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Hamburger Bahn: Lückenschluß im nächsten Jahr

Schneller als der ›Fliegende Hamburger‹

Berliner Wirtschaft • September 1994

Am 16. August wurde der Grundstein für den Wiederaufbau der Hamburger Bahn zwischen Spandau und Falkensee gelegt. Dafür ausgesucht wurde ein symbolträchtiger Ort: der Finkenkruger Weg in Staaken, wo noch bis 1990 die Grenzsperren verliefen. Für Planung und Bau der seit 33 Jahren stillliegenden Strecke ist die Planungsgesellschaft Bahnbau Deutsche Einheit mbH (PBDE) zuständig.

Wie der Geschäftsführer der PBDE, Prof. Dr. Siegfried Mängel, anlässlich der Grundsteinlegung vor der Presse berichtete, sind die Erdarbeiten zur Aufschüttung eines neuen Bahndammes zwischen Spandau und Falkensee bereits weit fortgeschritten. Der Damm wird für vier Gleise eingerichtet. Zunächst sind jedoch nur zwei Gleise geplant. Schon zum Fahrplanwechsel im Mai nächsten Jahres kann der Bahnverkehr auf einem Gleis aufgenommen werden. Die IC-Züge Berlin-Hamburg müssen dann nicht mehr die bisherige Umwegstrecke über Wustermark nehmen, so dass sich die Fahrzeiten weiter verkürzen werden. Die Aufnahme des zweigleisigen elektrischen Betriebes ist nach Aussage von Mängel für Mai 1996 vorgesehen. Der Ausbau der gesamten Strecke Berlin-Hamburg, dem Projekt 2 der Verkehrsprojekte Deutsche Einheit, soll 1997 abgeschlossen sein. 3,6 Mrd. DM Ausbaukosten sind für die 270 km lange Strecke angesetzt. Die Intercity-Züge werden dann in 2 Stunden 11 Minuten von Berlin nach Hamburg verkehren und damit wenige Minuten schneller sein, als der legendäre Schnelltriebwagen ›Fliegender Hamburger‹ in den 1930er Jahren. Die Streckenhöchstgeschwindigkeit wird 160 km/h betragen. Eine Anhebung auf 200 km/h ist möglich, wenn die betreffenden Länder und Kommunen sich an der Beseitigung der niveaugleichen Bahnübergänge beteiligen. Dafür müssten nach Mängel noch 500 Mill. DM zusätzlich aufgebracht werden.

Die neue Strecke wird von Anfang an auch dem Regionalverkehr in Berlin-Brandenburg dienen. Der Konzernbeauftragte der Deutsche Bahn AG, Werner Remmert, erklärte dazu, dass von Mai 1995 an die Regionalzüge der Linie 9, die zur Zeit noch in Falkensee enden, im Stundentakt über das neue Gleis bis Westkreuz verkehren werden. Ab 1996 wird ein Halbstundentakt möglich sein. Remmert rechnet allerdings bis zur Jahrtausendwende nicht mehr mit einer S-Bahn-Linie nach Nauen, für die zwei Gleistrassen auf dem jetzt errichteten Bahndamm freigehalten werden. Gegenwärtig hätten beim S-Bahn-Ausbau andere Strecken Priorität.

Die PBDE, eine Tochter der Deutsche Bahn AG, wurde vor drei Jahren mit Sitz in Berlin gegründet und ist für sieben der neun Schienenverkehrsprojekte ›Deutsche Einheit‹ verantwortlich. Sie hat in diesen Jahren bereits 500 km Eisenbahnstrecken für 3,3 Mrd. DM modernisiert. Das Projekt 6, die Strecke Halle-Eichenberg, wurde im Mai dieses Jahres als erstes Bauvorhaben fertiggestellt.

• Hans-Michael Drutschmann

Buchtipp:
Die großartige Entwicklung von Berlin und seinen Vororten ab 1870 hat an den Verkehr auf den Eisenbahnen, besonders an den Verkehr zwischen den Vororten und der inneren Stadt Berlins, Anforderungen gestellt, denen nur durch besondere Anlagen und durch eine besondere Betriebsweise genügt werden konnte. Von dem Aufschwung erhält man ein Bild, wenn man die Entwicklung der Potsdamer Bahn verfolgt. Auf den vorhandenen zwei Gleisen, der sogenannten Stammbahn, ließen sich die drei Verkehrsarten, der Fernverkehr, Güter- und Vorortverkehr, nicht mehr in voller Regelmäßigkeit bewältigen und es musste zur gründlichen Abhilfe der auftretenden Schwierigkeiten die Strecke Berlin – Potsdam viergleisig ausgebaut werden. Die dadurch entstandene neue Vorortbahn, welche am 1. Oktober 1891 eröffnet wurde, hat zum Unterschied von der alten Potsdamer Bahn die Bezeichnung ›Wannseebahn‹ erhalten.
  PDF-Leseprobe € 14,90 | 104 Seiten | ISBN: 978-3-695-14284-2

• Auf epilog.de am 1. Oktober 1997 veröffentlicht

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