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Eisenbahn, durch Wasserkraft betrieben

Der Stein der Weisen • 1890

Die durch unsere Flussläufe repräsentierte Kraft wird bekanntlich nur zum kleinsten Teil für menschliche Zwecke dienstbar gemacht. Noch harren Millionen von Pferdekräften, welche ein kolossales Vermögen darstellen, einer rationellen Verwertung durch Produzieren von Arbeit, welche bisher durch Verbrennung durch Kohlen erzeugt wurde.

Ganz neu und gewiss originell ist der vorliegende Vorschlag, Eisenbahnzüge durch Wasserkraft fortzubewegen.

Zwei Kanäle von genau gleichem Querschnitt und entsprechendem Gefälle, welche von einem naheliegenden Fluss oder Bach abgezweigt werden, sind durch einen Damm getrennt, auf welchem Eisenbahngleise von normaler Spurweite mit zwischen­liegender Zahnschiene verlegt sind.

Eisenbahn durch Wasserkraft betrieben

An jedem Eisenbahnwaggon A (s. Abb.) laden vorn und hinten die nach oben beweglichen kräftigen Doppelarme B B aus, an deren Enden sich die Lager C C zur Aufnahme von Wellen D D befinden. An den Enden dieser Wellen, welche bis über die Kanäle herüber­ragen, sind dann die Wasserräder F F derart befestigt, dass ihre Mitten mit den Mitten der Kanäle zusammenfallen. Mitten zwischen den Wasserrädern sind die Zahnräder E derart aufge­keilt, dass sie sich im Eingriff mit der Zahnschiene g befinden.

Die Wasserräder, deren Schaufeln fast die Breite des ganzen Kanals ausfüllen können, werden nun durch das abwärtsfließende Wasser bewegt, und diese drehende Bewegung wird auf das Zahnrad E übertragen, welches hierdurch gezwungen wird, sich auf der Zahnscheibe fortzurollen und damit den Wagen A mit fortzubewegen.

Wie leicht einzusehen ist, wird die Bewegungsrichtung des Wagens entgegengesetzt derjenigen des Wasserstromes sein müssen und hierin liegt die Bedeutung dieser Erfindung. Die Unterbrechung der Fortbewegung wird in sehr einfacher Weise dadurch bewirkt, dass das Zahnrad E durch Hochheben des beweglichen Armes B außer Eingriff mit der Zahnschiene gebracht wird. Das Hochheben findet von der Plattform der Wagen aus durch Schraubenspindel und Handrad statt. Durch Bremsen kann das Anhalten des Zuges selbstverständlich noch unterstützt werden.

Die Talfahrt des Wagens wird durch das natürliche Gefälle der Schienenstrecke bewirkt. Unterstützt wird die Bewegung durch den Druck, welcher durch das fließende Wasser auf die Schaufelräder ausgeübt wird, nachdem vorher die Zahnräder E durch Hochheben außer Eingriff mit der Zahnschiene gebracht worden sind.

Ist das Gefälle zu bedeutend, so wird man durch Weiterdrehen an dem Handrad die Schaufeln ganz aus dem Wasser herausheben.

Ein anderer Vorschlag des Erfinders geht dahin, solche Bahnen mit nur einem mittleren Kanal auszuführen. Die Wagen müssten dann in der Mitte geteilt sein und das Schaufelrad ginge zwischen ihnen durch; die Schienen werden dann so verlegt, dass auf jeder Seite des Kanals eine gewöhnliche Eisenbahnschiene für die Wagenräder und eine gezahnte Schiene für den Eingriff der ebenfalls doppelt angeordneten Zahnräder vorhanden fein müssen.

• Hans Biringer.

• Auf epilog.de am 24. Januar 2026 veröffentlicht

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