Forschung & TechnikTechnik

Feuer unter Wasser

Von Hans Dominik

Die Gartenlaube • 1921

In der modernen Technik tritt immer häufiger die Aufgabe auf, Eisenkonstruktionen unter Wasser zu zerschneiden. Es sei dabei nur an die Notwendigkeit für die Taucher erinnert, sich den Zutritt zu gesunkenen eisernen Schiffen unter Umständen mittels Durchbrechung der Schiffswand zu verschaffen. Akut wurde das Problem auch bei der Ausführung der Spreetunnelbauten für die Berliner Untergrundbahn durch die Firma Siemens & Halske AG. Taucher mit Sauerstoff-Azetylen-SchneidbrennerDer Taucher mit dem Brenner geht unter Wasser. Hier handelte es sich darum, eiserne Spundwände, die in das Spreebett geschlagen waren, in der Höhe des Flussgrundes so sauber und gradlinig abzuschneiden, dass eine Tunneldecke wasserdicht darauf aufgepasst werden konnte.

Das Mittel für diese Arbeiten ist nun der Sauerstoff-Azetylen-Schneidbrenner, der für Unterwasserarbeiten derart durchkonstruiert und entwickelt wurde, dass er auch in größeren Wassertiefen mit heißer Flamme im Wasser selbst brennt und Eisen wegschmilzt bzw. wegschneidet. Zum Verständnis dieses wunderbaren Verhaltens muss man sich vor Augen halten, dass der zur Verbrennung notwendige Sauerstoff der Flamme dabei durch ein Brennerrohr zugeführt wird. Die löschende Wirkung des Wassers, so weit sie auf der Abschneidung des Luftsauerstoffes beruht, kann daher schon nicht wirksam werden. Es genügt weiter, die beiden Gase Sauerstoff und Azetylen mit dem nötigen Druck aus den Brennerrohren treten zu lassen, um eine Flamme zu erhalten, die auch im Wasser ungestört weiter besteht.

Unsere Abbildung zeigt einen Taucher, der mit solchem Brenner ausgerüstet auf den Spreegrund niedersteigt, um Spundwände abzuschneiden. Auch unter Wasser geraten die schweren eisernen Bohlen dabei an der Schnittfläche in hellste Weißglut, und bei der geringen Tiefe des Spreeflusses dringen selbst am hellen Tage einige Lichtreflexe von der Arbeitsstelle bis zur Flussoberfläche empor. Die Praxis hat hier Dinge möglich gemacht, die man in einem Jules Verneschen Roman für allzu fantastisch und unmöglich erachtet haben würde.

Entnommen aus dem Buch:
Der Ingenieur Hans Dominik (1872 – 1945) ist vor allem durch seine technisch-utopischen Romane bekanntgeworden. Dominik war aber in erster Linie Wissenschaftsjournalist und verfasste zahlreiche populärwissenschaftliche Beiträge für verschiedene Zeitschriften und Tageszeitungen. Dabei brachte er im lockeren Plauderton dem interessierten Laien wissenschaftliche Grundlagen und neue technische Errungenschaften näher. Dieses Buch versammelt eine repräsentative Auswahl seiner wissenschaftlichen und technischen Plaudereien.
  PDF-Leseprobe € 16,90 | 154 Seiten | ISBN: 978-3-695-11029-2

• Auf epilog.de am 25. April 2026 veröffentlicht

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