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Ein Motorschlitten

Allgemeine Automobil-Zeitung • 10.3.1901

Versuche, ein selbst­beweg­liches Fahrzeug auf Schlittenkufen zu stellen, sind im modernen Auto­mobilis­mus nicht selten gewesen. Eine recht hübsche Durchführung dieser Idee können wir heute unseren Lesern im Bild vorführen. Motorschlitten. Der Motorschlitten wurde kürzlich in Nürnberg ausprobiert und soll zur Zufriedenheit seines Konstrukteurs funktioniert haben. An Stelle der Räder sind Schlittenkufen getreten, auf welchen das Fahrzeug mit großer Schnelligkeit und völlig ruhigem Lauf über die schneebedeckten Straßen dahineilte. Der Schlitten, eine neue Leistung des Ingenieurs Maurer von der Nürnberger Motorfahrzeug-Fabrik ›Union‹ vereinigt die allerneuesten Errungenschaften auf dem Gebiet der modernen Automobil-Industrie in sich, und jedem der zahlreichen Beobachter fiel die außerordentlich einfache Konstruktion der Maschinerie, verbunden mit eleganter, gefälliger Ausstattung, vorteilhaft ins Auge. Leider ist uns die Fotografie ohne nähere Beschreibung der maschinellen Anordnung zugegangen, so dass wir uns diesbezüglich auf das Erraten verlegen müssen. Der Motor ist offenbar vorn in dem gitterartigen Gehäuse untergebracht. Unter dem Sitz sieht man eine mit Zacken versehene Vorrichtung, die wahrscheinlich den Antrieb darstellt. Die Fortbewegung des Fahrzeuges dürfte in der Weise erfolgen, dass eine Welle, die einen Kranz der vorerwähnten zackigen Arme besitzt, zur Rotation gebracht wird. Die in den Schnee eingreifenden Zacken schieben das Fahrzeug nach vorn. Die Lenkung erfolgt in derselben Weise wie die der Vorderräder eines auf Rädern laufenden Automobils durch Winkelachsen. Diese Vorrichtung ist dadurch ermöglicht, dass der Konstrukteur statt zwei Schlittenkufen deren vier angebracht hat.

• Auf epilog.de am 22. April 2026 veröffentlicht

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