VerkehrStraßenverkehr

Elektrische Straßen-Güterzüge

Vom Regierungsbaumeister a. D. und Privatdozenten Gustav Braun

Verkehrstechnische Woche • 25.3.1911

Voraussichtliche Lesezeit rund 14 Minuten.

In der Reihe der Verkehrsmittel, die für die Beförderung von Gütern infrage kommen, klafft eine Lücke. In all den Fällen nämlich, in denen die Anlage einer Kleinbahn durch die Verkehrsdichte nicht gerechtfertigt erscheint und in denen daher die Beförderungen nach wie vor auf den ohnehin vorhandenen Landstraßen vor sich gehen müssen, fehlt es an einem Beförderungsmittel, das größere Gütermengen zu einem mäßigen Preis und mit leidlicher Geschwindigkeit befördern kann. Es ist hier von den Fällen die Rede, bei denen die erforderlichen Beförderungsleistungen durch den Zugtierbetrieb nicht mehr bewältigt werden können. Das Lastautomobil aber ist nur in wenigen Fällen berufen, die erwähnte Lücke auszufüllen, weil die Betriebskosten so hoch sind, dass nur hochwertige Güter seine Anwendung gestatten. Die Höhe der Betriebskosten ist in der technischen Eigenart des heute üblichen Lastkraftwagens begründet. Er ist nach dem Vorbild des Personenwagens so gebaut, dass nur eine Achse Treibräder besitzt. Die zur Überwindung der Bewegungs-Widerstände erforderliche Zugkraft muss daher an diesen beiden Rädern entwickelt werden. Da aber die Bewegungswiderstände, die schon auf ebener gut unterhaltener Straße etwa 22 kg für die Tonne betragen, unter Umständen (Steigungen, schlechte Straße) sehr erhebliche Werte annehmen können, so muss danach gestrebt werden, dass die Reibung zwischen Rad und Straßenoberfläche möglichst groß wird. Nach dem heutigen Stande der Technik ist dies nur möglich mit Hilfe der Gummibereifung. Es hat zwar an Versuchen, die Reibung der Eisenreifen durch entsprechende Gestaltung der Oberfläche (Ausstattung mit Rippen u. dgl.) zu vergrößern, nicht gefehlt. Namentlich in England sind Kraftwagen mit derartigen Rädern vielfach üblich. Indessen gestatten solche Reifen nur sehr geringe Geschwindigkeiten, wenn sich die Einwirkung auf die Straße, die natürlich weit stärker ist als bei Gummireifen, in mäßigen Grenzen halten soll.

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