Verkehr – Transport
Elektro-Hängebahnanlagen für die Bedienung elektrischer Kraftwerke System Bleichert
Von Ingenieur H. H. Dietrich
Elektrische Kraftbetriebe und Bahnen • 4.1.1916
Die Anfänge der heutigen Elektro-Hängebahn gehen auf die Jahre 1904 bis 1906 zurück, wenn wir von den auf dem Gebiet physikalisch-technischer Spielerei liegenden Versuchen des englischen Professors Jenkins absehen, der auf ausgespannten Seilen vermittelst elektrischer Lokomotiven Hängebahnwagen fördern wollte. Kurz zuvor hatten sich die ferngesteuerten Laufkatzen für Kräne entwickelt, z. B. in der Turbinenfabrik der AEG. Vom heutigen Stande unseres Könnens betrachtet, war diese technische Leistung keineswegs bemerkenswert, denn das Laufwerk wurde durch Fernschaltung nur hin- und her verfahren und konnte an jedem Punkt beispielsweise eines etwa 4 m langen Drehkranauslegers angehalten werden, während das Hubwerk durch besondere Zugketten gesteuert werden musste. Ähnlicher Art waren auch die Vorläufer der eigentlichen Elektro-Hängebahn, beispielsweise eine Anlage für die Wanderer-Werke, nur dass hier nicht die gelegentliche Stückgutförderung, sondern die dauernde Massenförderung ins Auge gefasst war, wobei das Laufwerk nach der Stromeinschaltung zwischen zwei bestimmten Punkten von selbst hin- und herlief, während der Förderkübel – in diesem Falle für die Aufnahme von Kohle und Asche für eine kleinere elektrische Kraftstation – auch hier durch Zugschnüre gesteuert wurde. 1905 oder 1906, wenn ich mich recht entsinne, erschien die erste Abhandlung über eine eigentliche Elektro-Hängebahn, ein Fördermittel, bei dem auf geschlossener Gleisbahn eine Anzahl Wagen von selbst im gleichen Abstand hintereinander herlaufen, über einem Verladestrang am Ufer selbsttätig anhalten und sich hintereinander aufstellen, wobei der erste Wagen seinen Förderkübel selbsttätig absenkt, der dann nach Wiedereinschaltung des Stromes gefüllt aufgezogen wird, worauf der Wagen von selbst die Fahrt wieder aufnimmt und vor den vorhandenen Schuppen sich selbst die Weichen richtig umlegt, in dem Schuppen selbsttätig an der richtigen Stelle entlädt und in der Vollendung des Kreislaufes von selbst wieder zur Beladestelle am Ufer zurückkehrt, wo er sich aufstellt und solange wartet, bis die vor ihm befindlichen Wagen beladen und auf die Fahrt geschickt sind, um dann selbst wieder vorzurücken und mit dem selbsttätigen Absenken seines Kübels das Spiel von neuem zu beginnen, ohne dass dabei außer eines im Schiff befindlichen Handschalters irgendwelche Steuerschnüre oder Steuerketten oder irgendeine besondere Bedienung auf der ganzen Strecke der Bahn erforderlich gewesen wäre, so dass einzig und allein die im Schiff beschäftigten Schaufelarbeiter für die ganze Kohleverladung in Frage kamen, die nebenbei den Handschalter für die Elektro-Hängebahn betätigten und so die gesamte Bahn steuerten, ohne dass ein ständiger Überblick über die ganze Anlage erforderlich war. Das Schaltungssystem, das dieser selbsttätigen, so ganz neuartigen Förderbahn zugrunde gelegt war, war das der Firma Adolf Bleichert & Co. in Leipzig. Das neue Fördermittel erregte wohl Aufmerksamkeit, fand aber doch noch keinen großen Anklang, war doch seine Arbeitsweise so ungewöhnlich, dass man glaubte, es im besten Falle mit einer mechanischen Spielerei zu tun zu haben, nicht aber mit einem ernsthaften, kräftigen, widerstandsfähigen und wirklich brauchbaren Massenfördermittel.
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