Berlin

Berliner Neubauten

Geschäftshaus der Gebr. Simon,
Klosterstraße 80/81

Architekten: Cremer & Wolffenstein in Berlin

Deutsche Bauzeitung • 6.12.1902

Geschäftshaus der Gebr. Simon

Das Geschäftshaus der Gebr. Simon in der Klosterstraße 80/81 wurde in seinem ältesten Teil von Schwatlo als Hinterhaus der Grundstücke Klosterstraße 80/81 mit geschlossener Front an der alten Königsmauer errichtet. Im Jahr 1885 erfolgte nach Fortfall der Königsmauer und Verbreiterung der Neuen Friedrichstraße die erste Erweiterung durch Neubau an dieser Straße, und im Jahr 1900/01 die jetzige zweite Erweiterung durch einen Neubau anstelle der alten Wohnhäuser an der Klosterstraße 80/81 durch die Architekten Cremer & Wolffenstein in Berlin. Der Neubau stellt sich als ein 18 m tiefes Vordergebäude und ein 19 m breites Mittelgebäude, anschließend an den ältesten und den später errichteten Teil des Geschäftshauses Neue Friedrichstraße dar. Die beiden großen Höfe zwischen Mittelgebäude und Vordergebäude, welche teilweise mit Glas überdeckt und im Erdgeschoss zum Geschäftshause hinzugezogen sind, dienen zum Geschäftsbetrieb der für die auswärtige und die Stadtexpedition verkauften Waren und sind durch Durchfahrten von der Klosterstraße zugänglich.

Im Geschäftshause Simon werden die Waren nur stückweise verkauft, deshalb war bei der Grundriss-Anordnung hauptsächlich Rücksicht auf die Stellung der gutbeleuchteten Regale zur Aufnahme der Waren und der zwischen ihnen stehenden Auslagetische zu nehmen, auch Sorge zu tragen, dass die Waren durch Handwagen in den Geschossen selbst und durch Aufzüge leicht und bequem ohne Störung hin und her befördert werden konnten. Das erforderliche Maß von Mitte Regal zu Regal von rund 5 m ergab die Achse der Fensterteilung, die Tiefe der Regale von 1,6 m die Breite der Fensterpfeiler. Das Gebäude hat außer dem 1,6 m über Gelände aufsteigenden Kellergeschoss von 3 m Höhe noch drei Geschosse von 4,4 m Höhe. Das Dachgeschoss dient als Lagerraum. Die angerollten Waren werden in einem Kellerabteil an der Neuen Friedrichstraße abgeladen, dort ausgepackt, eingetragen usw. und von diesem Raum im Keller, der auch als Warenlager dient, durch die Handwagen nach den fünf Fahrstühlen und von diesen zu den verschiedenen Geschossen gebracht und in die Regale verteilt. Die verkauften Waren der verschiedenen Geschosse werden in gleicher Weise, jedoch nur zum Erdgeschoss, befördert und hier in Stapeln für die Kunden aufgestellt, um durch die Stadtexpedition unmittelbar den Stadtkunden, oder durch die auswärtige Expedition nach der Packkammer und von hier den auswärtigen Kunden gebracht zu werden.

Das Erdgeschoss enthält deshalb hauptsächlich die für die Aufstapelung der zur Stadt und auswärtigen Expedition bestimmten Waren gehörigen Büros und Packräume, also Zentralbüro, Kasse, Musterzimmer, Zimmer, der Chefs, Wartezimmer usw., während die Stockwerke nebst Dachgeschoss nur zur Auslage und zum Verkauf von Waren benutzt werden.

Zur Verbindung der Geschosse untereinander sind zwei Haupttreppen und fünf Nebentreppen, fünf Waren- und ein Personen-Fahrstuhl angeordnet. Eine dieser Haupttreppen ist vom Haupteingange und von dem durch alle Geschosse gehenden mit Glas überdeckten Hof, in welchem die ankommenden Kunden im Erdgeschoss einen Verkäufer zuerteilt erhalten, zugänglich. Der Packraum für die auswärtige Expedition liegt unter dem glasüberdeckten Hofteil zu ebener Erde, während die Stadtexpedition mit dem Erdgeschoss auf gleicher Höhe gelegen ist.

Im Kellergeschoss sind an der Klosterstraße ausreichende Garderoben und Toiletten für die Angestellten und Hausdiener, und im Dachgeschoss als 5. Stockwerk eine Kantine nebst Küche für die Beamten des Kaufhauses eingerichtet worden.

Geschäftshaus der Gebr. SimonGeschäftshaus der Gebr. Simon

Der Neubau hat an der Klosterstraße eine Werksteinfassade aus Nesselberger Sandstein erhalten, besitzt in allen Stockwerken massive Decken mit Eichenstabfußboden und einen eisernen Dachstuhl. Außer dem Eingangs-Vestibül und der Halle, den Zimmern der Chefs, die eine reichere architektonische Ausgestaltung erfuhren, ist das Gebäude zweckentsprechend, aber in einfachster Weise durchgebildet; das Gleiche ist von der inneren Ausstattung zu sagen.

Das Gebäude wird durch eine Niederdruck-Dampfheizung erwärmt. Die Anlage liegt im rechten Hofkeller und besteht aus vier Kesseln und einem Reserve-Kessel. Die Geschäftsräume werden durch Bogenlampen, die Büros durch elektrische Glühlampen beleuchtet.

Den Neubau leitete in umsichtiger Weise Hr. Bauführer Topp. Folgende Firmen waren an demselben tätig: Für die Maurer- und Zimmerarbeiten Held & Francke, für die Steinmetzarbeiten O. Ploeger, für die Bildhauerarbeiten Ernst Westpfahl, für die Tischlerarbeiten A. Klempau und H. Bilecki, für die Malerarbeiten Waller & Senftleben, für die Schlosserarbeiten Ernst Francke, für die Aufzüge Carl Flohr, für die Fußböden E. Wolff & Sohn, für die Dachziegel Burg Hennigsdorf AG, für die Glaserarbeiten J. Schmidt, für die Zentralheizung Janeck & Vetter, für die elektrische Beleuchtung Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft, für die Be- und Entwässerung L. Moses und für die Telefon-Anlage und Klingeln Mix & Genest in Berlin.

• Auf epilog.de am 10. Mai 2022 veröffentlicht