VerkehrFernmeldewesen

Der Hoffmannsche Fernschreiber

Das Neue Universum • 1898

Die Bestrebungen, durch den elektrischen Telegrafen nicht allein die Striche und Punkte des Morsealphabets, sondern auch Buchstaben und Zeichnungen Übermitteln zu können, sind schon ziemlich alt. Hier erläutern wir mit Hilfe der beigegebenen Abbildungen einen jener Telegrafenapparate, deren Zweck es ist, Nachrichten in gewöhnlicher Druckschrift zu übermitteln. Hoffmannsche FernschreiberAbb. 1. Der Hoffmannsche Fernschreiber von vorne gesehen. Derselbe ist mehr zum Gebrauche im Geschäftsleben für Kaufleute, Industrielle, für die heutige Kundenwelt des Telefons bestimmt, als für die Telegrafenämter, obwohl er auch diesen durch seine größere Arbeitsgeschwindigkeit im Vergleich mit dem Morseapparat gute Dienste wird leisten können. Beim Morsealphabet werden manche Buchstaben durch ein drei- bis viermaliges Niederdrücken der Taste hervorgebracht, während der Hoffmannsche Fernschreiber, genau wie eine Schreibmaschine wirkend, für jeden Buchstaben nur das Berühren einer Taste notwendig macht.

Der Fernschreiber besteht zunächst aus einer Schreibmaschine, die von geübten Händen mit einer Geschwindigkeit von 120 Buchstaben in der Minute bedient werden kann, ihre Schrift aber nicht auf einen gewöhnlichen Briefbogen, sondern auf den oberhalb der Klaviatur sichtbaren Morsestreifen überträgt. Dieselben Buchstaben aber erscheinen gleichzeitig auf dem Papierstreifen der beliebig weit entfernten Empfangsstation, und zwar wird diese Wirkung durch folgende Einrichtung hervorgebracht: Jeder Druck auf eine Taste der Schreibmaschine sendet mit Hilfe einer Kontaktvorrichtung, die wir in der Vorderansicht des Fernschreibers deutlich unter den Tasten erblicken, einen momentanen Strom durch die Leitung, welche den Gebeapparat mit dem Empfänger verbindet. Jeder Stromimpuls wirkt auf einen kleinen Elektromagneten des Gebers, welcher ebenso oft die Triebfeder eines Uhrwerks zur Auslösung bringt und gleich darauf wieder hemmt. Hoffmannsche FernschreiberAbb. 2. Der Hoffmannsche Fernschreiber von hinten gesehen. Auf der Achse dieses Uhrwerks aber sitzt wieder um, wie wir in der Rückansicht des Fernschreibers (Abb. 2) bemerken, ein sogenanntes Typenrad, das am Umfange mit den Buchstaben, Ziffern und Zeichen der Schreibmaschine besetzt ist, und daneben ein mit Metallsegmenten besetztes Kontakträdchen mit ebenso viel Stromberührungsstellen, als das Typenrad Zeichen enthält. Die Einrichtung ist nun derart, dass bei dem Niederdrücken einer jeden Taste der Strom nur durch ein bestimmtes Segment der elektrischen Kontaktwalze eintritt und dadurch das Typenrad in einer bestimmten Stellung verharren lässt. In demselben Augenblick wird durch den Hebel eines zweiten Elektromagneten der Papierstreifen gegen das Typenrad gedrückt und mit dem betreffenden Zeichen versehen.

Da der Fernschreiber sich an die Leitung eines Telefons anschließen lässt, so ist er mehr zu dessen Ergänzung, als dazu bestimmt, es zu verdrängen. Der Fernsprecher kann, zumal wenn es sich um wichtige Nachrichten, um die Vermittlung von Aufträgen mit genauen Zahlenangaben handelt, leicht Veranlassung zu Ungenauigkeiten und Irrtümern geben. In solchen Fällen wird der Fernschreiber besser am Platz sein, da er Irrtümer und Missverständnisse einerseits leichter zu vermeiden erlaubt, dann aber auch gestattet, sie im eintretenden Fall an der Hand der niedergeschriebenen Telegramme mit größerer Sicherheit festzustellen und zu berichtigen.

• Auf epilog.de am 27. März 2022 veröffentlicht