FeuilletonLeben & Werk

Englische Ingenieure 1750 – 1850

John Rennie

Von Theodor Beck

Zeitschrift für Architektur und Ingenieurwesen • März 1902

Voraussichtliche Lesezeit rund 31 Minuten.

John Rennie der Ältere wurde am 7. Juni 1761 auf dem Maierhof Phan­tassie an dem Flüsschen Tyne, etwa in der Mitte zwischen Hudding­ton und Dunbar in Schottland geboren. In seinem fünften Jahr verlor er den Vater, und die Sorge für die sehr zahlreiche Familie fiel zunächst der Mutter zu. John zeigte schon früh Neigung für mechanische Beschäftigungen. John Rennie (1761–1821)Abb. 1. Der schottische Bauingenieur John Rennie (1761 – 1821) realisierte wesentliche Infrastrukturprojekte in Großbritannien. Er entwarf zahlreiche Brücken, Kanäle, Docks und Hafenanlagen. Rennie arbeitete zudem an Entwässerungsprojekten und dem Bau von Leuchttürmen. Seine Entwürfe prägten die technische Entwicklung während der industriellen Revolution und beeinflussten die Arbeit nachfolgender Ingenieure maßgeblich. Als er die Gemeindeschule des benachbarten Ortes Preston­kirk besuchte und täglich an der nur durch wenige Felder von Phan­tassie getrennten Werkstätte Andrew Meikles, des Mühl­arztes, der in den Jahren 1784 – 88 die Dreschmaschine mit Dreschtrommel erfand, vorbeigehen musste, konnte er oft der Versuchung nicht widerstehen, hier an der Hobelbank oder in der Schmiede mitzuarbeiten und die Schule zu versäumen, was ihm zu Hause scharfe Verweise eintrug. Der Mühl­arzt aber gewann ihn lieb und erlaubte ihm, kleine Schiffe, Wasser- und Windmühlen zu machen. Trotzdem lernte John in der Schule so gut, dass er in seinem zwölften Jahr schon nichts mehr darin lernen konnte.

Man erlaubte ihm, zwei Jahre zu Meikle in die Lehre zu gehen. Während derselben suchte er, sich durch Lektüre auch theoretische Kenntnisse in der Mechanik zu erwerben, und nach Ablauf der Lehrzeit beschloss man, ihn in die höhere Schule von Dunbar zu schicken, damit er den Unterricht Mr. Gibsons, eines ausgezeichneten Mathematikers, genösse.

Da er beim Eintritt in diese Schule schon ein bestimmtes Ziel im Auge hatte und von dem praktischen Wert wissenschaftlicher Bildung überzeugt war, übertraf er an Fleiß alle Mitschüler, und wie groß seine natürliche Begabung war, ersieht man aus einer Stelle der im Jahr 1799 erschienenen ›Essays on the Trade, Commerce, Manufacturies and Fisheries‹ von David Loch, der einer Prüfung Rennies gelegentlich beiwohnte und sich über seine Geisteskraft voll Bewunderung ausspricht.

Nach zwei Jahren konnte auch Mr. Gibson ihn nichts mehr lehren und Rennie wollte in Meikles Werkstätte zurückkehren, als seinem Lehrer das Rektorat der höheren Schule von Perth angetragen wurde. Dieser empfahl seinen Lieblingsschüler, obgleich er noch nicht siebzehn Jahre alt war, für seine seitherige Stelle; Rennie erklärte sich jedoch nur bereit, den mathematischen Unterricht so lange zu erteilen, bis ein Nachfolger Mr. Gibsons ernannt werden könne, und unterrichtete sechs Wochen lang so vorzüglich, dass es in der Schule allgemeines Bedauern erregte, als er zu seiner Familie zurückkehrte.

Hier setzte er seine Studien für sich fort und besuchte häufig Meikles Werkstätte. Wenn dieser die Aufstellung eines Mühlwerks nicht selbst überwachen konnte, wurde Rennie damit beauftragt, gewann dadurch Erfahrung und wendete sich bald der Ausführung von Mühlwerken auf eigene Rechnung zu. Die Houston Mühle mit Werkstatt von Andrew Meikle.Abb. 2. Die Houston Mühle mit der Werkstatt von Andrew Meikle. Schon in seinem neunzehnten Jahr sehen wir ihn mit einer solchen nach eigenem Plan zu Inver­gowrie bei Dundee beschäftigt, und kurz danach wandte er in einer Mühle in Babington bei Edinburg zum ersten Male gusseiserne Getriebe anstatt hölzerner Drehlinge an.

Der Erfolg seiner Verbesserungen verschaffte ihm volle Beschäftigung, aber die eines Land­mühl­arztes genügte ihm nicht. Er beschloss, seine Studien auf der Universität Edinburgh fortzusetzen und sich die Mittel dazu selbst zu erwerben. Im November 1780 ließ er sich immatrikulieren und hörte während der Wintermonate der folgenden drei Jahre Vorlesungen über Physik und Chemie bei den Professoren Dr. Robison und Dr. Black. Gleichzeitig studierte er die Werke von Emerson, Switzer, Maclaurin, Belidor und Gravesande, sowie französische und deutsche Sprache. Zur Sommerzeit aber, in der keine Kollegien gelesen wurden, führte er Mühlwerke aus, wozu er die Zeichnungen in Phan­tassie entwarf und die Maschinenteile in Meikles und anderen Werkstätten anfertigen ließ.

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Der Technikhistoriker Theodor Beck dokumentiert die Lebenswege von fünf Pionieren, die die infrastrukturelle Entwicklung während der Industriellen Revolution in England entscheidend prägten. Der Fokus liegt dabei auf der technischen Umsetzung ihrer maßgeblichen Verkehrsbauten: James Brindley und der Bridgewater-Kanal, John Smeaton und der Eddystone-Leuchtturm, Thomas Telford und das britische Straßennetz, John Rennie und die Waterloo-Bridge sowie Marc Isambard Brunel und der Themse-Tunnel.
  PDF-Leseprobe € 19,90 | 196 Seiten | ISBN: 978-3-695-73094-0

• Auf epilog.de am 4. September 2026 veröffentlicht

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