Verkehr – Fernmeldewesen

Telefon und Mikrofon

Das Neue Universum • 1880

Voraussichtliche Lesezeit rund 20 Minuten.

Dass feste Körper den Schall besser und rascher leiten, als die Luft, wusste man längst. Biot in Paris ließ am Ende eines ungefähr 1000 m langen eisernen Rohres eine Pistole abfeuern: Er hörte den Knall am anderen Ende zweimal mit einer Zwischenpause von 2½ Sekunden. Der erste und zugleich stärkere Schall war durch die Röhrenwand übermittelt worden, der zweite durch die Luft im Inneren der Röhre. Wurde ein Musikstück an dem einen Ende gespielt, so hörte man es an dem anderen ganz in der richtigen Harmonie. Telefon im Haus der Abgeordneten. Trotz dieser bekannten Tatsachen, die ein jeder aus täglichen Erfahrungen im Haus bestätigen konnte, dauerte es doch ziemlich lange, ehe man zur praktischen Verwertung schritt. Im Jahr 1870 erst machte Weinhold in Chemnitz Versuche mit Resonanzkästchen aus Holz, die auf eine Entfernung von 625 m mittels eines Eisendrahtes von 0,65 mm Dicke leitend verbunden waren. Hier konnten zwei Personen, wenn sie mit dem Mund ungefähr 5 – 15 cm von den Resonanzböden der beiden Kästchen entfernt standen, sich bequem miteinander unterhalten, ohne die Stimme bedeutend mehr erheben zu müssen, als beim gewöhnlichen Sprechen. Jeder Wechsel der Stimme, auch die Stimmen verschiedener Personen machten sich an der anderen Station bemerklich. Man durfte sich sogar einen Meter weit von dem Holzkästchen entfernen und hörte doch noch die Laute der anderen Station ganz deutlich.

Weinhold ging weiter. Er ersetzte den Eisendraht durch einen gewöhnlichen Bindfaden; die Unterhaltung war dann immer noch bis auf eine Entfernung von 150 m möglich. Heute sind solche Sprechtelegrafen, d. h. einfache Schallbecher, durch einen Bindfaden untereinander verbunden, in aller Hände. Ob auch die Stimme eigentümlich fein und flüsternd klingt, man kann doch jede Silbe deutlich verstehen.

Übrigens haben wir es bei diesen Apparaten nicht mit einer einfachen Schallleitung zu tun, sondern der Vorgang ist viel komplizierter. Indem man nämlich in den einen Schallbecher hinein spricht, versetzt man dessen elastische Membrane in entsprechende Schwingungen. Diese Schwingungen übertragen sich durch den Faden hindurch auf die Membrane des anderen Schallbechers, so dass letztere genau in derselben Weise schwingt wie die Membrane der Aufgabestation, und somit die Laute vollständig wiedergibt. Wir hören also nicht direkt die Stimme des Sprechenden durch einfache Leitung, wir hören vielmehr die Membrane der Empfangsstation sprechen.

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• Auf epilog.de am 23. Oktober 2026 veröffentlicht

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