DaseinsvorsorgeKommunalwirtschaft

Ein Magirus-Autolöschzug in Tätigkeit vor der höchsten Kirche der Welt

Das Neue Universum • 1924

Während noch vor wenigen Jahren die meisten Feuerwehrfahrzeuge mit Pferden zum Brandort gezogen wurden, brachte der ungeahnte Siegeszug des Verbrennungsmotors hierin eine völlige Wandlung mit sich. Die rasche Entwicklung der Großstädte stellte die Ingenieure, namentlich auf dem Gebiete des Feuerlöschwesens, vor eine Reihe schwieriger Aufgaben, deren Lösung von der deutschen Industrie in vorbildlicher Weise erfolgte.

Magirus-AutolöschzugMagirus-Autolöschzug in Tätigkeit auf dem Münsterplatz in Ulm.

Die Abbildung zeigt einen modernen Magirus-Auto­löschzug in Tätigkeit vor der höchsten Kirche der Welt, dem Ulmer Münster. Er besteht in der Regel aus einer Autospritze und einer Autodrehleiter; bisweilen ist ein drittes Fahrzeug, ein Mann­schafts- und Gerätewagen, dem Löschzug angegliedert.

Die Leiter hat ein 3,5 t-Spezialfeuerwehrfahrgestell mit einem 70 PS Vier­zylinder-Magirus­motor. Das Wesentliche in der Bauart des Fahrzeuges ist, dass die Bewegungen der Leiter unmittelbar durch die Kraft des Fahrmotors unter Einschaltung eines Wechselgetriebes erfolgen. Das Aufrichten, Ablegen, Ausziehen, Einlassen und Drehen der Leiter kann durch einen Mann vorgenommen werden, der lediglich die am Drehgestell angebrachten Hebel zu bedienen hat. Zum Aufrichten der Leiter sind nur 35 Sekunden erforderlich; es kann also in kürzester Zeit Hilfe gebracht werden. Selbstverständlich ist das Fahrzeug mit allen denkbaren Sicherheitseinrichtungen, wie Selbsthemmung, automatische Endabstellung ausgestattet, so dass Unfälle so gut wie ausgeschlossen sind. Auf dem Fahrzeug sind für sechs Mann Sitzplätze vorhanden; außerdem können noch weitere Mannschaften stehend mitfahren. Am Ende des Wagenrahmens ist ein Schlauchwagen aufge­protzt, der zur Aufnahme von etwa 250 m Normalhanfschläuchen ausreicht. Um der Leiter die denkbar beste Standsicherheit zu geben, ist die Federung des Hinterwagens abstellbar, und zwar wird sie durch das Auf- und Abprotzen des Schlauchwagens automatisch in der Weise betätigt, dass nach dem Abprotzen des Schlauchwagens die Federabstellung eingeschaltet und nach dem Aufprotzen ausgeschaltet ist.

Wie die Leiter, so besitzt auch die Autospritze ein 3,5 t-Spezialfeuerwehrfahrgestell mit einem Magirus­motor derselben Stärke. Die darin eingebaute dreistufige Magirus-Hoch­druck­zentrifugal­pumpe leistet 2000 Liter Wasser in der Minute bei einer gesamt­mano­metrischen Förderhöhe von 75 m. Der Aufbau entspricht allen Anforderungen, die an ein solches Fahrzeug im Feuerwehrdienst gestellt werden können. Mit der Spritze lassen sich zehn bis zwölf Mann befördern. Über der Pumpe liegt ein etwa 350 Liter fassender Wasserbehälter, der an die Pumpe angeschlossen ist. Der Zweck dieses Behälters besteht in erster Linie darin, dass bei der Ankunft auf dem Brandplatz sofort Wasser gegeben werden kann, bevor die Saugschlauchleitung angeschlossen ist. Der Bedienungsstand der Spritze befindet sich an der Rückseite des Fahrzeugs. Von dieser Stelle aus sind die Armaturen, wie Manometer, Vakuummeter, Umdrehungs­zähler und so weiter, bequem zu übersehen; außerdem wird von hier aus die Pumpe bedient und die Gaszufuhr des 70 PS-Motors geregelt.

• Auf epilog.de am 26. Februar 2026 veröffentlicht

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