Verkehr – Eisenbahn
Lokomotive für Kohlen- und Petroleumheizung
Der Stein der Weisen • 1893
Die bedeutenden Petroleumlager im Kaukasus und der dadurch herbeigeführte billige Preis dieses Materials an Ort und Stelle haben die russische Eisenbahnverwaltung veranlasst, Petroleum zur Beheizung von Lokomotiven vorläufig auf der Linie Gratzi – Zarizoyn zu verwenden. Zu diesem Ende wurde von Urquhardt eine Lokomotive konstruiert, bei welcher dieses flüssige Heizmaterial durch eigens konstruierte Röhren in den Heizraum unter dem Kessel eingeführt wird.
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Die Verwendung von Petroleum als alleiniges Heizmaterial kann natürlich nur in der Nähe seiner Quellen als zweckmäßig und ökonomisch angesehen werden. Von einer Verwertung außerhalb des Petroleumgebietes kann bei dem hohen Preis desselben wohl kaum die Rede sein. Nichtsdestoweniger sind mit dieser Petroleumheizung solche Vorteile verbunden, dass man in anderen Ländern mindestens den Versuch machen sollte, mit ähnlichen Kohlenstoffverbindungen zu heizen, wie zum Beispiel mit Teer und den anderen Abfällen der Leuchtgaserzeugung.
In Paris hat man vorläufig die schweren Öle, welche bei der Reinigung und Rektifikation des russischen Petroleums übrigbleiben, als Heizmaterial für feststehende Dampfkessel in Verwendung gezogen.
In England hat man bis nun nur den Versuch mit gemischtem Heizmaterial – Kohle und Mineralöl – gemacht. James Holden hat für die Lokomotiven der Great-Eastern-Eisenbahn eine Heizvorrichtung für derlei gemischtes Heizmaterial konstruiert.
Diese Heizvorrichtung zeigt den gewöhnlichen Typus einer englischen Lokomotive und ist auch der gewöhnliche Feuerrost und das mit feuerfesten Ziegeln gefütterte Feuerschirmdach des Heizraumes beibehalten. Neu sind nur die beiden Injektoren C (s. Abb.), welche das Petroleum in den Heizraum, und zwar über dem Kohlenlager auf dem Rost, zuführen. Diese Injektoren funktionieren nach Bedarf, je nachdem man den Feuerraum mit oder ohne Petroleum anheizen will. Man betrachtet nämlich das Petroleum nur als ein Aushilfsmittel zur raschen Erreichung größerer Hitzeffekte.
Lokomotive für Kohlen- und Petroleumheizung.
Die Injektoren sind derart angeordnet, dass ihre Ausflussöffnungen in einer Ebene liegen. Die aus den Injektoren austretenden Petroleumdämpfe entzünden sich sofort, wie sie mit dem Kohlenfeuer in Berührung kommen, durch welchen Umstand eine innige Mengung der brennenden Gase stattfindet. Das Petroleum wird durch die Mittelröhre B zugeführt, während durch die Röhre A aus dem Dampfkessel Wasserdampf in die Zentralröhre D einströmt. Ein Ringgebläse F, welches durch den in das Rohr C eintretenden Wasserdampf wirkend gemacht wird, vermittelt die notwendige Zufuhr von atmosphärischer Luft, die zur vollkommenen Verbrennung des Heizmaterials erforderlich ist.
Das in der Hauptröhre zuströmende Gemenge von Petroleum, Wasserdampf und atmosphärischer Luft tritt nun aus den drei Öffnungen bei E in den Kessel. Das Petroleum-Reservoir befindet sich im Tender bei R und wird das Petroleum aus demselben durch eine mit einem Regulierhahn versehene Speiseröhre zugeführt; der Regulierhahn liegt dem Maschinisten bequem zur Hand; eine besondere Röhre gestattet weiteres die Einleitung von Wasserdampf in das Petroleum-Reservoir, um dasselbe im Winter erwärmen zu können; schließlich wird die Zufuhr des Wasserdampfes aus dem Kessel zum Injektor durch die Leitungsrohre A und E vermittelt.
Wird Petroleum zur Heizung verwendet, so darf am Heizrost nur eine geringe Quantität Kohle liegen, der Aschenfall wird geschlossen und durch die Öffnungen an der Ofentür wird der Zutritt atmosphärischer Luft gestattet.
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Durch diese Einrichtungen, welche die sonstigen Mechanismen am Dampfkessel in keiner Weise behindern und nur die Schaffung eines Petroleumreservoirs im Tender bedingen, ist es gelungen, die Verwendung von Petroleum als Heizmaterial in ebenso einfacher als zweckmäßiger Form möglich zu machen.
Durch dieses Heizmaterial erreicht man den Vorteil einer leicht regulierbaren Heizung (leichter als bei Verwendung von Kohle allein), ferner kann die Maschine rascher in Gang gesetzt und der Dampfdruck gleichmäßiger erhalten werden, da eine, durch 10 Minuten unterhaltene Petroleum-Zuheizung schon genügt, um eine Dampfspannung von neun Atmosphären zu gewinnen. Allerdings darf nicht geleugnet werden, dass das Petroleum ein relativ teures Brennmaterial ist.
Gegenwärtig findet die gemischte Heizung bei der Great-Eastern-Bahn nur für gewöhnliche Personen- und Eilzüge Anwendung.
Bei einer Zuglänge von 12 – 15 Waggons beträgt der Verbrauch an Brennmaterial für jeden Kilometer 2,97 kg Kohle und 3,12 kg eines Gemenges von Petroleum und Gasteer im Verhältnis ¹⁄₃ zu ²⁄₃. Dieses Gemenge verbrennt rasch und ohne viel Rauch zu verursachen.
Schließlich sei noch bemerkt, dass das Petroleum-Reservoir im Tender 953 Liter Füllraum hat, welche Füllung für 320 Kilometer Bahnlänge genügt.
• Emil Ubl.