VerkehrEisenbahn

Die Salève-Bahn

Prometheus • 18.10.1893

Durch Industries and Iron erhalten wir endlich genauere Angaben über die erste elektrische Zahnradbahn, welche Genf mit dem Gipfel des in der Nähe auf französischem Boden befindlichen Berg Salève verbindet. Die Bahn unterscheidet sich, wie der Name andeutet, von den sonstigen zahlreichen Zahnradbahnen darin, dass nicht Dampf, sondern Elektrizität die in das Zahngestänge eingreifenden Zahnräder der Lokomotive betätigt, und der Strom wird den Elektromotoren aus der Ferne, von den Ufern der Arve nämlich, zugeführt. Das dortige Elektrizitätswerk wird durch die Wasserkraft des Flusses betrieben. Die Linie zerfällt in drei Abschnitte von je etwa 5 km Länge, und es schwanken die Steigungen zwischen 1 % und 5 %. Sie sind also verhältnismäßig nicht bedeutend. Die drei Turbinen des Elektrizitätswerks und die damit verkuppelten Dynamomaschinen machen nur 45 Umdrehungen in der Minute. Letztere müssen unter diesen Umständen einen bedeutenden Durchmesser (3 m) besitzen. Entnommen werden der Arve 600 PS. Für den Wochentagsbetrieb genügt eine Maschine; sonntags werden zwei in Gang gesetzt; die dritte aber dient als Reserve. Fortgeleitet wird der Strom mittelst einer Schiene, die neben der einen Laufschiene angeordnet ist, und er gelangt von dort zum Elektromotor des 30pferdigen Motorwagens. Dieser fasst 40 Fahrgäste. Vorn steht der Führer. Er hat den Umschalter sowie die Hebel von nicht weniger als 8 Bremsen vor sich. Von diesen sind zwei elektrisch; sie bestehen aus dem Motor selbst, dessen Umdrehungsrichtung durch die Steuerung umgekehrt wird, wodurch er bremsartig wirkt. Bei der Talfahrt arbeitet er als Dynamomaschine und erzeugt seinerseits Strom.

• Auf epilog.de am 5. März 2022 veröffentlicht