U-Bahn in Berlin

Der Entwurf einer elektrischen Untergrundbahn für Berlin

Vortrag von Richard Kolle, Direktor der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft, gehalten in der Versammlung des Vereins für Eisenbahnkunde am 8. Dezember 1891.

Der Bär • 2.4.1892

Voraussichtliche Lesezeit rund 40 Minuten.

Von der Annahme ausgehend, dass in den Hauptstraßenzügen Berlins die Verkehrsmittel, d. h. die Pferdebahnen- und Omnibus-Linien, nahezu an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angelangt sind, dass aber der von Jahr zu Jahr wachsende Verkehr auf die Schaffung neuer Beförderungsmittel hinweist, es daher geboten erscheint, zeitig neue Verkehrsgelegenheiten zu bieten, damit nicht über kurz oder lang eine Notlage eintritt, ist von der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft der Entwurf einer Untergrundbahn ausgearbeitet, welche nach der gedachten Art des Betriebes und der Betriebsmittel Anspruch auf die übliche Bezeichnung einer Stadtbahn haben dürfte.

Die geplante Tunnelbahn soll nach und nach sämtliche Stadtteile untereinander verbinden. Sie schmiegt sich möglichst den Hauptverkehrsstrecken an, wie in Abb. 1 generell angedeutet ist. Es sind tunlichst viele Berührungs- und Übergangspunkte mit den über der Bahn liegenden Straßen vorgesehen, da nur bei einer derartigen Anordnung erwartet werden darf, dass die Untergrundbahn eine bequeme Beförderung bieten wird.

Die projektierte elektrische Untergrundbahn.Abb. 1. Die projektierte elektrische Untergrundbahn.

Die Bedeutung einer ›Stadtbahn‹ ist in der technischen Literatur mehrfach eingehend erörtert worden. Bei der von Jahr zu Jahr zunehmenden Ausdehnung der Hauptstadt, dem Heranrücken der großen und aufblühenden Vororte an die Weichbildgrenzen Berlins ist das Bedürfnis einer tunlichst schnellen Beförderung zwischen den äußeren Stadtgebieten und dem Inneren, dem Mittelpunkt Berlins, immer mehr hervorgetreten. Es liegt in der Natur der Sache, dass die jetzige Stadt- und Ringbahn, ungeachtet ihrer großen Leistungsfähigkeit und wirtschaftlichen Bedeutung für Berlin und Umgebung dieses Verkehrsbedürfnis nicht ganz befriedigen kann, da sie in ihrer Eigenschaft als Vollbahn nur eine bestimmte und dabei im städtischen Gebiete nicht allzu breite Verkehrszone beherrscht. Sie berührt zwar die wichtigsten Verkehrsschwerpunkte im Zentrum der Stadt, kann aber als Vollbahn nicht die bedeutendsten Straßenzüge verfolgen.

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Buchtipp:
Die 1910 eröffnete Untergrundbahn der damals noch selbstständigen Stadt Schöneberg – heute die Berliner Linie U 4 – war nicht nur die zweite U-Bahn in Deutschland, sie setzte auch neue Maßstäbe bei der Baulogistik und viele Verfahren der ›Berliner Bauweise‹ wurden hier zum ersten Mal angewendet. Dem Verfasser dieses Buches, Stadtbaurat Friedrich Gerlach (1856 – 1938), oblag die oberste Leitung für das Projekt der Schöneberger Untergrundbahn und so erfährt der Leser aus erster Hand, wie die Strecke geplant und gebaut wurde. Über 120 Zeichnungen und Fotos illustrieren dieses Zeitdokument der Berliner Verkehrsgeschichte.
  PDF-Leseprobe € 14,90 | 110 Seiten | ISBN: 978-3-7519-1432-1

• Auf epilog.de am 10. April 2026 veröffentlicht

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