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Das Topophon

Das Neue Universum • 1880

In vielen Fällen ist es sehr schwer und doch von größter Wichtigkeit, genau zu erkennen, aus welcher Richtung ein bestimmter Ton kommt. Betrachten wir ein Schiff in dickem Nebel. Die Küste ist nicht weit, aber unsichtbar. Man hört in weiter Ferne den Schall des Nebelhorns oder der Nebel­pfeife, ohne aber sicher angeben zu können, aus welcher Richtung der Ton kommt; nur ungefähr lässt sich dies bestimmen. Auch auf dem Lande sind derartige ähnliche Fälle leicht denkbar. Das Topophon soll es möglich machen, ganz genau die Richtung zu finden, aus welcher der Schall zu unserem Ohr gelangt. Das Bild zeigt die Form des transportablen Apparates, der von Prof. A. M. Mayer erfunden und patentiert wurde.

Professor Mayers Topophon.Professor Mayers Topophon.

Wer schon einmal eine angeschlagene Stimmgabel ans Ohr gehalten und dabei dieselbe um ihre Längsachse zwischen den Fingern gedreht und dabei beobachtet hat, wie der Ton schwillt und schwächer wird und wieder schwillt, je nach der Stellung der Stimmgabel, versteht auch die Ursache dieser Erscheinung. Die Schallwellen, welche durch die beiden schwingenden Zinken erzeugt werden, verstärken sich gegenseitig oder heben sich auf, und daher die sogenannte Interferenzerscheinung.

Auf demselben Prinzip beruht Mayers Topophon. An einem Schulterträger sind zwei gleichartige Schallfänger angebracht und von diesen aus gehen biegsame Röhren, welche sich wieder vereinigen und dann nach beiden Ohren abzweigen. Eins der Rohre kann leicht durch aus- und einschieben verlängert oder verkürzt werden. Es ist klar, dass wenn die Schallfänger so gerichtet sind, dass sie denselben Impuls durch die Schallwellen aufnehmen, sich der Ton bei gleicher Röhrenlänge verstärken muss; ist aber die eine Röhre um eine halbe Wellenlänge kürzer als die andere, so wird der eine Schallimpuls durch den anderen, wenn nicht aufgehoben, so doch geschwächt.

Bei der praktischen Verwendung des Topophons stellt sich also der Beobachter so, dass er in der Richtung blickt, aus der er den Schall vermutet. Die Röhren sind gleich lang gestellt. Durch langsames links- und rechts­drehen findet er sehr bald diejenige Richtung, aus welcher der Schall kommt; in dieser ganz bestimmten Stellung wird der Ton am stärksten vernehmbar sein. Durch passende Veränderung der Länge der einen Röhre hat er den Prüfstein für den ersten Versuch, wenn der Ton dadurch abgeschwächt wird.

• Auf epilog.de am 18. August 2026 veröffentlicht

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