DaseinsvorsorgeEnergieversorgung

Über Windmotoren

Prometheus • 4.1.1899

Voraussichtliche Lesezeit rund 8 Minuten.

Der Wind ist die Kraftquelle, deren nutzbare Anzapfung heute noch durch keine privatrechtlichen Besitztitel eingeschränkt ist; jedermann kann davon nehmen, so viel er will. Kosten erwachsen nur durch die maschinelle Vorrichtung, welche den Winddruck in mechanische Arbeit umsetzt. Man sollte meinen, dass die Unerschöpflichkeit dieser kostenlosen Kraftquelle und die verhältnismäßig einfache Art ihrer Nutzbarmachung durch drehbare Flügelräder (Windmühlen, Windräder, Windturbinen) schon längst eine unbegrenzte Beanspruchung derselben hätten hervorrufen müssen. Dies ist aber nicht der Fall, obschon zahllose Versuche zu ihrer ausgedehnteren Verwendung gemacht worden sind. Diese Versuche scheiterten an der Unbeständigkeit des Windes, die zur Folge hat, dass bei Windstille der Betrieb wegen mangelnder Betriebskraft ruhen muss. Solche Unterbrechungen können nur wenige Betriebe ohne wirtschaftliche Schädigung vertragen, deshalb mag diese Beschränkung dazu beigetragen haben, den wirtschaftlichen Nutzwert der Windkraft zu unterschätzen und die Techniker von der mechanischen Verbesserung der Windmotoren zurückzuhalten, die doch z. B. zum Betriebe von Pumpen für Be- und Entwässerungen in der Landwirtschaft auch trotz jener Unterbrechungen in den meisten Fällen zweckmäßige Verwendungen finden würden. Allerdings kommt auch hier die Windmühle alten Systems, die seit Jahrhunderten bis in die neueste Zeit in technischer Beziehung kaum nennenswerte Fortschritte gemacht hat, kaum noch in Betracht; denn während die Dampfmaschine stetig vervollkommnet und Wasserräder und Turbinen immer mehr ausgebildet wurden, mutet die Windmühle uns heute in der Tat wie ein vergessenes Überbleibsel längst verschwundener Zeiten an.

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• Auf epilog.de am 19. Mai 2026 veröffentlicht

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