Feuilleton – Leben & Werk
Englische Ingenieure 1750 – 1850
John Rennie
Von Theodor Beck
Zeitschrift für Architektur und Ingenieurwesen • März 1902
John Rennie der Ältere wurde am 7. Juni 1761 auf dem Maierhof Phantassie an dem Flüsschen Tyne, etwa in der Mitte zwischen Huddington und Dunbar in Schottland geboren. In seinem fünften Jahr verlor er den Vater, und die Sorge für die sehr zahlreiche Familie fiel zunächst der Mutter zu. John zeigte schon früh Neigung für mechanische Beschäftigungen.
Abb. 1. Der schottische Bauingenieur John Rennie (1761 –
Man erlaubte ihm, zwei Jahre zu Meikle in die Lehre zu gehen. Während derselben suchte er, sich durch Lektüre auch theoretische Kenntnisse in der Mechanik zu erwerben, und nach Ablauf der Lehrzeit beschloss man, ihn in die höhere Schule von Dunbar zu schicken, damit er den Unterricht Mr. Gibsons, eines ausgezeichneten Mathematikers, genösse.
Da er beim Eintritt in diese Schule schon ein bestimmtes Ziel im Auge hatte und von dem praktischen Wert wissenschaftlicher Bildung überzeugt war, übertraf er an Fleiß alle Mitschüler, und wie groß seine natürliche Begabung war, ersieht man aus einer Stelle der im Jahr 1799 erschienenen ›Essays on the Trade, Commerce, Manufacturies and Fisheries‹ von David Loch, der einer Prüfung Rennies gelegentlich beiwohnte und sich über seine Geisteskraft voll Bewunderung ausspricht.
Nach zwei Jahren konnte auch Mr. Gibson ihn nichts mehr lehren und Rennie wollte in Meikles Werkstätte zurückkehren, als seinem Lehrer das Rektorat der höheren Schule von Perth angetragen wurde. Dieser empfahl seinen Lieblingsschüler, obgleich er noch nicht siebzehn Jahre alt war, für seine seitherige Stelle; Rennie erklärte sich jedoch nur bereit, den mathematischen Unterricht so lange zu erteilen, bis ein Nachfolger Mr. Gibsons ernannt werden könne, und unterrichtete sechs Wochen lang so vorzüglich, dass es in der Schule allgemeines Bedauern erregte, als er zu seiner Familie zurückkehrte.
Hier setzte er seine Studien für sich fort und besuchte häufig Meikles Werkstätte. Wenn dieser die Aufstellung eines Mühlwerks nicht selbst überwachen konnte, wurde Rennie damit beauftragt, gewann dadurch Erfahrung und wendete sich bald der Ausführung von Mühlwerken auf eigene Rechnung zu.
Abb. 2. Die Houston Mühle mit der Werkstatt von Andrew Meikle. Schon in seinem neunzehnten Jahr sehen wir ihn mit einer solchen nach eigenem Plan zu Invergowrie bei Dundee beschäftigt, und kurz danach wandte er in einer Mühle in Babington bei Edinburg zum ersten Male gusseiserne Getriebe anstatt hölzerner Drehlinge an.
Der Erfolg seiner Verbesserungen verschaffte ihm volle Beschäftigung, aber die eines Landmühlarztes genügte ihm nicht. Er beschloss, seine Studien auf der Universität Edinburgh fortzusetzen und sich die Mittel dazu selbst zu erwerben. Im November 1780 ließ er sich immatrikulieren und hörte während der Wintermonate der folgenden drei Jahre Vorlesungen über Physik und Chemie bei den Professoren Dr. Robison und Dr. Black. Gleichzeitig studierte er die Werke von Emerson, Switzer, Maclaurin, Belidor und Gravesande, sowie französische und deutsche Sprache. Zur Sommerzeit aber, in der keine Kollegien gelesen wurden, führte er Mühlwerke aus, wozu er die Zeichnungen in Phantassie entwarf und die Maschinenteile in Meikles und anderen Werkstätten anfertigen ließ.
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