Handel & IndustrieLebensmittelproduktion

Start-up FarmInsect bietet Alternative zu herkömmlichem Proteinfutter

Insekten als Futter für Nutztiere

tvi.ticker • 22. September 2020

Das Start-up FarmInsect hat eine Technologie entwickelt, mit der Insektenlarven als Proteinfutter gezüchtet werden können. Das von Absolventen der Technischen Universität München (TUM) gegründete Unternehmen will in wenigen Wochen eine Pilotanlage bei einem der größten Fischzucht-Betriebe in Bayern in Betrieb nehmen.

Die Unternehmensgründer von FarmInsect, Wolfgang Westermeier, Thomas Kühn und Andre Klöckner, entwickelten ein Prinzip der Kreislaufwirtschaft, wonach Reststoffe, die in der Region anfallen, etwa Ernte- oder Schälreste eines landwirtschaftlichen Betriebs oder Reststoffe der regionalen Lebensmittelindustrie, wie Biertreber oder Altbrot, genutzt werden können, um Insektenlarven zu mästen und zu verfüttern.

Seit Ende 2017 ist die Verwendung von Insektenmehl in der Aquakultur gesetzlich zugelassen. Eine Zulassung für die Geflügel- und Schweinemast wird für 2021 erwartet. Die Verfütterung lebender Insekten ist jedoch bereits heute für Hühner, Schweine und Fische erlaubt.

Unser dezentrales Verfahren zur Insektenproduktion bietet die Möglichkeit, dass die Larven lebend verfüttert werden können, weil keine langen Transportwege anfallen. Dies stimuliert die Tiere, ihren natürlichen Trieb zu picken und zu wühlen besser auszuleben und fördert so das Tierwohl, sagt Co-Gründer und Agrarwissenschaftler Wolfgang Westermeier.

Futter vor Ort aus regionalen Reststoffen erzeugen

LarvenFoto: FarmInsect

FarmInsect liefert Anlagen zur Insektenzucht, die modular in die Infrastruktur jedes Tierzucht-Betriebs integriert werden können. Das Schwierigste ist es, aus Eiern Junglarven zu machen, meint FarmInsect-Geschäftsführer und Co-Gründer Thomas Kühn. FarmInsect züchtet die Junglarven der Schwarzen Soldatenfliege – eine besonders anspruchslose und robuste Insektenart – daher in einer eigenen Anlage und liefert sie regelmäßig und auf den jeweiligen Bedarf abgestimmt an die Betriebe.

In einer Woche Mast wachsen die Junglarven in einer Klimakammer zu 1,5 cm großen Larven heran und erhöhen ihr Gewicht um den Faktor 1000. Die Betreibenden müssen zur Herstellung ihres Insekten-Futtermittels nur einen Mischtopf mit Biomasse füllen und die Klimakammer mit jungen Larven be- und mit ausgewachsenen Larven entladen. Dann können die Larven direkt an Nutztiere – derzeit hauptsächlich Fische, in Zukunft wohl auch Hühner oder Schweine – verfüttert werden.

Bei der Verwendung von regionalen Reststoffen als Futtermittel müssen die strengen Regeln des Futtermittelrechts beachtet werden. Eine besondere Herausforderung ist dabei die lückenlose Rückverfolgung ihrer Herkunft. Um diese zu dokumentieren haben wir eine IT-Plattform entwickelt, sagt Mitgründer Andre Klöckner, der für die technische Entwicklung und Programmierung verantwortlich ist.

Quelle: Technische Universität München

• Auf epilog.de am 25. September 2020 veröffentlicht