzeichnis sämtlicher Verkehrserleichterungen und im Herbst ein Nachtrag zu diesem.
Die Mitgliederzahl des Vereins der Kaufberechtigten des Warenhauses für deutsche Beamte beträgt gegenwärtig über 40 000, die in allen Teilen des Deutschen Reiches, viele auch im Ausland wohnen.
Das Unternehmen wird dauernd in der Form betrieben, die der Tendenz dieser Beamtenvereinigung entspricht, indem dasselbe nicht den Charakter eines Erwerbsunternehmens trägt, sondern lediglich die Förderung der wirtschaftlichen Interessen der Mitglieder im Auge hat.
Vor allen Dingen bezweckt das Warenhaus, seinen Mitgliedern auf allen Gebieten, wo Sachkenntnis und wirtschaftliches Interesse in Frage kommen, ein sachverständiger, sorgsamer und zuverlässiger Berater zu sein.
Wie beim ins Leben Treten des Warenhauses bzw. des Vereins die Gemeinnützigkeit der Bestrebungen der Grundgedanke war, so wird auch bei der Fortführung und dem weiteren Ausbau der Vereinstätigkeit stets an diesem Grundsatz festgehalten werden.





