Verkehr – Nahverkehr
Neue Anhängewagen der
Wiener städtischen Straßenbahnen
Von Ingenieur Ludwig Spängler
Direktor der städtischen Straßenbahnen in Wien
Elektrische Kraftbetriebe und Bahnen • 4.3.1915
Schon seit einer Reihe von Jahren werden bei den Wiener städtischen Straßenbahnen nur mehr Wagen mit Doppelein- und -ausstieg auf der einen Seite der sonst ganz abgeschlossenen Plattformen verwendet.
Beiwagen Typ ›m‹ der Gemeinde Wien – städtische Straßenbahn. Zuerst wurde diese Anordnung bei den Anhängewagen getroffen; für den Abschluss der gegen die Brustwand zu liegenden Einsteigöffnung wurde eine gegen das Wagenende zu drehbare Klapptür verwendet, während die Aussteigöffnung durch ein niederes drehbares Gitter abschließbar ist, welches in geöffnetem Zustand eine Scheidung der kommenden und gehenden Fahrgäste auf der Plattform besorgt. Auf der gegenüberliegenden Seite der Plattform befindet sich ein mit einer Schiebetür abschließbarer Notausgang. Die Klapptür ist nicht ganz einfach zu handhaben, nimmt im geöffneten Zustand ziemlich viel Platz in Anspruch und gibt viele Erhaltungsarbeiten; die Verwendung des Drehgitters für den zweiten Abschluss hat den Nachteil, dass die Plattform, welche sonst ganz abschließbar ist, was auf der vorderen Plattform in Betracht kommt, an der einen Stelle offenbleiben muss. Im Winter und bei schlechtem Wetter ist das sehr unangenehm, insbesondere deshalb, weil die aus dem Wageninneren zur vorderen Plattform führende Tür den Zu- und Abgang für die Fahrgäste bildet.
Bei den neueren Motorwagen wurden die Doppelein- und -aussteigöffnungen durch Drehtüren abschließbar gemacht, welche an die zwischen den beiden Öffnungen befindliche Säule angelenkt sind; sie ermöglichen im geschlossenen Zustand die vollständige Abschließung der (vorderen) Plattform, während sie im offenen Zustand (auf der hinteren Plattform) eine kurze Wand bilden, welche die Trennung der ein- und aussteigenden Personen besorgt.
Das hat wieder den Nachteil, dass die freie Beweglichkeit auf der hinteren Plattform stark beschränkt und das Durchgehen mit Paketen und Bündeln, welche allerdings mehr auf den Anhängewagen in Betracht kommen, gehindert wird.
Innenansicht der Plattform des Beiwagen Typ m.
Für die neu in Bestellung kommenden Anhängewagen wurde über Vorschlag des Verfassers der Abschluss des Doppelein- und -ausstiegs durch zwei nebeneinanderliegende zweiflügelige Drehtüren vorgesehen. Die zwei äußeren Flügel schlagen einerseits gegen die Kastenwand, anderseits gegen die Brustwand an, die beiden inneren Flügel aber sind an die mittlere Säule angelenkt und stehen im geöffneten Zustand nur wenig in die Plattform hinein, was vollständig ausreichend für die Trennung der kommenden und gehenden Fahrgäste ist, dabei aber die freie Beweglichkeit auf der Plattform in keiner Weise behindert. Die ganz an die Wand gedrückte Handbremse mit einem vertikalen Griffrad trägt auch zur Erweiterung der gegen die älteren Wagen etwas verlängerten Plattform bei.
Im Übrigen sind die Abmessungen der Wagen nicht viel von jenen der zuletzt bestellten Anhängewagen verschieden und ergeben sich aus den Abbildungen; aus diesen ist auch ersichtlich, dass die bisher bei den Anhängewagen verwendete Dachlaterne weggelassen und so wie bei den letzten Motorwagen ein Tonnendach angewendet worden ist. Diese neuen Anhängewagen haben bei einer Länge von 9,6 m (über die Brustwände gemessen) und einer Breite von 2,2 m insgesamt 22 Sitzplätze und 24 Stehplätze, deren Zahl in außergewöhnlichen Fällen auf 40 erhöht werden kann, so dass sich der höchste Fassungsraum zu 62 Personen ergibt.
Das Gewicht der Wagen beträgt 5750 kg.
Die Entwürfe für diese Wagen wurden in dem Konstruktionsbüro der städtischen Straßenbahnen unter der Leitung der Ingenieure Ober-Inspektor P. Hassa und O. Gander hergestellt; ein Musterwagen ist in der Hauptwerkstätte der städtischen Straßenbahnen unter der Leitung Hassas gebaut worden.
• Neuerscheinung •
Dieses Buch versammelt die zwischen 1910 und 1915 in verschiedenen Zeitschriften erschienenen Texte von Ludwig Spängler, in denen er detailliert und mit vielen Abbildungen illustriert die Konstruktion der an die speziellen Wiener Verhältnisse angepassten Straßenbahnen und Autobusse beschreibt.
