VerkehrSchifffahrt

Neue Erfindungen und Kulturfortschritte

Die Steuerung der neuen Riesendampfschiffe und der ›Große Kurfürst‹

Von Max Wirth

Über Land und Meer • Oktober 1878

Voraussichtliche Lesezeit rund 8 Minuten.

Während der Verhandlungen des deutschen Reichstages über die Ursachen des Unterganges des »Großen Kurfürsten« machte der Chef der deutschen Admiralität von Stosch das Zugeständnis, dass die deutschen Marineoffiziere keine genügenden Erfahrungen darüber hätten, wie man mit so kolossalen Dampfschiffen manövriere und er fügte hinzu, dass diese Erfahrung auch in anderen Ländern fehle. Nach den Untersuchungen und Experimenten, welche in den letzten Jahren in England vorgenommen worden sind, können wir dieser letzteren Behauptung indessen nur eine beschränkte Richtigkeit zugestehen. Es ist deshalb von allgemeinem öffentlichen Interesse, das Resultat jener Experimente kennenzulernen, zumal dasselbe erst im August 1878 zu einer öffentlichen Polemik in der Times Anlass gegeben hat. Wir haben uns darüber gewundert, dass dieselbe dem Chef der deutschen Admiralität unbekannt geblieben war, denn sonst würde er sich zu seiner Rechtfertigung weit wirksamerer Argumente haben bedienen können. Es besteht in England eine britische Gesellschaft für die Steuerung der Schraubendampfer, deren Seele ihr Sekretär, der hervorragende Ingenieur Osborne Reynolds ist, und dessen Komitee in den Jahren 1876 und 77 sorgfältige Untersuchungen sowohl an Modellen als an zwei großen Dampfern, ›Columba‹ und ›Melrose‹, vorgenommen hat. Das Komitee hat eingehende Berichte über das Ergebnis dieser Untersuchungen erstattet, aus welchen vollkommener Aufschluss sowohl über die Ursachen der in der englischen Marine vorgekommenen Unglücksfälle als des Unterganges des ›Großen Kurfürsten‹ zu finden ist. Reynolds erblickt die Hauptursache des Übels in der Bestimmung des englischen Steuerungsgesetzes, wonach jedes Dampfschiff, wenn es sich einem anderen Schiff so nähert, dass die Gefahr des Zusammenstoßes eintritt, seinen Lauf mäßigen oder, wenn notwendig, innehalten und beidrehen soll. Danach ist die Hemmung der Eile des Schiffes der erste Schritt, welcher zu tun ist. Erst zuletzt kommt das Wenden.

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• Auf epilog.de am 27. März 2026 veröffentlicht

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